Jetzt erst recht

Andechs - Die Molkerei Scheitz hoffte auf einen Konsens, doch das Kloster Andechs will davon nichts wissen. Im Gezerre um die Traditionswerbung "Andechs" ging der Streit vorm Landgericht in die nächste Runde.

Es hatte so ausgesehen, als ob vielleicht endlich Frieden zwischen dem Kloster Andechs und der Molkerei Scheitz einkehren würde. Doch daraus wird nichts. Die beiden Streithähne sind endgültig über Kreuz. Bei einem Prozess gestern vor dem Landgericht München I wurde deutlich, dass die Marken-Streitigkeiten nicht vorbei sind, sondern erst richtig losgehen. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“, sagte der Kloster-Anwalt.

Zuletzt hatten sich die Parteien im Dezember vor dem Oberlandesgericht getroffen, wo Scheitz gegen eine Frischkäsezubereitung der Mönche klagte - das Gericht regte einen Vergleich an. Nach dieser Verhandlung habe er einen Entwurf für einen Vergleich diktiert, sagte der Anwalt von Scheitz, Siegfried Jackermeier. Doch dann habe er ein Schreiben des Abts erhalten, das den Anwalt offensichtlich ziemlich erbost hat - der Brief wurde jedoch nicht in öffentlicher Verhandlung verlesen. „Wir nahmen die Klage zurück, um die Tür nicht zuzuschlagen“, betonte Jackermeier. Sie hätten sich sehr bemüht. Ob es zu einem Vergleich komme, wisse er nicht. „Wir werden uns in fünf Jahren beim Bundesgerichtshof wiedersehen.“

Diese Prognose dürfte nicht allzu falsch sein. Der Anwalt des Klosters, Gert Würtenberger, ärgerte sich, dass das Kloster als „böser Bube“ dargestellt werde. Es gebe schon seit 2005 Zusagen der Gegenseite, die immer noch nicht eingehalten worden seien. Scheitz sei „die Nutznießerin des Klosters“. Besonders ärgerte er sich, dass Scheitz mit weiteren Verfahren gedroht habe. Würtenberger zog einen Schlussstrich: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“ Das Kloster wolle endlich Klarheit: „Was kann ich? Was muss ich?“

Konkret ging es gestern um eine Klage der Andechser Klostergaststätten gegen die Molkerei Scheitz auf Unterlassung. So dürfe das R im Kreis, das für „als Marke registriert“ steht, nicht zwischen „Andechser“ und „Natur“ stehen, sondern nur hinter der ganzen Wort-Bild-Marke. Außerdem dürfe Scheitz nicht mit dem Fähnchen „seit 1908“ werben, weil die Molkerei erst seit 1980 in der jetzigen Form existiere.

Die Vorsitzende Richterin sah bei diesem Verfahren noch ein ganz anderes Problem: Es gehe vor allem darum, ob die Klostergaststätten und die Molkerei überhaupt Wettbewerber seien. Eine Gaststätte sei eigentlich keine Konkurrenz zu einer Molkerei. Sollte dem so sein, gibt es keine Ansprüche aus Wettbewerbsrecht. Die Entscheidung fällt am 14. Februar.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Doblingers Nachfolger
Die Kommunalunternehmen Ammersee Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) sowie Wassergewinnung Vierseenland haben ab sofort zwei Chefs: Maximilian Bleimaier und Thomas …
Doblingers Nachfolger
Lange Staus und ein abgerissenes Doppelhaus: Viel los in Starnberg am Mittwoch
Es ist ein harter Tag für Verkehrsteilnehmer in Starnberg. Wegen Markierungsarbeiten gab es auf der Münchner Straße zeitweise nur eine Fahrspur in jede Richtung – die …
Lange Staus und ein abgerissenes Doppelhaus: Viel los in Starnberg am Mittwoch
Schremser fordert Sontheim heraus
Die Feldafinger CSU hat bei ihrer Aufstellungsversammlung Matthias Schremser als Bürgermeisterkandidat vorgestellt. Auf der Liste sind außerdem überdurchschnittlich …
Schremser fordert Sontheim heraus
Vergabe-Panne am Wiesengrund: Entschädigung für Familie?
Nachdem eine Familie beim Vergabeverfahren der 51 Baugrundstücke am Wiesengrund fälschlicherweise zu schlecht bewertet wurde, sucht die Stadt nun nach Lösungen. Viele …
Vergabe-Panne am Wiesengrund: Entschädigung für Familie?

Kommentare