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Scheinbar Unmögliches wird wahr

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Von: Andrea Gräpel

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Aktuell gilt der Lärmschutz nur nachts von 22 bis 6 Uhr: Künftig gilt Tempo 30 auf der viel befahrenen Ortsdurchfahrt durch Inning auch tagsüber.
Aktuell gilt der Lärmschutz nur nachts von 22 bis 6 Uhr: Künftig gilt Tempo 30 auf der viel befahrenen Ortsdurchfahrt durch Inning auch tagsüber. © Andrea Jaksch

Innings Ortsdurchfahrt hat eine Tempobeschränkung von 22 bis 6 Uhr. Bald gilt Tempo 30 allerdings Tag und Nacht. Dafür hat die Gemeinde vier Jahre lang gekämpft. Nun liegt der Bescheid vor. Innings Ortsdurchfahrt wird damit die erste Staatsstraße im Landkreis, auf der durchgängig Tempo 30 gilt.

Inning – Alexander Wimmer freut sich. Der Mitarbeiter im Inninger Bauamt beschäftigt sich seit seinem Dienstantritt im Jahr 2017 mit dem Lärmschutz an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt. Er fasste alle Daten zusammen, sorgte dafür, dass eine 2015 durchgeführte Verkehrszählung wiederholt wurde und brachte den Lärmaktionsplan auf den Weg. Dieser erhielt schon zu Beginn des Monats das Okay der Regierung von Oberbayern. Gewartet wurde noch auf die formelle Übertragung der Zuständigkeit an die Gemeinde durch die Regierung von Oberfranken, die zunächst für alle Lärmaktionspläne im Freistaat zuständig ist. Diese Übertragung liegt seit Freitag vor.

Gestern bereitete Wimmer alles für die Bekanntmachung vor. Diese soll schon heute oder morgen erfolgen. Sobald dies geschehen ist, kann die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde auf der Inninger Ortsdurchfahrt anordnen. Sie gilt dann Tag und Nacht, 24 Stunden lang.

Wimmer ist zurecht stolz. Der Abschlussbericht, den er im Frühjahr vorgelegt hatte, wurde im Oktober von der Kreisbehörde in Starnberg sogar ausdrücklich gelobt. Das war nicht selbstverständlich, denn die Anforderungen für eine Tempobeschränkung auf 30 km/h auf einer Staatsstraße sind hoch und wurden lange nicht anerkannt. Eigentlich sind sie nur im Bereich besonderer Personengruppen vor Schulen, Kindergärten und Altenpflegeeinrichtungen zulässig. Der erste Antrag auf Tempo 30, vor vier Jahren von SPD-Gemeinderätin Angelika Wenisch gestellt, wurde noch müde belächelt. „Man sprach damals von einer Putativ-Gefahr“, weiß Wimmer. Also von einer Fehleinschätzung – die es zu widerlegen galt. Ein erstes Zugeständnis gab es vor etwa einem Jahr. Ab der nördlichen Ortseinfahrt bis Höhe Mühlstraße gilt auf der Ortsdurchfahrt ein nächtliches Tempolimit jeweils von 22 bis 6 Uhr.

Mit der Lärmaktionsplanung gemäß einer EU-Richtlinie nahm die Gemeinde die Geschicke selbst in die Hand. Damit alles wasserdicht ist, stellte der Gemeinderat Wimmer einen Juristen zur Seite. Gemeinsam wurden daraufhin akribisch alle Daten zusammengetragen: Lärmschwerpunkte wurden gesetzt und belegt, Maßnahmen benannt und die Anzahl der betroffenen Bürger ermittelt – nämlich genau 289 Einwohner in exakt 58 Gebäuden, die als belastet eingestuft werden, und 49 Einwohner in zehn weiteren Gebäuden, die sogar als besonders belastet gelten.

Der Aufwand war es dem Gemeinderat wert. Denn nachdem eine Ortsumgehung gleich zweimal per Bürgerentscheid abgelehnt worden war, hatte er den lärmgeplagten Anliegern der Ortsdurchfahrt das Versprechen gegeben, den Lärm auf der viel befahrenen Straße zumindest erträglich zu gestalten. Bisher konnte die Gemeinde aber nur ein Förderprogramm für Schallschutzfenster anbieten und auf dem etwa 600 Meter langen Teilstück die Einrichtung einer nächtlichen 30er-Zone.

Mit einer Tempobeschränkung auf 30 Stundenkilometer Tag und Nacht kommt die Gemeinde dem versprochenen Ziel einen Schritt näher. Am Ende der Reihe wartet noch die Sanierung der Ortsdurchfahrt mit Flüsterasphalt. Diese Sanierung, die das Staatliche Bauamt Weilheim durchführen will, wird allerdings seit zwei Jahren immer wieder in die Zukunft verschoben. Zuletzt war von einem Baubeginn im Jahr 2023 die Rede.

Mit der Genehmigung durch die Regierung von Oberbayern und mit der formellen Übertragung der Regierung von Oberfranken ist wenigstens die Geschwindigkeitsbegrenzung in trockenen Tüchern. „Wir haben jetzt einen Rechtsanspruch darauf“, freut sich Alexander Wimmer. Dieser wird nun bekanntgemacht, unter anderem auf der Internetseite der Gemeinde unter www.inning.de.

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