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Wackelige Konstruktion: Die Umfragewerte der SPD sind so schlecht wie nie. 

Jammersozi-Debatte

"Gute Laune braucht das Land"

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Gilching - SPD-Gemeinderat Christian Winklmeier (24) aus Gilching hat ein neues Lieblingswort: Jammersozi. Warum? Er hat es uns im Interview erklärt.

Auf seiner Facebook-Seite klagt Christian Winklmeier über Kritik aus den eigenen Reihen. Wir haben dem Gilchinger SPD-Gemeinderat mit Bundestagsambitionen ein paar Fragen gestellt. 

- Gibt es für Ihren Vorwurf „Jammersozi“ an einige Parteigenossen einen aktuellen Anlass?

Wesentlich geärgert hat mich die erneut pauschale Kritik der Bundesvorsitzenden der Jusos. Schon beim letzten Parteitag ist sie mit maßloser und unsachlicher Kritik an unserem Parteivorsitzenden aufgefallen und hat damit einen großen Anteil an der Schwächung von Sigmar Gabriel und zugleich der SPD. Leider ist sie damit nicht alleine.

- Gibt es im Kreis „Jammersozis“ oder ist das ein überregionales Phänomen? 

Die meisten Jammersozis sehe ich auf der mittleren Funktionärsebene, auch in der Bundestagsfraktion. Innerparteiliche und inhaltliche Kritik ist wichtig, aber wenn man grundsätzlich gegen die Spitze schießt und das teils seit Jahren, ohne selbst Wahlerfolge vorweisen zu können, dann ist das destruktiv und widerspricht unserem Grundwert der Solidarität. 

- Die Basis kritisiert den Vorsitzenden – das schadet der Partei. So Ihre These. Nun kritisieren Sie die Basis, sie jammere zu sehr. Das schadet der Partei nicht? 

Es gibt keinen Konflikt zwischen Basis und Vorsitzendem. Es gibt einen Konflikt zwischen einigen wenigen und der Parteispitze. Diese Wenigen haben es schon in der Vergangenheit geschafft, unsere starken Führungspersönlichkeiten abzusägen. Den Erfolg für die Partei sieht man heute. Diejenigen, die ich als Jammersozis bezeichne, stellen nicht die Basis dar. Die Basis wird gebildet von vielen Mitgliedern und Gemeinde- oder Stadträten. Gerade Letztere können oftmals gut nachvollziehen, in welcher schwierigen Lage sich der Parteivorsitzende befindet und finden deutlich mehr Anerkennung für diese Arbeit als ein immer grantelnder Parteifunktionär.

- Die Umfragewerte sind "mies". Was muss sich in der SPD ändern und was können Sie dazu beitragen? 

Christian Winklmeier bezeichnet einige seiner Parteikollegen als "Jammersozis".

Erstens: Wir müssen lernen, dass wir nicht ein unendliches Reservoir an Spitzenleuten haben. Diejenigen, die wir mit starken Ergebnissen bei Parteitagen aufbauen (94% für Gabriel 2009 und 91% in 2011) und denen wir einen klaren Auftrag mitgeben (76% pro Große Koalition im Jahr 2013), dürfen wir nicht von heute auf morgen verbraten. Zweitens: Wir sollten uns genau überlegen, wo Kritik an der Spitze angebracht ist und wo nicht. Jeder, der die Arbeit der Bundesregierung und der Parteispitze kritisiert, hat die Möglichkeit, sich in den Beratungen zum Wahlprogramm einzubringen. Inhaltlich, ohne Bezug auf einzelne Persönlichkeiten und mit dem Blick darauf, was man aus den vergangenen Wahlen und Regierungsbeteiligungen lernen kann. Drittens: Wir dürfen uns und unsere Leistung in den Regierungen nicht immer pauschal schlechtreden. Kritik ist wichtig und gut. Aber nur derjenige, der insgesamt dahintersteht, was seine Partei in der Regierung abliefert, kann dann auch wieder glaubhaft bei den anstehenden Wahlen für diese Partei kämpfen. Ich werde im anstehenden Wahlkampf optimistisch für mich und die Werte der Partei einstehen. Wir können große Teile der Bevölkerung nur mitreißen, wenn wir hinter unserer Arbeit stehen. Gute Laune braucht das Land. Nur derjenige, der an sich selbst glaubt und mit Optimismus an seine Aufgaben rangeht, wird auch den Glauben und das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen können. Mit einer solchen Einstellung werde ich nicht nur meine Parteifreunde davon überzeugen können, sich mit aller Kraft für mich und die SPD einzusetzen, sondern auch viele Wählerinnen und Wähler, die SPD am Wahltag zu unterstützen. Davon bin ich voll und ganz überzeugt.

- Wann ziehen Sie nach Berlin?

Diese Frage werde ich mir wahrscheinlich nie stellen müssen. Nicht, weil ich nicht in den Bundestag einziehen will, sondern weil ich unabhängig von einem Mandat meine Heimat nicht verlassen will. Selbst nach einem Einzug in den Bundestag sehe ich einen großen Schwerpunkt meiner politischen Arbeit vor Ort. Diese zweite Säule neben der Arbeit im Parlament sehe ich als unglaublich wichtig an, um dem Eindruck entgegenzuwirken, dass sich „die Politiker“ immer weiter von „dem Volk“ entfernen.


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