Baumfällen kann ja jeder, aber Schnitzen mit der Kettensäge, das will geübt sein. Johannes Unland kann es. Foto: Jaksch

Kettensägenkunst

Vergängliche Kunstwerke im Wald

Zu Besuch bei Kettensägenkünstler Johannes Unland im Wald bei Buchendorf.

Buchendorf – Holzspäne fliegen durch die Luft und die Motorsäge erwacht knatternd zum Leben, als Johannes Unland sie am Stamm ansetzt. Sein Gesicht ist hinter dem Helmgitter zum Schutz vor Spänen verborgen, sein ganzer Körper in Schnittschutzkleidung gehüllt. Aber der 49-jährige Murnauer kann nicht nur Bäume fällen. Sondern er kreiert mit seiner Motorsäge auch Kunstwerke aus den Stämmen. Seit 30 Jahren schnitzt er, wo immer er gerade ist, Formen, Tiere, Blumen und Pilze aus Baumstümpfen. Wie jetzt im Wald bei Buchendorf.

Seit sieben Jahren ist der gelernte Forstwirt stolzer Chef einer Sägenschule und lehrt in einwöchigen Motorsägenkursen den richtigen Umgang mit dem gefährlichen Gerät. Samt Prüfung und Zertifikat. Das verlangt die Berufsgenossenschaft, wenn man gewerblich mit der motorisierten Säge arbeitet, zum Beispiel als Bauhof-Mitarbeiter.

Das Schnitzen sei ein „Spaß nebenbei“, wie Unland es beschreibt. „Wenn ich Zeit und Lust habe und die Muse mich gerade geküsst hat, schnitze ich“, sagt er schmunzelnd. Im Schnitt eine halbe Stunde brauche er für die Fertigstellung einer Skulptur, wobei er am liebsten abstrakte Formen entstehen lässt; Kurven, Kugeln oder Schnörkel. „Bei gegenständlichen Figuren ist die Grenze von schön zu kitschig fließend“, gibt er zu bedenken. Er wolle nicht den „hunderttausendsten Bär oder Adler“ erschaffen.

Verarbeitet wird, was vor das Kettenblatt kommt

Sein bestes Stück sei nichts desto trotz ein Tier. Für einen befreundeten Rinderzüchter hat er vor zwei Jahren auf dessen Bitte einen Ochsenkopf geschnitzt. „Man hat das Gefühl, der schaut einen an. Wie ein lebendiges Tier“, beschreibt Unland sein Meisterwerk.

Das Holz, das er mit der Motorsäge bearbeitet, variiert. Obstholz, Akazie, Eiche. Aber die meisten seiner Schöpfungen bestehen aus Fichte. „Nach zwei bis drei Jahren ist alles verrottet“, sagt Unland voraus. Denn er lässt seine Kunstwerke bei Wind und Wetter im Wald stehen, so wie er sie aus den Stümpfen gefräst hat. Der Grund liegt für ihn auf der Hand: „Spaziergänger, vor allem Kinder, freuen sich drüber“, erzählt er stolz. So wie im Wald bei Buchendorf, wo Passanten seine Kunstwerke sogar dekoriert haben. Daran, seine Kunst zu verkaufen, denkt er nicht. „Es soll eine Freizeitbeschäftigung bleiben, ganz ohne Druck“. Denn „Freude ist eine viel bessere Wertschätzung als Bezahlung“, erklärt der Forstwirt.

Neben seinen Motorsägenkursen bietet er zusammen mit seiner Frau, die als Coach arbeitet, auch Schnitzkurse an. „Die Leute kommen in einen Flow. Und dann ist der Rest der Welt weg“, beschreibt er ihre Erfolge. Es kommen sogar Firmen zur Teambildung zu den Unlands. Wenn er selbst schnitzt, wisse er vorher nie, was rauskommt. „Ich fange einfach an.“ Und manchmal dürfen sich auch seine Motorsägenschüler an Schnitzereien versuchen, unter dem wachsamen Blick des Meisters. „Da bekommt man ein Gefühl für die Säge. Man muss nah hingehen und verliert so seine Angst“, weiß Johannes Unland. Von Lena Grögor

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