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Das Rehkitz vor dem Tod bewahrt: Der Ingenieur Martin Thoma hat ein Gerät entwickelt, das die Rehkitze von den Wiesen verscheucht, bevor sie gemäht werden. 

Landwirtschaft 

Kampf dem Mähtod

Zurzeit werden die Wiesen gemäht. Vielen Rehkitzen und anderen Tieren droht dabei ein grausiger Tod. Es gibt unterschiedliche Wege, sie zu retten – aber auch Diskussionen über die geeigneten Methoden.

Tutzing – Seit ein paar Tagen ist auf der Ilkahöhe nachts immer wieder mal ein lauter Pfeifton zu hören. Zwischendurch gibt es blinkende, blaue Lichtsignale. Der Grund: ein „Rehkitz-Retter“. Das Gerät soll die Bambis und andere Tiere verscheuchen, bevor sie von einem Mähdrescher erwischt und grausam getötet werden.

Die Gefahr ist brandaktuell: Zurzeit werden die Wiesen gemäht. In Tutzing geht die Initiative vom dortigen Tierschutzverein aus. Er hat das von dem Penzberger Martin Thoma entwickelte Gerät für etwa 100 Euro gekauft. Gutsverwalter Frank Nölting war von der Idee sofort angetan, ebenso der Landwirt Nikolaus Friesenegger aus Unterzeismering, der Wiesen auf der Ilkahöhe mäht. So ziemlich alle Beteiligten scheinen sich einig zu sein, dass gegen den grausigen Mähtod mehr getan werden müsste. Es gibt auch einfachere Methoden, etwa vor dem Mähen die Wiesen absuchen oder Scheuchen mit Flattergeräuschen aufstellen. Was am besten hilft, ist jedoch umstritten. Thoma bietet seine Kitz-Retter seit Jahren an.

Hartwig Görtler, der Vorsitzende des Kreisjagdverbands, setzt in seinem Revier selbst schon länger acht der Geräte ein. Das Engagement der Tierschutzvereine auf vielen Gebieten schätzt er, doch die Rehkitz-Rettung hält er eher für eine Aufgabe von Landwirten und Jägern. In seinem Revier haben sie sich die Kosten der Kitz-Retter geteilt. In zehn bis 15 der 65 Jagdreviere im Landkreis Starnberg, sagt der Kreisvorsitzende, seien ihm solche Kooperationen bekannt.

Für mehr derartige Zusammenarbeit plädiert auch Georg Zankl, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands: „Da wäre schon Nachholbedarf.“ Der Verband hat dieser Tage sogar öffentlich zur Vorsicht bei der Mahd aufgerufen. Verbandssprecher Markus Peters hat die Mähmaschine einmal als den größten Feind der Rehkitze neben dem Fuchs bezeichnet.

Für Peters ist der Landkreis Starnberg aber ohnehin „eine Hochburg der Kitz-Rettung“. Viel zu diesem Ruf beigetragen hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Schon vor 20 Jahren ist im DLR-Institut für Methodik der Fernerkundung mit Unterstützung des Staates und des Landesjagdverbands ein tragbarer „Wildretter“ mit Infrarotsensoren entwickelt worden, den das Unternehmen ISA in Weiden (Oberpfalz) herstellt. Mittlerweile wird die Technologie für kleine Fluggeräte (Drohnen) weiterentwickelt. Auf diese Weise könnten die Kitze gut gefunden werden, sagt der zuständige DLR-Abteilungsleiter Dr. Peter Haschberger. Aber auch da gibt es Bedenken. Wegen der Temperaturunterschiede sei diese Methode nur bedingt einsetzbar, sagt Thoma.

„Alles, was getan wird, ist besser als nichts“, sagt Thoma. Der gelernte Ingenieur hat mittlerweile nach eigenen Worten im In- und Ausland bereits fast 9000 seiner Rehkitz-Retter verkauft. Unterdessen liebäugelt der Tutzinger Tierschutzverein nach Angaben der stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Christine Feldhütter-Radwanski damit, weitere Geräte anzuschaffen und zu verleihen.

Lorenz Goslich

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