Geothermieanlage Holzkirchen
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Die Geothermieanlage Holzkirchen

Gemeinderat Inning

Rote Karte für Geothermie

  • vonAndrea Gräpel
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Die Nachricht von einem Erlaubnis-Bescheid zur großräumigen Aufsuchung von Erdwärme im Landkreis Starnberg hat Schrecken hervorgerufen. Das Feld „Vierseenland“, das das Ministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie vergeben hat, deckt fast zu 100 Prozent das Versorgungsgebiet der Wassergewinnung Vierseenland. Das hat nicht nur die Vorstände von der Wassergewinnung Vierseenland den Ammersee Wasser- und Abwasserbetrieben (AWA) in Herrsching alarmiert, sondern auch die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden.

Inning/Landkreis – Innings Bürgermeister Walter Bleimaier ließ seinen Gemeinderat am Dienstag darüber abstimmen, im Zweifelsfall zu klagen. Das sei der einzige Weg. Und er hofft, dass seine Amtskollegen aus dem Einzugsgebiet genauso denken.

„Das ist genehmigt worden, ohne uns zu fragen“, ärgerte sich Walter Bleimaier in der Sitzung und verwies auf Gefahren zum Beispiel durch sogenanntes Fracking. Allein FDP-Gemeinderat Dr. Ajay Singh konnte die Aufregung nicht nachvollziehen. Der promovierte Physiker hatte keine Bedenken und fand, dass man der Geothermie- Technik offen gegenüberstehen sollte. „Das könnte auch eine große Chance bedeuten“, meinte er. Allerdings stand er mit dieser Meinung allein da. Nicht nur Hubert Vögele (Grüne) meinte, „das kommt für uns nicht in Frage“. Monika Schüßler-Kafka (FW) sagte auch warum: „Wir haben unser eigenes Trinkwasser, das ist dann nicht mehr geschützt, und ich setze nicht unser eigenes Trinkwasser aufs Spiel.“ Eine Ansicht, die mit Ausnahme von Singh alle Gemeinderäte teilten.

Auch AWA-Vorstand Maximilian Bleimaier macht sich Sorgen. Die Trinkwasserversorgung ist davon betroffen. Er spricht von Kurzschluss, wenn bei Bohrungen verschiedene Wasserschichten durchstoßen werden. „Es könnten Schichten abfließen“, befürchtet er. Oder es könnten radioaktive Stoffe wie Uran oder Thorium ins Trinkwasser gelangen, durch deren Zerfall Wärme ja erst im Erdinnern entstehe. Maximilian Bleimaier erinnert daran, dass bis in eine Tiefe von 5000 Metern gebohrt werde. Es sei nicht ausgeschlossen, dass diese Stoffe ins Grundwasser gelangten. „Und wir würden das schlimmstenfalls an die Haushalte verteilen.“ Eine weitere Gefahr, die der AWA-Vorstand aufzählt, seien Chemikalien, die verwendet würden, wenn das Wasser nach der Wärmenutzung „nicht mehr freiwillig vom Untergrund aufgenommen wird“. Durch Versäuerung des Wassers wird dann nachgeholfen, um Gesteine zu lösen und Platz zu schaffen.

Maximilian Bleimaier räumt ein, dass Geothermie „eigentlich eine gute Idee ist“. Und eigentlich stehe die AWA dafür ein, Innovationen zu fördern und nicht zu verhindern. Aber es komme in diesem Fall darauf an, um welche Bodenschichten es gehe. Für den Claim „Vierseenland“ hegt er größte Bedenken. Er bedauert, dass der Wasserversorger aus Herrsching beim Auslegungsverfahren nicht beteiligt worden sei.

Inhaber der Erlaubnis ist die Geothermie Ammersee, dessen Gründer und Geschäftsführer Josef Birner schon seit Jahrzehnten mit dem Thema befasst ist. Er hatte schon einen genehmigten Vorbescheid zum Bau eines Kraftwerks auf einem Grundstück an der Seefelder Straße in Herrsching. „Die Pläne ließen wir ruhen, als das Gymnasium da gebaut werden sollte.“ Birner kennt die Bedenken der AWA. Schon vor mehr als zehn Jahren warb er in den betroffenen Gemeinden seines damaligen Claims zwischen Frieding und Vorderfischen. Der neue Claim ist viermal so groß. „Wir wollen auch diesmal auf alle zugehen.“ Mit dem Bescheid seien strenge und hohe Auflagen verbunden, „ohne Absprache mit Kommunen und AWA geht es gar nicht“. Auch das Wasserwirtschaftsamt müsse mit eingebunden werden.

Damals scheiterten die Versuche, Bohrungen durchzuführen, auch an der Finanzierung. „Die Energiegewinnung aus Tiefengeothermie ist aufgrund der hohen Investitionskosten aktuell nur finanzstarken Unternehmen vorbehalten. Unser Ziel ist es, jedem die Möglichkeit zu geben, sich Anteile an dieser nachhaltigen und profitablen Energiegewinnung zu sichern. Dafür starten wir das erste Tiefengeothermie Crowdfunding Projekt Deutschlands“, heißt es auf der Internetseite seines Unternehmens. Birner hat die Hoffnung nicht verloren, AWA und Gemeinden mit ins Boot zu holen.

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