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Der neue Rathausanbau wurde gerade erst eingeweiht, der Altbau saniert. Silvia Buckmakowski kennt ihren alten Arbeitsplatz kaum wieder. Tobias Rohrmoser wird in einem modernen Rathaus ausgebildet, darüber freut sich auch Bürgermeister Walter Bleimaier (Mitte).

Öffentlicher Dienst

Von verstaubten Akten ins digitale Zeitalter

Vor mehr als 30 Jahren hat im Inninger Rathaus zuletzt eine Auszubildende ihre Prüfung abgelegt. Jetzt wird mal wieder ein junger Mann ausgebildet. 

Inning Auf dem Foto an einer Pinnwand vor dem Bürgermeisterbüro sitzen Gemeinderäte von 1984 am Sitzungstisch. Silvia Buckmakowski (54) bleibt fasziniert stehen und betrachtet das Bild, auf dem der damalige Bürgermeister Franz Pupeter in die Kamera lächelt. Damals rief man die 19-Jährige „Fräulein Goßmann“ und sie befand sich im zweiten Lehrjahr. 1985 schloss sie die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten ab. Sie sollte die letzte Auszubildende sein für einige Jahrzehnte. Bis jetzt.

Tobias Rohrmoser ist 16 Jahre alt und nach 33 Jahren der erste Azubi, der in Innings Rathaus wieder die dreijährige Ausbildung durchläuft. An seinem ersten Ausbildungsplatz im Einwohnermeldeamt am 3. September wird er nicht wie seine Vorgängerin auf der Schreibmaschine tippen oder Passfotos auf Karteikarten kleben und von Hand Adressen eintragen. Die Zeiten haben sich geändert und lassen Erinnerungen an früher wach werden. Tobias Rohrmoser macht fast nichts mehr handschriftlich, dafür gibt es Computer. Und ein neuer Personalausweis ist nicht mehr kostenfrei (eine Gebühr von 10 Mark wurde erstmals 1987 eingeführt), sondern kostet fast 30 Euro für Bürger ab 24 Jahre, jüngere zahlen knapp 23 Euro. Eine wöchentliche Bürgersprechstunde in Buch gibt es ebenfalls nicht mehr.

Zwischen 1984 und 2018 liegt ein Quantensprung. Unverändert ist die „schulintensive Ausbildung“ geblieben, an die sich die 54-Jährige noch lebhaft erinnert. Auch Tobias Rohrmoser werde viel Zeit in der Berufsschule verbringen, weiß Bürgermeister Walter Bleimaier. Den Ablauf der Ausbildung des 16-Jährigen im Rathaus hatte Katharina Fietz noch organisiert. Die Assistentin des Bürgermeisters hat sich näher an ihren Wohnort versetzen lassen und wird ab September durch Christine Polzer ersetzt. Papierberge zum Bearbeiten und Ablegen, die einst auf die junge Silvia Goßmann warteten, seien wohl eher nicht dabei, vermutet Bleimaier und lacht. Heutzutage erfolgt fast alles digital. Auch die Zukunft in den Behörden ist papierlos, soweit es möglich ist, sogar die Gemeinderäte bekommen ihre Unterlagen nur noch digital und sitzen nicht mehr mit einem Stapel Unterlagen am Tisch, sondern mit einem Tablet.

Der 16-jährige Windacher setzte sich gegen 15 Bewerber durch. Überzeugt hätten die guten Noten, sein Allgemeinwissen und der Fakt, dass er den „selber gebastelten Intelligenztest“ am schnellsten beantwortete, verrät der Bürgermeister. Als Hobby gab er Geografie an – und sah sich prompt der spontanen Frage Bleimaiers ausgesetzt: „Wie heißt die Hauptstadt von Peru.“ Dass er im Bruchteil einer Sekunde mit „Lima“ antwortete, war wohl nicht ausschlaggebend für die Einstellung, beeindruckte aber sehr.

Mit seinem Ausbildungsplatz in Inning kehrt Tobias Rohrmoser sozusagen zu den Familienwurzeln zurück, denn seine Großeltern lebten einst in der Ammerseegemeinde. Und er freut sich auf die Arbeit. „Mich interessierte schon immer, was ein Verwaltungsfachangestellter macht.“ Lauter interessante Themen erwarteten ihn, bestärkte ihn Silvia Buckmakowski. „Hier steht man mitten im Leben, und es ist alles dabei“, versicherte auch Bleimaier. Vom Bauwesen über Administration bis Politik. Aber eine ruhigere Kugel als in der freien Wirtschaft, wie oft behauptet und früher möglicherweise auch zutraf, schiebe man heute nicht mehr, weiß die ehemalige Auszubildende. Sie kennt sich aus und sie hat einen Vergleich, denn nach ihrem Abschluss arbeitete sie ein paar weitere Jahre in der Verwaltung und danach in einem Münchner Immobilienbüro. Bleimaier hofft, dass Tobias Rohrmoser der Verwaltung noch lange erhalten bleibt, und wieder schaut er verschmitzt als er sagt: „Wir brauchen Führungsnachwuchs.“ Ob im kommenden Jahr ein zweiter Auszubildender dazustößt, ist noch nicht entschieden. „Vielleicht in ein oder zwei Jahren“, so der Bürgermeister.

Von Michèle Kirner

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