Vier Mädchen und fünf Buben

Rettungsinsel, wenn nichts mehr hilft

Biber - Verein Seestern und Starnberger Merkur haben ihre Weihnachtswunschbox geöffnet. Der erste Wunschzettel kommt vom heilpädagogischen Kinderheim in Biberkor. Dort fehlt einiges, vor allem ein neunsitziger Kleinbus.

Es ist eine Rettungsinsel für Kinder, eine neue Heimat, in der sie Geborgenheit finden: Das heilpädagogische Kinderheim in Biberkor nimmt Mädchen und Buben „aus vielen verschiedenen prekären Situationen“ auf, erklärt Elke Burghardt. Die Kinder kommen aus Familien mit einem hohen Gewaltpotenzial. Die Eltern sind krank oder nehmen Drogen. Aber auch die Gefahr vor sexuellen, körperlichen und seelischen Misshandlungen besteht. „Da gibt es alles, was man sich vorstellen kann“, sagt Burghardt. In Biberkor sollen sie geschützt werden, das alles verarbeiten.

Vier Mädchen und fünf Buben sind in dem Heim auf dem Gelände der Montessori-Schule bei Höhenrain untergebracht. Sie sind zwischen acht und 15 Jahre alt, kommen aus dem Münchner Umland. Sie werden vom Jugendamt vermittelt oder überforderte Eltern melden sich. Das Heim ist das letzte Angebot, wenn etwas anderes nicht mehr hilft. „Die Kinder bringen Traumata mit“, erzählt Burghardt. „Sie haben so viel Schlimmes erlebt, dass sie nicht mehr glauben, dass sie ein wertvoller Mensch sind.“ In Biberkor wird ihr Selbstvertrauen aufgebaut, sie erfahren, dass sie etwas Wertvolles sind.

Dass sich die Kinder wohl fühlen und ihre Traumata abgebaut werden, darum kümmert sich ein fünfköpfiges Team um Heimleiter Folker Hesse sowie Therapeuten. Die Betreuer führen Gespräche, setzen klare Grenzen, vermitteln Erfolgserlebnisse. Ein wichtiger Punkt ist die Arbeit mit Tieren: Bei der Versorgung von Hunden soll Verantwortungsgefühl entwickelt und beim Pferdereiten sollen sprichwörtlich tragfähige Beziehungen aufgebaut werden. Burghardt: „Tiere sind wie ein Türöffner.“

Ziel der heilpädagogischen Maßnahmen ist, dass die Kinder nach einer gewissen Zeit wieder in ihre Familie zurück können - das klappt aber nicht immer. Es wird auch intensiv mit den Eltern gearbeitet. Wenn die Mädchen und Buben wollen, können sie alle zwei Wochen nach Hause. Dadurch soll eine Entfremdung verhindert werden. Wichtig ist, dass keine akute Gefahr für die Kinder besteht.

Das Gebäude in Biberkor, das vorher ein Schwesternheim und ein Internat war, hat Zimmer für jedes Kind. Im Gang sind Waschräume. In der großen Küche wird in der Früh und abends gegessen, dort kocht Hauswirtschafterin Ingrid, die Seele des Hauses. Im Aufenthaltsraum steht ein Tisch fürs Mittagessen, eine Couch und ein Fernseher. Im Gang wird gekickert. „Man merkt schon: Es ist nicht aus einem Guss, damit es heimelig ist“, erklärt Burghardt und fügt hinzu: „Es fehlt an der Einrichtung.“

Am meisten fehlt es aber an einem Kleinbus. Derzeit hat das Kinderheim nur ein Auto, zehn Jahre alt mit mehr als 200 000 Kilometer auf dem Tacho. Und es ist zu klein, um alle Kinder zu transportieren. Deswegen müssen die Mädchen und Buben auf Autos der Betreuer verteilt werden. Ein Kleinbus mit neun Sitzen würde vieles erleichtern. Das Fahrzeug ist aber teuer: Trotz eines großzügigen Rabatts des Autohauses kostet es noch 26 000 Euro, öffentliche Mittel gibt es nicht.

Wunsch-Box Wünsche teilen Sie mit unter Telefon (0 81 51) 26 93 37. Fax: (0 81 51) 26 93 40, E-Mail: sta-merkur@merkur-online. de.

Für Geldspenden nutzen Sie bitte das Konto des Vereins Seestern bei der VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg:

IBAN: DE48 7009 3200 0002 9318 85; BIC: GENODEF1STH; Stichwort: Wunschbox.

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