Das Grammophon weckt Erinnerungen: Regina Graff wurde schon am Donnerstag 100 Jahre alt. Ihre Betreuerinnen Sanita Mustapic (M.) und Maria Näther ließen sie am Freitag in der Tagespflege hochleben.
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Das Grammophon weckt Erinnerungen: Regina Graff wurde schon am Donnerstag 100 Jahre alt. Ihre Betreuerinnen Sanita Mustapic (M.) und Maria Näther ließen sie am Freitag in der Tagespflege hochleben.

Regina Graff feiert 100. Geburtstag

Mit Grammophon und „Familie“

  • vonAndrea Gräpel
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Für einen kurzen Moment war am Freitagvormittag nicht ganz klar, wer aufgeregter war – das Geburtstagskind aus Herrsching oder ihre Betreuerinnen in der Tagespflege der Nachbarschaftshilfe Inning. Regina Graff war bereits am Donnerstag 100 Jahre alt geworden. Freudig berichtete sie am Freitag davon, dass 30 Nachbarn in ihrem Garten standen, um zu gratulieren, und dass der Landrat durch seinen Chauffeur einen großen Rosenstrauß vorbeibringen ließ.

Herrsching/Inning - Dass auf das Geburtstagskind am Freitag nun eine weitere Überraschung wartete, rührte sie sehr. Aber eben auch ihre Betreuerinnen, die in der Tagespflege noch nie vorher eine 100-Jährige feiern konnten.

Die passionierte Antiquitätensammlerin Maria Näther, stellvertretende Leiterin, hatte zu diesem so seltenen Anlass ein Grammophon in den zweiten Stock der Nachbarschaftshilfe getragen. Als die das alte Gerät ankurbelte und von einem unbekannten Quartett „Am Brunnen vor dem Tore“ erklang, hatte nicht nur Regina Graff Tränen der Rührung in den Augen.

„Was für eine Aufregung“, freute sich die 100-Jährige. Die Tagespflege, in CoronaZeiten mit bis zu neun Patienten besetzt, verwandelte sich ihr zu Ehren am Freitag in einen kleinen Festsaal. Überall standen Blumen. Und die Betreuerinnen um Leiterin Sanita Mustapic hatten einen Wellnesskorb bereitgestellt, mit dem sich die Jubilarin zu Hause verwöhnen kann. Dreimal die Woche ist die Herrschingerin in Inning. Seit 2017 bereits. Auch die anderen Patienten sind schon länger da. „Wir sind wie eine kleine Familie“, sagt Maria Näther.

Regina Graff lebt seit 1954 in Herrsching. Geboren wurde sie 1921 in Lindenberg im Landkreis Lindau am Bodensee. Den Allgäuer Dialekt hört man noch immer heraus. Im Allgäu hatte sie ihren Mann Johann kennengelernt, mit dem sie schließlich vom Bodensee zum Ammersee zog. Johann Graff starb bereits 1989. Seine Frau Regina lebt bis heute mit ihrer Tochter Juliane Graf in einem Haus und freut sich, dass ihr Enkel fast täglich vorbeischaut. Der habe auch den Sekt ausgeschenkt, als die Nachbarn im Garten standen. „Aber jeder hat sein eigenes Glas mitgebracht“, versichert die Jubilarin, als Hinweis auf coronakonformes Verhalten. Graff war viele Jahre Mitglied beim VdK in Herrsching, ist also keine Unbekannte im Ort.

Begleitet vom Grammophon ließ Maria Näther das Leben der rüstigen Jubilarin Revue passieren, angefangen im Allgäu, wo der Bruder auch ein Grammophon hatte, „das einzige im Ort“. Entsprechend wurden Erinnerungen an früher wach: „Da hat man noch zusammengesessen und Spiele gespielt. Kein Handy und nichts. Da haben wir uns jeden Tag getroffen. Heute hängen sie ja alle am Handy.“  grä

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