Gegründet worden war das Ensemble vom damaligen Musikschulleiter Peter Schuhmann, einer, den der Chor damals buchstäblich auf Händen trug. Sein Nachfolger Michael Reiserer setzt alles daran, dass der Chor bestehen bleibt.
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Gegründet worden war das Ensemble vom damaligen Musikschulleiter Peter Schuhmann, einer, den der Chor damals buchstäblich auf Händen trug. Sein Nachfolger Michael Reiserer setzt alles daran, dass der Chor bestehen bleibt.

Inninger Musikschulchor stellt sich neu auf

Zeitenwende bei den Vocal Harmonists

Es war im September 1985, als Innings damaliger Musikschulleiter Peter Schuhmann den Chor Vocal Harmonists gründete. Zehn Jahre ist es nun schon her, dass Alexandra Fischer (53) die Chorleitung der rund 30 Sängerinnen und Sänger übernahm. Als die Sängerin und Pianistin vor Kurzem verkündete, aufzuhören, machte schnell das Gerücht die Runde, dass sich der Chor auflöst. Aber Innings aktueller Musikschulleiter Michael Reiserer winkt ab. Eine Nachfolge aus eigenen Reihen stünde demnächst fest, verspricht er.

Inning - „Wir planen keine Auflösung“, versichert Reiserer. Vielmehr habe er vor, die Chorgemeinschaft unter der neuen Leitung neu aufzustellen. Mit alten und neuen Mitgliedern, betont er. Viele der Sängerinnen und Sänger sind schon sehr lange mit dabei – und auf Nachfrage zeigt sich: Viele von ihnen haben schon aufgehört oder werden es demnächst tun. Birgit Gerber, Mitsängerin der ersten Stunde, sagt: „Ich habe mich vorsorglich abgemeldet“, ebenso Robert und Edith Scheurich, seit 1996 als Tenor und Sopranistin in der Runde vertreten. Grünen-Gemeinderätin und Alt-Stimme Marita Seefelder singt seit 1998 mit, lässt die finale Entscheidung aber auch offen. „Mal schauen, wer den Chor leitet und wie er sich neu aufstellt“, sagt sie.

Chorleiterin Alexandra Fischer gibt die Leitung ab, um sich verstärkt der Karriere widmen zu können, wie sie sagt. Das Pandemiejahr hatte einen nicht unwesentlichen Einfluss zu diesem Schritt genommen. „Ich habe gesehen, wie schnell das Leben vorbei sein kann“, erzählt die Musikerin, die mit einem Schlagzeuger verheiratet ist. Einst tourte sie unter anderem mit einer Bluesband durch Deutschland. Nach der Geburt ihrer Tochter 2005 wollte sie mehr zu Hause sein. Die Anfrage, ob sie den Jazz-Pop-Chor übernehmen wollte, war damals zum richtigen Zeitpunkt gekommen. „Ali, das wäre doch was für dich“, habe der mit ihr befreundete Musiklehrer Björn Kellerstrass gefunden.

Und er sollte recht behalten. Fischer empfindet die Chorleitung als „schöne Herausforderung“, schätzt die gut gelaunten, über die Jahre wunderbar aufeinander eingesungenen Sängerinnen und Sänger. Unzählige Stunden schrieb sie Chorsätze, die sie mit dem Chor einstudierte und bei einem jährlichen Chorwochenende vertiefte. Alle zwei Jahre präsentierten die Inninger Vocal Harmonists Gelerntes in einem Konzert. Zuletzt 2019 im Inninger Spectacel mit einem „Best of“ aus 34 Jahren. Wie immer mit pfiffigen Choreografien, Ansprachen und wechselndem Outfit – und wie immer ohne Noten und auswendig. „Die Vocal Harmonists sind superfit, und ich habe viel von ihnen gelernt“, erzählt Alexandra Fischer. Nun aber sei es Zeit, sich auf eigene Kompositionen zu konzentrieren. Dazu gehört „Magst a Watschn“, das seit kurzem von „The Woodsidejumpers“ auf dem Musik-Streaming-Dienst Spotify zu hören ist.

Wer an ihrer Stelle die Vocal Harmonists übernimmt, ist laut Preiserer noch offen. Gerber, Seefelder und das Ehepaar Scheurich behalten die Entwicklung genau im Auge – und schließen eine Rückkehr in den Chor nicht aus. Sie hoffen auf viele neue Gesichter in den Chorreihen, wenn zu den Dienstagsproben wieder Gesang aus dem Klassenzimmer in der Grundschule nach draußen dringt. Anmeldungen sind im Internet unter musikschule-inning.de möglich.

Alexandra Fischer bleibt der Musikschule auf jeden Fall als Lehrerin erhalten, sagt sie. Auch in Zukunft wird sie im Einzelunterricht Gesangs- und Klavierunterricht geben. Falls notwendig online.

Online proben derzeit auch die Ensembles, sagt Musikschulleiter Michael Reiserer. Mindestens 85 Prozent des Unterrichts sei in der Pandemie weitergegangen, meistens digital. Im März sei der Einzelunterricht in Inning wieder unter Einhaltung der Hygienevorschriften und mit Maske in Präsenz gestartet – bis jetzt, da er wieder verboten ist. „Wir planen Anfang Mai Online-Vorspiele“, verrät Reiserer. Die Schule investiere gerade in eine Plattform, um den Unterricht per Computer zu perfektionieren. Das klappe ganz gut, sagt Reiserer und betont: „Den Präsenzunterricht ersetzt das nicht, der bleibt für uns unglaublich wichtig.“

Michèle Kirner

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