Ähnlichkeit mit einem Hummer: der galizische Sumpfkrebs.
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Ähnlichkeit mit einem Hummer: der galizische Sumpfkrebs.

Galizischer Sumpfkrebs gesichtet

Seltener Anblick im Ammersee

„Ein Hummer“ rief diese Woche ein junger Stand-Up-Paddler kurz vor Stegen begeistert, zückte sein Handy und machte ein Foto. Es sollte sich herausstellen, dass der „Hummer“ mit ziemlicher Sicherheit ein galizischer Sumpfkrebs ist.

Stegen - „Da haben Sie Glück gehabt, die sieht man kaum mehr im Ammersee“, sagt Dr. Bernhard Ernst auf Nachfrage des Starnberger Merkur. Schuld am Aussterben dieser an die 25 Zentimeter großen Schalentiere sei die Krebspest, erklärt der Biologe und Fischer aus Utting. Man könnte von einer feindlichen Übernahme sprechen. Denn ein Nordamerikaner namens Kamberkrebs habe sich vor einigen Jahrzehnten auch im Ammersee angesiedelt – und dabei eine Seuche importiert, gegen die die Kamberkrebse immun seien, die sie aber „latent in sich tragen“. Damit seien sie verantwortlich dafür, dass die Einheimischen nach und nach von der Bildfläche verschwinden, sagt Ernst. Der Edelkrebs sei bereits ausgestorben. Der Galizier, der vor etwa 130 Jahren aus Osteuropa eingewandert sei, halte „ein bisschen mehr aus“, betont er.

Die nordamerikanischen Kamberkrebse hingegen gediehen im Ammersee prächtig, sagt der Biologe. Eine Tatsache, die Ernst mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht. Denn einerseits verdrängen die Kamberkrebse ihre einheimischen Verwandten, andererseits ist ihre Ausbreitung ein Segen, denn sie übernehmen als eine Art Polizei eine wichtige Rolle im Ökysystem des Sees: Mit Vorliebe verspeisen die Allesfresser neben Insekten auch Holzreste oder abgestorbenes Pflanzenmaterial. Man darf also behaupten, dass sie den Seegrund entrümpeln.

In der heimischen Küche sind die maximal zwölf Zentimeter kleinen Einwanderer nicht so begehrt wie der größere Sumpfkrebs. Dennoch verkauft Ernst mittlerweile einige davon – auch an Gastronomen. „Sie schmecken sehr gut“, betont er. Etwa in einer Suppe, in der das Schalentier optimal verwertet werde.

Der Versuch, sie loszuwerden, sei ein Kampf gegen Windmühlen. „Die Realität ist, dass wir sie nicht mehr aus dem Ammersee rausbringen können“, sagt er. Genauso wie die aus dem kaspischen Meer eingewanderte Dreikantmuschel. Das ist diese messerscharfe Muschelart, die sich unter anderem an den Steinen am Ufer festklammert und Badegästen schon so manche Schnittwunde beigebracht hat – aber 365 Tage im Jahr Enten und Zugvögel ernährt. Auch die Kamberkrebse gehören zur Nahrungsquelle einiger Vögel. Und sie sind ein beliebtes Sammelobjekt von kleinen und großen Naturforschern, weiß der Uttinger. Er finde das gut, denn damit würden die Menschen die schützenswerte Natur im wahrsten Sinne begreifen. „Aber bitte setzt sie wieder im Ammersee aus und nicht in einem Fluss, um die Flusskrebse zu schützen“, appelliert er an die Sammler.

Den Hummer, der keiner ist, also den galizischen Sumpfkrebs, den sollte man lieber in Ruhe lassen. Michèle Kirner

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