Ein riesiges Schutzgebiet: Die Einmündung der Ammer in den Ammersee, eine Luftbildaufnahme des Klimaforschers und Fotografen Dr. Jörg Bodenbender aus seinem Kalender „Gipfel und Seen im Licht 2021“.
+
Ein riesiges Schutzgebiet: Die Einmündung der Ammer in den Ammersee, eine Luftbildaufnahme des Klimaforschers und Fotografen Dr. Jörg Bodenbender aus seinem Kalender „Gipfel und Seen im Licht 2021“.

Am 2. Februar wird Ramsar-Konvention 50 Jahre – 24 Jahre Gebietsbetreuung Ammersee

Tag der Feuchtgebiete

  • vonAndrea Gräpel
    schließen

Das Ramsar-Abkommen ist ein internationales Vertragswerk zum Schutz von Feuchtgebieten, insbesondere für Lebensräume von Wasser- und Watvögeln. Der Vertrag wurde am 2. Februar vor genau 50 Jahren in Ramsar (Iran) unterzeichnet

Stegen – Deutschland hatte bei seinem Beitritt im Jahr 1976 31 Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung in Deutschland gemeldet – dazu gehören auch der Starnberger und Ammersee. Bayerns erster Gebietsbetreuer wurde 1997 am Ammersee eingesetzt: Diplom-Geograf Christian Niederbichler. Seit nunmehr 23 Jahren ist er der Ansprechpartner vor Ort. Seit 2002 hat auch der Starnberger See eine Gebietsbetreuung unter anderen mit Forstwirt Franz Wimmer, der seit 2014 die Kreisgeschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Stegen leitet. Er wurde abgelöst durch die Ornithologin Dr. Andrea Gehrold.

Gebietsbetreuer tragen auf regionaler Ebene mit der Vermittlung von umweltrelevantem Wissen zur Wertschätzung dieser ökologische besonders bedeutsamen Gebiete bei. „Zu ihren Aufgaben zählen vor allem die Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung, die Vermittlung zwischen verschiedenen Interessengruppen und die Mitwirkung bei der Erfassung und Überwachung der seltenen Tier- und Pflanzenarten des jeweiligen Gebietes. Außerdem sind sie Informationsmultiplikatoren, die den Bürgern die Ziele von Natura 2000, die Vernetzung der Schutzgebiete Europas und damit auch die überregionalen Zusammenhänge der Natur näher bringen sollen“, heißt es auf der Internetseite des LBV. Denn das Projekt wird zwar gefördert vom Bayerischen Naturschutzfonds, vom Bezirk Oberbayern und dem Landkreis Starnberg, aber Träger der Stelle ist der LBV Bayern. Im Büro der Kreisgeschäftsstelle in der Alten Brauerei in Stegen bilden die Gebietsbetreuer der beiden großen Seen im Landkreis Starnberg eine Bürogemeinschaft gemeinsam mit Franz Wimmer.

In den 24 Jahren seit Beginn der Gebietsbetreuung am Ammersee hat sich in der Pflege viel getan. Belegt wird dies durch die von Geografen eingeführte Arten-Kartierung, die seit 2000 alle drei Jahre aktualisiert wird. Darin ist abzulesen, dass sich zum Beispiel der Bestand der Bekassine vervielfacht hat.

Christian Niederbichler beschrieb seine Arbeit einmal als „Ein-Mann-Unternehmen“, auch wenn er mit vielen Menschen in Kontakt kommt unter anderem bei den vielen Vogelzählungen. Sein Vertrag ist wie auch der seiner Kollegin befristet und wird alle drei Jahre erneuert.

Die Ammersee-Gebietsbetreuung war eine Pilotstelle, die sich – das kann man nach 23 Jahren wohl getrost sagen – trotzdem etabliert und bewährt hat. Andrea Gehrold spricht sogar von einem großen Gewinn in Anbetracht der wachsenden Nutzung der Seen. „Der Freizeitdruck ist seit Beginn der Gebietsbetreuung sehr gestiegen“, räumt die Ornithologin ein. Die Anzahl der Wasservögel sei trotzdem konstant hoch. „Das ist schon ein Erfolg der Gebietsbetreuung“, sagt sie. Jeweils mehr als 20 000 Wasservögel gibt es auf den beiden großen Seen. Vor allem diese große Zahl ist ein Kriterium der Ramsar-Konvention – der Erhalt dieser Biodiversität, ohne ein Nutzungsverbot aussprechen zu müssen. Weder für Fischer, noch für Jäger oder auch Wassersportler. Eine Gratwanderung, die bislang gelungen ist. Zumindest die organisierten Sportler hielten sich daran, den See im Winter nicht zu nutzen, sagt Andrea Gehrold. Denn vor allem im Winter gibt es viele Vögel, die auf Starnberger und Ammersee überwintern. „Ohne diese Rücksichtnahme würde es nicht funktionieren.“ Immer neue Sportarten machen aber auch den Gebietsbetreuern Sorgen, vor allem die große Anzahl von Stand-up-Paddlern. „Hartgesottene sind ja auch im Winter unterwegs“, weiß die Gebietsbetreuerin. Da gebe es durchaus Reibungspunkte. „Das sollte an sich gar nicht der Fall sein.“

Am Ammersee reicht die Gebietsbetreuung über den See hinaus bis zum Ampermoos, das nach der erfolgreichen Wiedervernässung ein intaktes Moor ist. Damit dies so bleibt, steht Niederbichler ein Team zur Seite, das sich im Laufe der Jahre aus freiwilligen Helfern, Landwirten und Vertretern von Verbänden gebildet hat. Darauf ist der Gebietsbetreuer schon auch stolz. Auch seine Kollegin sagt, dass es enorm wichtig sei, länger dabei zu sein, damit die Menschen Vertrauen aufbauen und den Schutz der Gebiete unterstützen.

Der Erfolg in der Vergangenheit erklärt vielleicht die Akzeptanz des Abkommens. Nach zahlreichen Neuzugängen gibt es aktuell 171 „Vertragsparteien“, also Staaten, die der Ramsar-Konvention beigetreten sind mit insgesamt 2388 Gebieten, deren Gesamtgröße mehr als zwei Millionen Quadratmeter beträgt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare