Heiko Vedder, Ralph Gehlhar, Jürgen Ziehl und Andreas Barz beim Start in Buch.
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Los geht’s: (v.l.) Heiko Vedder, Ralph Gehlhar, Jürgen Ziehl und Andreas Barz beim Start in Buch.

Ammerseerunde statt Wettbewerb

Selbst ist der Marathonläufer

Weil überall die großen Sportwettbewerbe abgesagt werden, haben sich vier Marathonläufer auf den Weg rund um den Ammersee gemacht - eine schöne Idee eigentlich.

Buch – Um 9.25 Uhr am Samstagmorgen ging es los. Fünfeinhalb Stunden und 43,6 Kilometer später waren Jürgen Ziehl (52), Ralph Gehlhar (54), Heiko Vedder (54) und Andreas Barz (28) im Ziel. Der Bucher Ziehl hat einen Ammerseerundlauf mit seinen Freunden auf eigene Faust organisiert, nachdem alle offiziellen Marathons abgesagt worden sind oder nur virtuell stattfinden. Dem Bucher reichte dies nicht, er wollte Mitbewerber, vor allem aber auch Spaß.

Der Marathon Deutsche Weinstraße, der Lauf in München und sogar der berühmte Iron Man auf Hawaii, auf den sich Gehlhar und Barz monatelang vorbereitet hatten, wurden abgesagt. Ziehl fand, dass eine Ammerseerunde auch ihren Reiz hat. Die beiden geübteren Läufer schlugen ein, nahmen es als Training mit, denn das Ziel der Ammerseerunde war, dass alle „mit einem Lächeln im Gesicht ankommen“.

Mit der Laufzeit von vier Stunden 40 Minuten war zumindest Ziehl zufrieden. „Das sind 6,39 Minuten pro Kilometer“, rechnet der 52-Jährige vor. Und dies im Nieselregen über matschige Uferwege, den Höhenweg nach Rausch, vorbei an Herrsching Richtung Südspitze des Sees. Wie bei echten Rennen, gab es dort eine Erfrischungsstation. Robert und Erika Nicolodi reichten Getränke und Bananen, um das Quartett bei Kräften zu halten. Oder besser das Trio, denn Gehlhar musste schon in Breitbrunn wegen Knieschmerzen abbrechen. Bei Kilometer 38 stieß er nicht nur dazu, sondern mit den Freunden und einem alkoholfreien Weißbier auch an. Wie erwähnt, stand der Spaß im Vordergrund. Barz konnte dort schon langsam die Anstrengung im Oberschenkel spüren, während Ziehl noch einmal seinen Versorgungsrucksack mit einem Krafttrunk auffüllte. Dem 52-jährigen Bucher war die Anstrengung kaum anzusehen, dabei läuft er erst seit drei Jahren.

Mit dem Laufvirus infiziert hatte ihn Vedder im Skiurlaub. Ziehl fing mit fünf Kilometern an, irgendwann zeigte seine Lauf-App wöchentlich 40 bis 50 Kilometer. 2019 lief er das erste Mal den München Marathon mit, heuer waren er und Vedder für denMarathon Deutsche Weinstraße angemeldet. Hier wie dort fielen die Wettbewerbe der Pandemie zum Opfer. Also initiierte der Bucher den Ammerseemarathon, dem sich erst Vedder, dann Gehlhar und Barz anschlossen.

Sportwissenschaftler Barz war mit seinen 28 Jahren quasi das Küken in der Runde. „Der Altersdurchschnitt der Marathonläufer liegt in der Regel über 40“, weiß der Zweibrückener. Und auch dass Marathonläufer meistens beruflich erfolgreich seien. Ehrgeiz und Ausdauer spielt in beiden Bereichen eine Rolle. Ziehl hatte am Samstag auf jeden Fall ein Erfolgserlebnis: Er hatte fünf bis sechs Stunden anvisiert und geschafft – und das Ziel mit einem Lächeln im Gesicht erreicht. MICHÈLE KIRNER

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