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Verdichten, aufkapseln, Achtung! ... und Schuss: Die Inninger Böllerschützen haben zwei neue Mitglieder, darum bat Schießmeister Hans Demmel (2.v.r.) seine Böllerschützen am Freitag noch mal zur Übung in die abgelegene Kiesgrube. Neuzugänge sind übrigens jederzeit willkommen.

Tradition

Mit lautem Bumms ins neue Jahr

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Inning - Das Anschießen hat bei Schützen- und Soldatenvereinen eine lange Geschichte, in Inning wird seit 2001 geböllert. Schießmeister Hans Demmel erklärt warum und wie.

„Böse Geister gibt es überall“, sagt Hans Demmel und fügt lachend hinzu, „das ist wie mit den Frauen.“ Der 54-Jährige ist Schießmeister bei der Soldaten- und Kriegerkameradschaft Inning am Ammersee von 1862. Er weiß, dass schon früher mit Böllerschießen vor allem im Winter die bösen Geister vertrieben wurden. In Inning gibt es diese Tradition seit 2001. Erst nach dem Millennium gründete sich aus der Kameradschaft heraus eine Schießgruppe, die seither mit Böllern und Kanonen an jedem 1. Januar auf dem alten Sportplatz das neue Jahr anschießt.

Inning hat in diesem Jahr wieder zehn Böllerschützen. „Zwei neue sind dazugekommen, Georg Eisenmann und Lukas Welzmüller“, freut sich Demmel. Zwei 21-jährige Burschen, die den Altersschnitt im 102 Mitglieder starken Inninger Verein niedrig halten. Demmel selbst ist ebenfalls jung dazugestoßen – vor 20 Jahren schon. Seit 15 Jahren ist er begeisterter Böllerschütze mit eigenem Handböller. „1500 Mark habe ich damals dafür bezahlt“, erinnert er sich. Für den größeren Schaftböller zahlt man heute bis zu 3000 Euro.

„Man sollte nicht einfach rumballern wollen“, warnt Demmel. Ganz abgesehen von den ernsthaften Hintergründen, die ein Böllerschießen habe. „Könige zum Beispiel wurden ja auch mit einem Salut begrüßt. So ist das mit dem neuen Jahr auch.“ Und nebenbei werden zu Neujahr eben auch die bösen Geister weggeschossen. Eine Tradition mit Rumms, die bis ins ausgehende 15. Jahrhundert zurückreicht – auch wenn die Entstehungsgeschichte nicht schlüssig nachzuweisen ist, wie Demmel zugibt.

Die meisten Böllerschützen haben eigene Geräte, „dem Verein gehören nur ein Handböller und eine Salutkanone“. Damit das Böllerschießen nicht zu einer Gefahr für Mensch und Umwelt wird, muss jeder Böllerschütze die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten besitzen, um Böllerpulver vorschriftsmäßig erwerben, verbringen, aufbewahren, verwenden und vernichten zu können. Diese Kenntnisse muss er in einer Prüfung vor dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt nachweisen. In Bayern gibt es insgesamt 720 Böllergruppen mit 9850 Böllerschützen, die diese Tradition betreiben.

Die Geräte selbst werden alle fünf Jahre „beschossen“. Dabei wird die Funktion der Geräte beim Beschussamt überprüft. „Das nennt man beschießen“, erklärt Demmel, der mit den Jahren ein kenntnisreicher wie leidenschaftlicher Böllerschütze geworden ist.

Der Inninger Schießmeister hat mit seiner Gruppe sogar eigene „Sinfonien“ kreiert – den Inninger Drilling und den Inninger Spezial. Es sind bestimmte Abfolgen schneller und langsamer Schussreihen, von links oder rechts in die Mitte führend, wo die Kanone dann zum Salutschuss kommt. Und je nachdem wie groß der Böller ist, so laut ist der Knall. Ein Schaftböller mit 25 Millimeter zum Beispiel wird mit bis zu 40 Gramm Schießpulver gefüllt, der Handböller mit gewöhnlich 20 Millimeter Lauf mit der Hälfte der Menge.

Ist aus dem Böller nur ein „Klack“ zu vernehmen oder ein „Pffff“, ist dies aller Wahrscheinlichkeit nach ein so genannter Versager. „Das kommt vor“, sagt Demmel und grinst. „Man sollte auf jeden Fall danach nicht in den Lauf schauen.“ Mit vorsichtigem Klopfen kann man das Schießpulver entfernen und dann nachfüllen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass ein Korken den Lauf verstopft.

Demmel muss lachen, als er sich an eine Schießübung erinnert, bei der ein älterer Böllerschütze nicht bemerkt hatte, dass sein Pulverröhrchen längst leer war. Statt Pulver ploppte also nur der Korken, der auf dem Röhrchen steckte, in den Lauf. „Zur Not muss man bei so etwas auch mal mit dem Schraubenzieher ran“, so Demmel.

Beim Neujahrsanschießen wird dies nicht passieren. Die letzte Übung verlief reibungslos. Die Zuschauer am alten Sportplatz erwarten ab 16.30 Uhr zehn Böllerschützen aus Inning, der Kanonier mit der vereinseigenen 50-Millimeter-Salutkanone, zwei Kanonen aus Hechendorf, eine weitere Kanone von einem Arbeitskollegen Demmels aus Reichling und die Böllerschützen aus Hechendorf, die traditionell in Inning mitschießen, genauso wie die Inninger jedes Jahr beim Dreikönigsschießen in Hechendorf dabei sind. Es wird am Neujahrstag also gewaltig krachen. Die Schützen stopfen sich zum Schutz Stöpsel ins Ohr, „,manche nehmen auch ein Papiertaschentuch“, weiß der Inninger. Jeder wie er mag.

Am Anfang des etwa 30-minütigen Spektakels steht ein lauter Salut von allen Böllerschützen gemeinsam. „Damit es gescheit raucht“, sagt Demmel. Zur Mitte des Programms spielt ein Trompeter auf, bevor weitere Sinfonien folgen, die mit der Bayernhymne beschlossen werden. Damit es warm und gemütlich bleibt, gibt es Würstl und Glühwein und natürlich auch Bier. Damit ist dann auch der letzte böse Geist vertrieben.

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