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BDM-Kreisvorstand: Michael Friedinger, Georg Diethelm, Karin Ansorge, Nikolaus Friesenegger, Fritz Geiger, Peter Gstattenbauer, Albrecht Hermann, Franz Leitner, Hubert Sontheim und Josef Kaspar (v.l.).

Landwirtschaft

Milchbauern in der großen Krise

Die Zahl der Milchbauern schrumpft. In den vergangenen zehn Jahren im Landkreis Starnberg um ein Drittel. 

Hochstadt– Vor vier Jahren hatten in Drößling noch vier Bauern Milchkühe im Stall – mittlerweile haben alle diesen Job an den Nagel gehängt. 1979 gab es in Gilching laut BBV-Kreisobmann Georg Zankl 27 Milchlieferanten: „Heute sind es noch zwei.“ Dieser besorgniserregende Trend setzt sich fort: 2016 haben landkreisweit 13 Milchbauern aufgegeben, in den vergangenen zehn Jahren wurde ein Drittel der Betriebe geschlossen, sagte Michael Friedinger am Montag vor rund 40 Zuhörern in Hochstadt. Das Warum erklärt der Kreisvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) bei der Jahresversammlung: „Seit den 1980er Jahren ist der Milchpreis gleichgeblieben, die Kosten sind aber weiter gestiegen.“

Hart trifft es Kleinbetriebe mit weniger als 45 Kühen, deren Erlös aufgrund der begrenzten Milchmenge entsprechend niedrig ist. Kommt das heiß diskutierte Verbot der Anbindehaltung, (Milchkühe ist im Stall angekettet), sieht es noch düsterer aus, prognostiziert Dr. Stefan Gabler. Dazu zitiert der neue Leiter des Landwirtschaftsamts das Ergebnis einer Umfrage in Miesbach: 50 Prozent der befragten Milchbauern gaben an, bei einem Anbindeverbot aufhören zu müssen – und ein Viertel der verbleibenden 50 Prozent wissen es noch nicht. Denn ein Verbot bedeutet, dass bestehende Ställel zu Laufställen umgebaut oder sogar neu gebaut werden müssen. Das stellt viele Bauern vor die Entscheidung: entweder investieren oder aufgeben.

Bei einem aktuellen Milchpreis von 30 Cent rentiere sich die etwa sechsstellige Investition in einen neuen Stall für den Kleinbetrieb selten, sagte Friedinger. Der günstige Preis des an der Börse gehandelten Produktes Milch führe langfristig dazu, dass nur die Großen überleben. Friedinger selbst stellte 1994 auf Bio um und baut aktuell einen neuen Stall. „Der Bua mag weitermachn“, sagte er und ergänzte: „Er kriegt einen schönen, neuen Stall, aber auch einen Haufen Schulden.“

Der BDM kämpfe für die Existenz der kleinen Betriebe – unter anderem mit der Forderung für eine geringere Fördermenge, die den Preis über das Angebot steuert. Erfahrungsgemäß wirke sich schon eine ein bis zwei Prozent niedrigere Milchmenge positiv auf den Preis aus, deutete der BDM-Vorsitzende an. Im Oktober setzten die BDM-Mitglieder ein Zeichen und fuhren im Rahmen einer Demonstration auf die Parkplätze der Einzelhändler. Friedinger selbst schaffte es vor den Starnberger Lidl-Markt. „Die haben uns gleich vertrieben“, berichtet er. Ein kleiner Erfolg, denn viele andere kamen gar nicht erst auf die Parkplatzflächen der Einzelhändler.

Der Mitgliederstand des Starnberger BDM ging von 67 auf aktuell 58 zurück. 29 von ihnen wählten einstimmig Vorsitzende und Beisitzer: 1. Vorsitzender Michael Friedinger, seine Stellvertreter sind Georg Diethelm und Josef Kaspar, der auch zum Landesdelegierten bestellt wurde. Beisitzer sind Karin Ansorge, Nikolaus Friesenegger, Fritz Geiger, Peter Gstattenbauer, Hermann Albrecht, Franz Leitner, Hubert Sontheim und Klaus Heiß.

Michéle Kirner

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