Arbeit im Blaumann: Im Winter arbeitet die Mannschaft in der Werft und schleift Schiffskörper. foto: fkn

Das Jahr, der See und der Kapitän

Der Lichtinstallationskünstler Stefan Bitterhoff hat ein Jahr lang den Ammersse-Kapitän Dieter Reichart begleitet - und einen 100-Minuten-Film darüber gedreht.

Wer keine Karten mehr für die Eröffnungsfeier zum Fünf-Seen-Film-Festival ergattern konnte, dem sei als Trost wärmstens der Dokumentarfilm „Das Jahr, der See und der Kapitän“ empfohlen, der nur an diesem einen Donnerstagabend in Herrsching läuft. Der Lichtinstallations- und Videokünstler Stefan Bitterhoff aus Icking hat einen 100-Minuten-Film über den Schiffsführer Dieter Reichart von der Ammerseeschifffahrt gedreht und ein Jahr lang Reicharts Team bei seiner täglichen Arbeit auf dem See und in der Werft begleitet.

Der Film lebt von der entspannten Atmosphäre, von ungeheuer schönen Naturaufnahmen und von den liebenswerten Porträts der Mitarbeiter, die regelmäßig Uniform und Blaumann wechseln. Wer weiß schon, dass ein Schifffahrtskapitän eigentlich ein Handwerker sein muss? Dass er für den Stegbau, die Wartung der Schiffe und Maschinen verantwortlich ist, dass hier Maler und Lackierer, Metaller und Schreiner eingestellt werden, weil die Schiffe im Winter total auseinandergenommen werden, um Reparatur- und Pflegemaßnahmen durchzuführen? Da ist die Seefahrt selbst nur am Rande eine Aufgabe der Schiffsführer.

Zum Thema kam der Wasser liebende Filmemacher durch einen Zufall, als er mit Dieter Reichart ins Gespräch kam und ihn einfach mal fragte, ob er einen Film über seine Arbeit drehen könne, nicht wissend, was ihn alles erwartet. Sommers wie winters ist er ein Jahr lang regelmäßig nach Stegen gefahren und hat seine Kamera auf den Alltag die Mannschaft gerichtet. Am Anfang, so erzählt Bitterhoff, sei er schon ein wenig skeptisch beäugt worden, aber zum Schluss haben die Arbeiter den Kameramann, Drehbuchautor, Regisseur und Cutter in Personalunion gar nicht mehr zur Kenntnis genommen, weil er selbst Teil des Teams wurde.

So entstand ein wunderbares Porträt eines Teams, das seine Arbeit liebt. Bitterhoff ist beeindruckt von der Ruhe, Gelassenheit und Freude, mit der die Arbeiter ihre Aufgaben erledigen und die Boote pflegen. Da die Schiffe ganz bewusst von der Bayerischen Seenschifffahrt für die jeweiligen Gewässer ausgesucht werden, ist jedes Schiff ein Prototyp. „Die Mitarbeiter legen selbst Hand an, um es für ihren See zu optimieren und zu verbessern“, erzählt der Regisseur, der ein bisschen bedauert, dass der Film nicht rechtzeitig fertig geworden ist, um ihn am Wettbewerb der Dokumentarfilmreihe des Fünf-Seen-Film-Festivals mitlaufen zulassen.

Dafür aber hat er ihn schon in der Werft gezeigt und von den zwanzig Mitarbeitern ein riesiges Lob erhalten. „Das hat mich am meisten gefreut, dass sie nach dem Film so glücklich waren“.

Filmvorführung:

Der Film „Das Jahr, der See und der Kapitän“ wird nur am Donnerstag, 26. Juli, ab 20.30 Uhr im Kino Herrsching gezeigt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Doblingers Nachfolger
Die Kommunalunternehmen Ammersee Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) sowie Wassergewinnung Vierseenland haben ab sofort zwei Chefs: Maximilian Bleimaier und Thomas …
Doblingers Nachfolger
Lange Staus und ein abgerissenes Doppelhaus: Viel los in Starnberg am Mittwoch
Es ist ein harter Tag für Verkehrsteilnehmer in Starnberg. Wegen Markierungsarbeiten gab es auf der Münchner Straße zeitweise nur eine Fahrspur in jede Richtung – die …
Lange Staus und ein abgerissenes Doppelhaus: Viel los in Starnberg am Mittwoch
Schremser fordert Sontheim heraus
Die Feldafinger CSU hat bei ihrer Aufstellungsversammlung Matthias Schremser als Bürgermeisterkandidat vorgestellt. Auf der Liste sind außerdem überdurchschnittlich …
Schremser fordert Sontheim heraus
Vergabe-Panne am Wiesengrund: Entschädigung für Familie?
Nachdem eine Familie beim Vergabeverfahren der 51 Baugrundstücke am Wiesengrund fälschlicherweise zu schlecht bewertet wurde, sucht die Stadt nun nach Lösungen. Viele …
Vergabe-Panne am Wiesengrund: Entschädigung für Familie?

Kommentare