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Der ganz normale Werktags-Wahnsinn auf der B2 im Stadtgebiet von Starnberg. Die Blechlawine quält sich durch den Stau. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Interview mit Starnbergs Bürgermeisterin Eva John

„Der Tunnel löst das Problem nicht“

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Starnberg - Tunnel oder Umfahrung? Dieses Jahr könnte endlich Bewegung in den unendlichen Starnberger Streit kommen. Jedenfalls finden am 19. Januar, einem Donnerstag, im Bayerischen Innenministerium in München Gespräche statt, bei denen Umfahrungs-Alternativen zum B2-Tunnel ausgelotet werden sollen.

Neben Bürgermeisterin Eva John haben am 19. Januar auch alle neun Stadtratsfraktionen die Möglichkeit, an dem Gespräch mit der obersten Baubehörde teilzunehmen. Der Starnberger Merkur sprach zum Jahreswechsel mit Bürgermeisterin Eva John, bekanntlich eine Umfahrungs-Befürworterin, über das Thema.

-Frau John, im neuen Jahr geht es wieder um die ewige Starnberger Frage: Tunnel oder Umfahrung? Am 19. Januar diskutieren Sie und Vertreter aller neun Fraktionen diese Frage bei einem Termin im Bayerischen Innenministerium. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in dieses Gespräch?

Mit guten. Für mich sind diese Gespräche nichts Neues. Wir führen Sie auf Verwaltungsebene seit über einem Jahr.

-Mit welchem Ergebnis oder Fortschritt?

Der Beschluss des Stadtrats lautete, Realisierungkonzepte für die Umfahrungsvarianten zu erarbeiten, um das Staatliche Bauamt davon zu überzeugen, dass die Umfahrung in vielen Punkten besser ist als der Tunnel. Aber diesem Weg ist die Politik im Sommer 2016 mehrheitlich nicht mehr gefolgt, sondern hat den Verkehrsentwicklungsplan in diesem Teil zum Erliegen gebracht.

-Was erwarten Sie dann von den Gesprächen mit den staatlichen Behörden?

Das Staatliche Bauamt wird vermutlich sagen: Wir haben einen Planfeststellungsbeschluss, für uns wird der Tunnel in Frage kommen und sonst nichts. Und wenn ihr Starnberger etwas anderes wollt, dann macht das, was wir der Verwaltung vor einem Jahr gesagt haben: Überlegt euch alternative Planungen, und wir schauen uns die dann an.

-Und das würden Sie gerne weiter machen?

Wenn ich die Realisierbarkeit eines Projektes prüfen will, muss ich die Grundlagen dafür erarbeiten. Das heißt, ich muss den Tunnel, die ortsferne und die ortsnahe Umfahrung auf eine Ebene heben und nach Themen wie Verkehrswirksamkeit oder auch Widerstände untersuchen. Erst dann können wir sagen, was machbar und am erfolgversprechendsten für die Stadt Starnberg ist.

-Sie persönlich ...

Meine persönliche Überzeugung ist nach wie vor: Jede Umfahrung ist für die Zukunft und für die Interessen der Stadt besser als ein Tunnel. Mit diesen Gedanken gehe ich auch in die Gespräche.

-Warum?

Jeder weiß, dass der Tunnel null positive Auswirkung auf die Verkehrsentlastung der Söckinger Straße, der Hanfelder Straße, der Possenhofener Straße oder des Tutzinger-Hof-Platzes haben wird. Wenn ich ihn trotzdem will, dann will ich den Tunnel, weil ich den Tunnel will, aber nicht, weil ich das Verkehrsproblem der Stadt Starnberg lösen will.

-Das sehen die Befürworter anders.

Das Problem in Starnberg ist doch nicht nur ein Hauptstraßenproblem, sondern gerade ein Problem der Staatsstraßen, die auf diese Hauptstraße zulaufen. Der geplante Tunnel wird nie mehr als zwei Spuren und nie eine Zu- oder Abfahrt haben. Selbst wenn er gebaut würde, hätten wir immer noch Staatsstraßen, die weiterhin auf die Hauptstraße zulaufen. Und wenn ich eine Straße habe, habe ich Verkehr drauf. Und je mehr Straßen ich in der Stadt habe, desto mehr Verkehr habe ich in der Stadt. Die Hauptstraße oberirdisch und zusätzlich unterirdisch zu befahren heißt: Es gibt dadurch mehr Verkehr. Wenn ein Tunnel mit innerörtlichen Zu- und Abfahrten vor Starnberg anfangen und hinter Starnberg aufhören würde, hätte er in puncto Verkehrswirksamkeit noch halbwegs einen Sinn. Aber er fängt mitten in der Stadt an und hört mitten in der Stadt auf.

-Dennoch könnte es sein, dass nach den Gesprächen mit den staatlichen Behörden Bewegung in die scheinbar festgefahrenen Lager der Tunnel- und der Umfahrungsbefürworter im Stadtrat kommt.

Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Stadträte jetzt für den Tunnel stimmt.

-Aber zum Beispiel die Bürgerliste, die bislang ja stets die ortsferne Umfahrung favorisiert, drängt jetzt auf eine Entscheidung.

Es würde mich überraschen und persönlich sehr wundern, wenn die Bürgerliste für einen Tunnel stimmt, wenn die ortsferne Umfahrung nicht geht. Ich glaube, keiner von der BLS ist gewählt worden, damit er im Stadtrat für den Tunnel die Hand hebt.

-Die Realisierung des Tunnels ist doch aber viel wahrscheinlicher. Es gibt Baurecht ...

Auch wenn alle auf einmal den Tunnel wollten, wäre er noch lange nicht da. Ja, der Bund hat den Planfeststellungsbeschluss, aber sonst nix. Es gibt seit x Jahren kein Geld dafür, er ist im Bundesverkehrswegeplan unter jwd eingestuft. Die erforderlichen Grundstücke hat der Bund auch nicht. Und die Mehrheit der Wähler hat sich explizit dagegen ausgesprochen.

-Ihre politischen Gegner werfen Ihnen in der Frage eine Verzögerungstaktik vor ...

Die, die es jetzt so furchtbar wichtig haben, vor allem die CSU, hätten es die letzten 30 Jahre in der Hand gehabt, Entscheidungen herbeizuführen. Wenn ich immer die Mehrheit habe und den Tunnel nicht durchbringe, dann habe ich es halt auch verpennt.

-Trotzdem ist es möglich, dass die Umfahrungsvarianten dieses Jahr beerdigt werden.

Politisch ist alles möglich. Aber etwas zu beerdigen, das noch nicht vergleichend und abschließend bewertet ist, kann ich niemandem empfehlen und löst nebenbei bemerkt auch nicht unser Problem des Durchgangsverkehrs.1030

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