Kein weiterer Einzelhandel am Ortstrand

Herrsching - An der Gewerbestraße in Herrsching ist Einzelhandel nur an einer Seite erlaubt. Eine Entscheidung von 1978, an der nicht gerüttelt werden soll. Weiterer Einzelhandel würde die Geschäfte im Ort schwächen.

„Zwei Seelen schlagen in meiner Brust.“ Mit diesem Satz machte SPD-Gemeinderat Wolfgang Schneider am Montag im Herrschinger Bauausschuss deutlich, was die meisten seiner Kollegen wohl dachten. Zu entscheiden war über eine Nutzungsänderung für das Herrschinger Autohauses an der Gewerbestraße/Ecke Arzbergerstraße. Den Eigentümer droht eine Zwangsversteigerung, wenn sie die Immobilie nicht verkaufen können. Das Problem allerdings ist, dass auf dieser Seite der Gewerbestraße, östlich, ausschließlich Produktions- und Handwerksbetriebe zugelassen sind, um den Einzelhandel im Ort zu stärken. Am Kauf interessiert seien aber nur Einzelhändler, beziehungsweise „kein direkt produzierendes Gewerbe“, so die Eigentümer.

So groß das Verständnis für die Eigentümer war, so wenig wollte die Mehrheit im Bauausschuss von der bereits 1978 gefassten Entscheidung abrücken, auf dieser Seite der Gewerbestraße nun auch Einzelhandel zuzulassen. Alles andere sei ungerecht denen gegenüber, deren vergleichbare Anfragen in der Vergangenheit abgelehnt worden waren, meinte etwa Klaus Pittrich (CSU). „Das wäre schwer zu vermitteln.“ Schon der Einzelhandel auf nur einer Seite sei eine „Fehlplanung“, meinte sogar Christiane Gruber (BGH). „Das nimmt den Geschäften im Ort die Kunden weg, und den Einzelhandel dort sollten wir stärken.“

Schneider stellte dem grundsätzlich nichts entgegen, jedoch „gibt es mir zu denken, dass es schon seit Jahren keine Interessenten mehr aus dem produzierenden Gewerbe gibt“. Und Johannes Puntsch (FDP) glaubt, dass Herrsching ohnehin kein attraktiver Gewerbestandort mehr bleibe. „Dafür gibt es genug andere Möglichkeiten in näherer Umgebung.“ Auch er überlegte laut, ob es nicht Sinn mache, die 29 Jahre alte Regelung aufzuheben.

Bürgermeister Christian Schiller war nicht ganz so pessimistisch. Er stehe in Kontakt mit einem Gebietsentwickler, der sehr wohl Interessenten aus dem produzierenden Gewerbe an der Hand habe. Wichtiger war ihm jedoch: „Wollen wir politisch den Ort schwächen?“ Leise rechnete er vor, wie wenig der Einzelhandel zum Gewerbesteueraufkommen beitrage. Die Nutzungsänderung wurde schließlich gegen zwei Stimmen abgelehnt.

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