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Die 80 Jahre alte Rotbuche (im Bild) hat die Stürme überlebt. Alexander Dietz’ Aufgabe in dem Wirtschaftswald ist, dass Bäume wie diese  astrein aufwachsen. Astrein ist auch die Weymouthskiefer die wie ein Solitär 40 Meter in den Himmel ragt. An ihr schaut auch der Förster immer wieder gerne respektvoll empor.

Waldwirtschaft

Unterwegs mit dem Förster

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Käferplage und Stürme setzen den Waldbauern zu. Alexander Dietz ist froh, dass er in jüngster Zeit in seinem Revier von großen Katastrophen blieb. Trotzdem macht auch er in dem Toerringschen Wirtschaftswald Verluste.

Inning – „Bei uns kommen die Fichtenstämme relativ schnell weg. Das ist bei einem Borkenkäfer-Befall das Entscheidende“, sagt Alexander Dietz. Der Förster im Toerringschen Forst um Inning kann sich glücklich schätzen: „Es gibt immer bestimmte Bereiche, wo der Borkenkäfer extrem zuschlägt. Bei uns hält es sich in Grenzen.“ Aber Käferplage und Sturm, die vor allem im Bayerischen Wald große Schäden verursachten, haben gleichwohl auf die gesamte Waldwirtschaft Auswirkung. Bisher konnten Waldbauern mit den Preisen zufrieden sein. Mit dem großen Überangebot an Holz wird der Preis in den Keller fallen. „Ist er jetzt schon“, sagt Dietz.

Der Toerringsche Wald ist ein Wirtschaftswald mit großen Fichtenbestand, aber nicht nur. Es gibt auch viele Buchen und Eichen – für die Möbelindustrie. Darum müsen sie möglichst astfrei hochwachsen. Das Fichtenholz wird zur Herstellung von Papier verkauft oder an die Bauindustrie. Die Stämme dafür dürfen nicht zu dick sein. Nach 70 bis 80 Jahren werden sie geerntet, wenn der Borkenkäfer nicht vorher zuschlägt.

Dietz hat das Stück Rinde eines befallenen Baumes in der Hand. Innen kann man genau sehen, wo der Käfer Kanäle gefräst hat, in denen die Eier abgelegt wurden. Es sieht aus wie ein Buch. „Daher hat der Buchdrucker seinen Namen“, weiß Dietz. Ein anderer Borkenkäfer heißt Kupferstecher. „Der befällt eher die dünneren Stämme“, erklärt er. In seinem Revier sind die befallenen Fichten längst abgefahren. Am Waldrand auf dem Weg türmen sich trotzdem Fichtenstämme. „Die stammen aus Privatwäldern“, sagt er, und ist froh, dass sie überhaupt schon abgeholzt wurden. Nicht weit entfernt deutet er auf einen Fichtenbestand, dessen Kronen schon rot sind. „Die sind abgestorben. Da kann man nichts mehr machen.“ Auch in diesem Fall ist es ein Privatwald. Dietz die Waldbesitzer, deren Bestände an sein Revier grenzen. Und wenn der Inninger Förster Schaden ausmacht, sagt er natürlich Bescheid.

Dietz kennt jeden Meter Weg und jeden Grenzstein in seinem Revier. „Kein Wunder, wenn man von klein auf an hier lebt“, sagt Alexander Dietz. Seit mehr als 30 Jahren ist er Revierleiter im Toerringschen Forst um Inning – wie sein Vater, sein Großvater und auch sein Urgroßvater vor ihm. Dabei wollte Vater Bruno Dietz das gar nicht. Der Sohn fügte sich zunächst diesem Wunsch und machte in Herrsching eine Schreinerlehre. Das war okay, aber nicht gut genug. Schließlich landete er doch im Forst unter den Fittichen des Vaters. Der 55-Jährige wurde erst Forstwirt und machte dann seinen Meister und übernahm das Toerringsche Revier Dünzelbach in der Gemeinde Moorenweis (Landkreis Fürstenfeldbruck). Als sein Vater in Rente ging, kam Inning dazu. „Das geht nur im Privatwald, denn studiert habe ich nicht“, betont Dietz.

In beiden Revieren zusammen betreut er rund 1500 Hektar Fläche. Früher haben das drei Förster gemacht, die mussten aber auch noch jeden Stamm ausmessen, um die Festmeter zum Verkauf auszurechnen. „Heute wird fotografiert. Den Rest macht der Computer“, sagt Dietz und muss grinsen. Waldarbeiter sind bei der gräflichen Waldwirtschaft auch nicht mehr fest angestellt, sondern frei beschäftigt bei Bedarf. Müssen Bäume gefällt werden, kommt ein Unternehmen mit Harvester. „Damit legt man Bäume heute in Windeseile um. Ich habe das noch in Handarbeit gelernt. Kein Vergleich“, so Dietz.

Der Inninger Förster muss in erster Linie danach schauen, dass alles gut läuft in seinem Revier. Das betrifft die Bäume und auch die Jagd, bei der ihn seine Frau Angelika dann und wann unterstützt. Er macht den Plan, der über das Geo-Informationssystem (GIS) an die beauftragten Waldarbeiter weitergeleitet werden. Dort zeichnet Dietz genau ein, welche Bäume raus müssen oder wo neu gepflanzt werden muss. 2016 wurden wegen Sturmtief Niklas im Vorjahr 40 000 bis 50 000 Pflanzen gesetzt. Vor allem Roteichen und Douglasien, ein amerikanischer Nadelbaum, der aufgrund seiner dicken Rinde viel resistenter ist als die Fichte. Der Borkenkäfer findet keinen Geschmack an ihr. Die Douglasie sei zudem klimaresistenter. Und sie riecht gut. Reibt man ihre angenehm weichen Nadeln aneinander, steigt einem der milde Duft einer Zitrone in die Nase.

„Vielleicht verdrängt die Douglasie die Fichte irgendwann – in 100 Jahren vielleicht“, überlegt Dietz. Bis dahin bleibt sie aber im Bestand. „Sie war schon immer der Brotbaum der Waldbauern.“ Sie wächst durch natürliche Verjüngung, wird nicht angepflanzt. Wie Buchen, deren Verkaufsboom in einer Zeit herrschte, als Eisenbahnschwellen und Schulmöbel noch aus Holz waren. Heute wird die Buche als Brennholz verkauft, weil sie einen besseren Heizwert als Fichte hat. „Im Moment will die aber keiner“, darum liegen einige Buchen, die im letzten Gewittersturm gefallen sind noch am Boden. „Die Douglasien sind bei diesem Sturm übrigens stehen geblieben“, betont Dietz. Die ältesten dieser Art im Toerringschen Wald sind um die 70 Jahre alt. „Und schon so groß, wie eine Fichte mit 100“, sagt der Förster und macht damit auf eine weitere Besonderheit aufmerksam, nämlich dass der Baum schnell wächst.

Natürlich gibt es auch weitaus ältere Bäume in den Toerringschen Mischwäldern. Bäume, die die heftigen Stürme Vivian und Wiebke Anfang der 1990er Jahre überlebten. „Damals war der Schaden weitaus größer als nach Niklas“, weiß Dietz. Noch heute sieht man deutlich, wo es Kahlschlag gegeben hatte. Stehen geblieben sind die wohl 40 Meter hoch wie Solitäre in den Himmel ragenden Weymouthskiefern. „Stellen Sie sich da mal an den Stamm und schauen hoch“, sagt Dietz selbst sichtlich beeindruckt.

Die jungen Pflanzen – Douglasien, Buchen, Tannen, Eichen und auch mal eine Schwarznuss (Urform der Walnuss) – kommen langsam nach, müssen aber dafür auch immer gehegt und gepflegt werden. „Springkraut und amerikanische Goldrute wachsen die Bäumchen sonst tot“, so der Forstwirtschaftsmeister. Birken sind in einem Wirtschaftswald ebenfalls unerwünscht und müssen rausgeschnitten werden. In einem Naturwald dürften sie wachsen.

„Richtig ärgern tut mich sowas“, sagt er plötzlich und zeigt auf einen Seitenweg im Wald. Dort liegen vier Altreifen aufeinandergestapelt. „Manchmal finde ich ganze Wohnzimmereinrichtungen“, schimpft der 55-Jährige. Dabei gebe es doch überall Wertstoffhöfe. Bei den Kontrollfahrten durch den Wald ist er aber auch schon auf Kurioses gestoßen. Etwa auf einen Tresor, der, wie sich herausstellte, im Wald aufgebrochen wurde, nachdem er bei einem Einbruch in Weilheim mitgenommen worden war. Das ist ihm in Dünzelbach noch nicht passiert. „Da ist die Welt noch in Ordnung. Da gibt es auch noch nicht so viele Radler, Jogger, Schwammerlsucher und so weiter.“ Ganz abgesehen von den unberechtigt im Wald geparkten Autos. „Die müsste man alle anzeigen.“

Dietz muss bald wieder ins Forsthaus am Kellerberg zurück. Im Büro wartet Arbeit, denn die Vermarktung gehört zu seinem Aufgabenbereich dazu. Und wenn der Feuerwehr-Piepser angeht, ist Alexander Dietz ebenfalls gefragt. Seit 27 Jahren ist er Kommandant in seiner Heimatgemeinde. Das hat bei Stürmen einen großen Vorteil, weil er gleich gerufen wird und deshalb auch genau weiß, was in seinem Wald los ist. Sicher sei in seinem Beruf nur eines: „Kein Tag ist wie der andere.“

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