Auch das Kino in der Alten Brauerei wird seit Juli von Daniel Betz betrieben und vermietet.
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Auch das Kino in der Alten Brauerei wird seit Juli von Daniel Betz betrieben und vermietet.

Groundlift-Studio

Mit Vollgas durch die Pandemie

  • VonAndrea Gräpel
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Seit vergangenem Jahr hat sich viel getan. Und dies, obwohl das Groundlift Studio in der Alten Brauerei Stegen, kaum dass es losgehen sollte, mit voller Kraft voraus in den Lockdown steuerte. „Wir konnten nicht mal eine Eröffnungsveranstaltung machen“, sagt Daniel Betz. Wie berichtet, richtete er seine Produktions- und Eventfirma seit Februar vergangenen Jahres in der Alten Brauerei ein. Musikproduktionen, Fernseh- und Videoproduktionen sowie Veranstaltungen wollte Betz in Theater und altem Sudhaus miteinander verzahnen. Dann kam Corona. Statt auf die Bremse trat Betz aber aufs Gas und holte sich mit „Bergdoktor“ Hans Sigl einen prominenten Partner an die Seite.

Stegen - „Die Produktionen haben uns gerettet“, sagt Betz ganz offen, während im Hintergrund ein Ave Maria zu hören ist, das mit neuen Text gerade in der vergangenen Woche bei ihm in Stegen eingespielt wurde und nun final gemischt wird. „Aber ich kann nicht so tun, als wäre alles in Ordnung.“ Durchhalten sei ein Kampf, der nur mit Unterstützung möglich sei. „Aber ich hab ein wahnsinnig tolles, extrem motiviertes Team, das für die Sache brennt.“ Wie er selbst. Auch wenn die Corona-Maßnahmen mittlerweile gelockert worden seien, sei immer noch alles „unfassbar kompliziert“. Die Umsetzung der Produktionen seien nicht nur zeit-, sondern auch personalaufwendiger. Abgesehen davon: „Wir haben überall getestet, haben hunderte Tests auf Lager. Ich hab dann meine Schwester vor die Tür gesetzt, um das zu machen“, sagt er. Dabei muss man wissen, dass Schwester Dominique Märkle Ärztin ist. So hat es funktioniert.

Betz’ Idee, lange vor Corona entstanden, Konzerte halb live, halb im Online-Stream anzubieten, hat sich im Lockdown bewährt, konnte er aber nur sparsam anbieten. Zweimal – eines mit Martin Schmitt und zuletzt mit Claudia Koreck. Ein Zusatzgeschäft, wenn im ohnehin kleinen Theatersaal nur die Hälfte der Plätze besetzt werden dürfen, auch wenn der Livestream ein Erfolg war. Mit Sigl als Kulturbotschafter und Geschäftspartner an seiner Seite, ist der Schondorfer zunächstweiter in Habacht-Stellung. „Wer weiß, was noch kommt?“, sagt er. Die aktuellen Lockerungen sind beiden noch nicht geheuer, „am Ende ist alles nur Wahlkampf“.

Der Schauspieler und Betz kennen sich seit fünf Jahren. In den Vorgängerstudios in Schondorf haben sie gemeinsam Reclam-Hörbücher eingespielt. „Wir waren gleich auf einer Wellenlänge.“ Schon im Dezember hatte Sigl mit einer Benefizveranstaltung von Stegen aus fürs Theater gekämpft (wir berichteten).

Trotz Corona wurde in der Zwischenzeit viel investiert. Sudhaus und Theatersaal haben Zuwachs bekommen. Die Technik auch in den Regieräumen wurde aufgerüstet. „Wenn andere Produktionsfirmen sich einmieten wollen, das Fernsehen zum Beispiel – sie müssten sich nur noch einstecken“, sagt der Produzent. Und seit Juli gehören zum Groundlift Studio nicht nur das Brauerei-Kino, sondern auch die Lounge dazu. Insgesamt rund 500 Quadratmeter in den alten Mauern in Stegen, die zusammen ein großes Ganzes ergeben sollen. Ein Konstrukt auf drei Säulen. Zum einen die Musikproduktionen von Klassik bis Pop, mit Interpreten wie Jonas Kaufmann oder Sio Steinberger. „Es laufen noch viel mehr tolle Produktionen“, sagt Betz, so Livestreamings für Unternehmen. Auch wenn ohne Eröffnung zunächst kaum ein Mensch wusste, dass es eine Fernsehproduktion zwischen München und Augsburg gibt. Betz wandte sich an UWS, den Unternehmerverband Wirtschaftsförderung im Landkreis und die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Tourismus. „Dann war eine erste Dynamik zu spüren“, sagt er dankbar. Namhafte Unternehmen wandten sich an Groundlift, die das Unternehmen mit Livestreaming-Aufträgen durch die Pandemie trugen.

Seit Juli ist das alte Kino wieder in Betrieb, nicht selten voll besetzt, was in den beiden kleinen Sälen und Abstandsregeln mit 17 beziehungsweise 13 Besuchern bereits der Fall war, sagt Betz lachend. Gezeigt werden aktuelle Filme, die Vorführsäle würden aber auch gerne gemietet – privat und von Unternehmen. Fertig renoviert ist auch die Lounge mit Backsteingewölbe, in der Betz donnerstags bis sonntags Barbetrieb mit Livemusik vorschwebt. Seine Idee ist es, alles miteinander zu verweben: den Theatersaal mit dem Kino, den Theatersaal mit der Lounge, die Lounge mit dem Kino. Alles ist technisch miteinander verbunden. „Was im Theatersaal passiert, kann live ins Kino gestreamt werden. Vorher und hinterher trifft man sich in der Lounge.“ Auch Tanzabende schweben ihm vor, genauso wie ein regelmäßiges Kulturprogramm vier- bis achtmal im Monat. Zur Verfügung steht dafür ein nagelneuer Bösendorfer Flügel, „der einzige kommerziell nutzbare Bösendorfer 280 VC“, sagt Betz stolz. Ein „Top-Modell“, das sich auch „sensationell gut“ für Produktionen eigne. Aber auch im Theatersaal mit den „130 Jahre alten, völlig unebenen, porösen, 80 Zentimeter dicken Backsteinwänden“ einen hervorragenden Klang biete. Betz hatte es selbst nicht für möglich gehalten, dass die Akustik in dem alten Gemäuer so gut funktioniert.

„Mir ist es wichtig, ein breites Spektrum zu haben“, sagt er. Allein das Personal könnte ein Problem werden. „Wir suchen dringend Werkstudenten“, sagt Betz. Auch im Service würde es bei vollem Betrieb eng.

Mehr Informationen zum Groundlift Studio in Stegen unter groundlift.de.

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