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Wiesn findet wieder statt: Warum Süßwaren-Großhändler Vogler deshalb nicht jubelt

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Von: Tobias Gmach

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Schokoprodukte liegen im Trend: Das hat Stefan Vogler, Süßwaren-Großhändler aus Inning, registriert. Er kennt die Branche seit mehr als 30 Jahren.
Schokoprodukte liegen im Trend: Das hat Stefan Vogler, Süßwaren-Großhändler aus Inning, registriert. Er kennt die Branche seit mehr als 30 Jahren. © Andrea Jaksch

Als die Wiesn 2020 erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg abgesagt wurde, war das für den Süßwaren-Großhändler Stefan Vogler eine Katastrophe. In der Pandemie hat er seine Firma aber neu aufgestellt – und könnte bald besser dastehen als vorher.

Inning – Die Wiesn und die Firma Vogler gehören seit vielen Jahrzehnten zusammen. Ungefähr die Hälfte der Süßigkeiten-Stände auf dem weltgrößten Volksfest, 50 bis 60 an der Zahl, belieferte der Großhändler aus dem Inninger Gewerbegebiet. Dementsprechend hart traf den Betrieb von Stefan Vogler die coronabedingte Absage im April 2020, „Wir machen null Geschäft. Es ist eine Riesenkatastrophe“, sagte er damals im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Das Oktoberfest fiel bekanntlich auch im Jahr 2021 aus. Heuer soll es wieder stattfinden, wie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zuletzt verkündete. Und wie reagiert Vogler? „Die wahnsinnige Freude ist nicht eingetreten“, sagt der 55-Jährige am Telefon. Das klingt einerseits verwunderlich, andererseits nicht. Denn hätte Vogler seine Firma mit rund 20 Mitarbeitern nicht neu aufgestellt, würde es sie heute vielleicht nicht mehr geben. Er ist alternative Wege gegangen und wurde dafür belohnt.

Der Mann, der die Süßwaren- und Confiserie-Branche seit mehr als 30 Jahren kennt und 2020 vor lauter Zukunftsängsten fast verzweifelte, ist heute wieder frohen Mutes. „So ein gutes Frühjahr hatten wir noch nie“, berichtet er. Der Grund: bestens besuchte Frühlings- und Volksfeste, ob in München, Nürnberg, Augsburg oder Stuttgart. „Die Leute haben Nachholbedarf, es herrscht Euphorie“, sagt Vogler. Selbst klingt er dabei nicht übermäßig euphorisch, eher sachlich und analytisch. Denn aufs Festgeschäft, auf Lebkuchenherzen und gebrannte Mandeln, verlassen kann und will sich Vogler nicht mehr.

Vogler liefert Apfelringe palettenweise, Schokolade im Trend

Er habe versucht, in den regionalen Supermärkten Fuß zu fassen. „Aber das ist uns zu kleinteilig.“ Was besser funktioniert? Vogler verkauft zum Beispiel palettenweise Apfelringe an andere große Fachhändler, die wiederum Einzelhändler beliefern. Manchmal wundert er sich selbst, wo seine Produkte letztlich überall landen – dass sie nicht nur in in sogenannten Pralinenoutlets, sondern auch in sämtlichen Shops online verkauft werden. „Wir sind gut im Handel vertreten.“

Voglers Unternehmen kann sich mehr denn je von seiner Schokoladenseite zeigen. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir verkaufen so viel Schokolade wie noch nie“, sagt der Süßwaren-Fachmann. Gerade Schoko-Trockenfrüchte lägen im Trend. Das Jahr 2022 laufe bisher so gut, dass der Firmenchef sagt: „Eventuell stehen wir am Ende besser da als vor der Pandemie.“ Vogler hat auch den Eindruck, dass sich die Menschen mit belgischer Schokolade oder Lübecker Marzipan in den schwierigen Krisen-Zeiten etwas Feines gönnen möchten.

Obwohl es wieder bergauf geht: Harte zwei Jahre hat auch der Inninger Süßigkeiten-Händler hinter sich. Unter dem Strich verbuchte er für den Zeitraum einen Umsatzrückgang von 50 Prozent. Wenn die Wiesn tatsächlich stattfindet, wird Vogler heuer wohl nicht mehr die Hälfte der Händler beliefern, „vielleicht noch 30“, schätzt er. Das Oktoberfest bleibt zwar ein wichtiger Baustein des Geschäftsmodells, aber nicht mehr in dem Maße. Lebkuchenherzen für 300 000 Euro lässt Vogler nicht mehr vorproduzieren. Das würde auch gar nicht mehr gehen, sagt er. „Da steckt viel Handarbeit drin. Die Produzenten haben Personalprobleme, manche Herzenmalerinnen haben sich umorientiert.“ Voglers Einschätzung: „Lebkuchenherzen wird es heuer auf der Wiesn nicht in der Vielfalt und vielleicht auch nicht in der Menge geben wie vor der Pandemie.“ Er selbst kann damit, wie es scheint, ganz gut leben.

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