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Los ging es am Bach, dem Bachern se inen Namen verdankt. Jutta Göbber (r.) und Horst Schramm (2.v.r.) hatten viel zu erzählen, was die Geschichte des Ortsteils lebendig macht. 

Ortsgeschichte

Über Stock und Stein in Bachern

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Zu einem seiner beliebten ortshistorischen Spaziergänge hatte der Verein Heimatgeschichte Inning geladen. Diesmal führte er durch Bachern. 

Bachern – Den Steg, der bei der ältesten Erwähnung Bacherns im Jahr 1369 genannt wird, den gibt es gewissermaßen noch immer – die Brücke über dem Inninger Bach, dem einzigen Abfluss des Wörthsees. An der Brücke starteten Jutta Göbber und Horst Schramm vom Verein Heimatgeschichte Inning am Sonntag zu einem weiteren ihrer beliebten vergnüglichen ortshistorischen Spaziergänge. Bei schönstem Wetter folgten auch dieser Wanderung geschichtsinteressierte Inninger. 15 waren diesmal.

Vorangegangen ist diesem Spaziergang das zwölfte Heft der Inninger Geschichtsblätter, das bereits im Mai erschienen ist: „Bachern, die Wörthseeinsel und Oberndorf“. So viel gibt es daraus zu erzählen, dass die beiden Heimatforscher einen weiteren Spaziergang im November anbieten wollen. Am Sonntag ging es zunächst einmal rund um Bachern, buchstäblich über Stock und Stein, bis hin zur „Schönen Aussicht“ am Osterholz – auf den Wörthsee bis hin zu den Alpen. „Ein Geheimtipp bei allen Wetterlagen“, findet Jutta Göbber.

Vorbei spaziert die Gruppe an Bacherns Anfängen, am Bach entlang, der dem einstigen Weiler den Namen gab. Aus Pachern wurde Päching, Bachla, Bacha, Bächern, Becha, Bachlen und schließlich Bachern. Der Weiler mit anfangs drei und später fünf Häusern ist seit fast 650 Jahren nachgewiesen. Als kleine schwarze Pünktchen sind sie auf einer Karte aus dem Jahr 1810 zu erkennen, die Jutta Göbber den Spaziergängern in die Hand drückt. Über die Höfe wurde die Insel versorgt, meint Jutta Göbber. Und Horst Schramm weiß, dass die Inselherren schöne „Gondeln“ hatten zum Übersetzen, „das war schon eine schöne Geschichte“.

Die Höfe hießen Steffelbauer (auf den Flächen steht heute ein Reiterhof), Franzengütl an der Forellenstraße (heute Haus der Familie Jung), Beim Bauern, Wastlhof und das Büchlgut, das letzte so noch erhaltene Haus, „mindestens 200 Jahre alt“, sagt Jutta Göbber. Das Büchlgut liegt oberhalb vom Gasthof Mutz, es ist heute auch als Senningerhaus bekannt. Eine kleine Bauernstelle, zu der es einiges aus dem Nähkästchen zu plaudern gibt. Denn ab 1848 gehörte es der Familie Scheidl. 1906 wurde es schließlich zum Senningerhaus, nachdem Franz Xaver Senninger erst die Scheidl-Tochter Ottilie heiratete und als diese starb die 16 Jahre ältere verwitwete Mutter zur Frau nahm. „Das war damals so üblich“, sagt Jutta Göbber. Ottilie überlebt ihren Schwiegersohn und Ehemann. Am Ende kehrt auf diesen kleinen Umweg der Familienname Scheidl in den Hof zurück. Das Büchlgut ist heute noch in seinem ursprünglichen Zustand und wurde oder wird gerade liebevoll saniert.

Weiter oben an der Straße steht die Villa Frohsinn, 1907 von Karl Gruber aus München erbaut. Es war die einzige Villa in Bachern und wurde auch mal als Pension genutzt, „mit vielen netten Mädchen“, erzählt Horst Schramm mit einem verschmitzten Lächeln. „Das Haus war Luxus pur zu seiner Zeit“, sagt Jutta Göbber. Jedes Zimmer hatte Wasser, jede Etage eine Toilette.

Dass auch die übrigen Häuser in Bachern mit Wasser versorgt werden konnten, das ist Jakob Lautenbacher zu verdanken. Oben am Berg gehört der Familie ein Grundstück mit der zunächst einzigen Quelle, „da durften dann alle anschließen“. Eine gesicherte Wasserversorgung hat der Inninger Ortsteil aber erst seit den 1970er Jahren. Mittlerweile ist Bachern an die überörtliche Wasserversorgung angeschlossen. Bis heute ist ein zweiter Lautenbacher-Brunnen als Notversorgung für Bundeswehr und den Ort vorhanden.

Die Familie Lautenbacher hat vermutlich die längste Geschichte in Bachern. Der Lautenbacher Hof steht noch auf dem Grundstück von Haus Nummer 3, Beim Bauern. Seit 1738 ist die Familie ansässig, „wir haben es zur zehnten Generation geschafft“, sagt Dieter Jung stolz. Er ist der erste angeheiratete Chef im Hof. Es hatte immer einen männlichen Nachkommen gegeben. Nur leider wird auch dieses geschichtsträchtige Anwesen bald nicht mehr stehen. Das Haupthaus ist bereits leer geräumt, es darf wegen Einsturzgefahr nicht mehr bewohnt werden. Von der Straße bietet es einen traurigen Anblick, das Dach neigt sich bereits gefährlich herunter. Wann das Gebäude abgerissen wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass gleich alles dem Erdboden gleichgemacht und neu gebaut wird.

Noch ist der Lautenbacher Hof allerdings geöffnet, so dass man zumindest in diesem Jahr noch Brotzeit und Bier dort genießen kann. So wie es die Gruppe um Jutta Göbber und Horst Schramm machte, nachdem sie zwei Stunden gewandert war.

Apropos Bier: Im alten Gasthaus, heute Hotel Mutz, gab es tatsächlich auch mal eine Brauerei. Aber nur für kurze Zeit.

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