2012 in „Kaiserglanz“ in Inning
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Der Kaiser spielte schon 2012 in „Kaiserglanz“ eine Rolle. Damals wirkten 120 Inninger auf der Bühne mit und schweißten den Ort nach dem Streit über die Ortsdurchfahrt wieder zusammen.

Historienspektakel

Nur Corona kann Kaisertraum platzen lassen

  • vonAndrea Gräpel
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So lange „nur“ ehrenamtliche Arbeit, aber kein Geld investiert wird, will Jutta Göbber weiter am dritten Inninger Historienspektakel feilen – Corona hin oder her. Aufgeführt werden soll es im November 2021, denn dann jährt sich der Aufenthalt Kaiser Heinrich II. in Inning zum 1000. Mal. Und bis dahin kann vieles wieder möglich sein.

Inning – Innings umtriebige Heimatforscherin und Vorsitzende des Vereins Heimatgeschichte lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen. Und da sie es als pensionierte Lehrerin noch immer versteht, Menschen zu begeistern, hat sie auch viele Mitstreiter.

Vor allem sind es Daniela Herzog und Bärbl Mehnert-Jaeger, die gemeinsam mit Jutta Göber aus dem Ereignis ein Theaterstück gemacht haben. In Mundart und für zwei Bühnen. Die Musik hat, wie schon bei anderen Ort-Revuen, Martin Vogel geschrieben. Zwei Jahre haben sie am Konzept gebastelt, nun ist das Textbuch gedruckt und verteilt.

„Kaisertraum“ heißt der jüngste Streich Jutta Göbbers und ihres Teams. Der ehemaligen Gemeinderätin und Leiterin des Gemeindearchivs war es auch diesmal wichtig, die Inninger Vereine mit im Boot zu haben. Wie schon beim „Kaiserglanz“ 2012, dem Spiel zum 1100. Ortsjubiläum, und der Revue zum Historischen Stegen im Jahr 2016 will Jutta Göbber auch diesmal möglichst viele Inninger vor und hinter der Bühne versammeln. Beim ersten Mal waren es 120 Mitwirkende, beim zweiten Mal etwa 100. Für den „Kaisertraum“ werden 90 Darsteller gesucht, wobei es für die Rolle des Kaisers bereits eine Bewerbung gibt, verrät Jutta Göbber. Nur wen, das sagt sie nicht.

„Die Texte sind verteilt“, freut sich die Heimatforscherin, deren Beitrag eigener Aussage nach vor allem in der Heimatforschung lag, um dem Theaterstück eine unangreifbare Grundlage zu geben. Darauf legt Jutta Göbber auch in ihren unzähligen Beiträgen in den Inninger Geschichtsbüchern wert. Sie hält sich lieber an Fakten, den dramaturgischen Part habe vor allem Daniela Herzog geliefert, die authentische Übertragung in Mundart Bärbl Mehnert-Jaeger.

Schon vor zwei Jahren hatte Jutta Göbber bei den regelmäßigen Inninger Vereinsversammlungen darauf hingewiesen, dass ein weiteres Ereignis ansteht, in dem Inning wie schon 2012 und 2016 fröhlich zusammenrücken könnte. Bürgermeister Walter Bleimaier war der Erste in der Runde, der damals spontan sagte: „Das machen wir.“ Auch die Vereinsvorstände signalisierten, dabei zu sein. Genauso die beiden Schulen im Ort. Das reichte Jutta Göbber, um loszulegen.

Dass sie keine halben Sachen macht, beweist sie mit ihrem Team damit, dass das Textbuch nun vorliegt. Fast wöchentlich hätten sie sich zusammengesetzt, immer wieder sei Corona dazwischen gekommen. Jutta Göbber hofft, dass bis Herbst nächsten Jahres ein bisschen Normalität zurückkehrt. „Ich hoffe, dass wir im Januar Klarheit haben.“ Damit das Schiff am Ende auch im sicheren Hafen landet, will sie ein letztes Mal die Gesamtleitung übernehmen. „Irgendeiner muss ja die Strippen ziehen“, sagt sie. Wer sie kennt, weiß, dass ihr diese Rolle auch eine Riesenfreude macht.

Der „Kaisertraum“ soll auf zwei Bühnen stattfinden. „Wir bleiben ja nicht nur im Mittelalter“, sagt Jutta Göbber stolz. Nein, es ist, wie es in den anderen Revuen auch schon war, eine Zeitreise in acht Bildern – Heinrichs Ankunft 1021 mit Dorffest, Spätmittelalter bis zur Renaissance, die Zeit der Bauernkriege im 16. Jahrhundert, die Bauernkinder, die nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder in die Schule dürfen oder der Bau der Pfarrkirche 1767. Ein ganzes Bild ist dem Inninger Posthalter Balthasar Rainpold gewidmet, ein weiteres der ersten Mädchenklasse in Inning samt erster Lehrerin (1908). Zuletzt wird das heutige Inning zu sehen sein. Deshalb fehle am Ende des Textbuches noch ein Dialog, die Schlussszene aus dem Jahr 2021, sagt Jutta Göbber.

„Und vielleicht kriegt die Ortsdurchfahrt da noch einen Platz“, orakelt sie, will sich aber nicht festlegen. Nur so viel: „Es wird eher kurz, nicht zu lang.“ Weil Tanz und Akrobatik der Montessorischüler 2016 so beeindruckenden waren, soll so eine Szene auch im letzten Bild nicht fehlen. Am Ende steht die große Frage: „Kann sich der mittelalterliche Herrscher wohl vorstellen, in unserer Zeit zu leben?“ Zunächst einmal wird sich jedoch herausstellen müssen, ob Corona dies alles zulässt.

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