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Erleichtert und zufrieden: Kino-Bauherr und Betreiber Matthias Helwig (l.) sowie seine gastronomischen Partner Katharina Wrase und Ralph Mansour-Agather, die das Restaurant Abacus im Gautinger „Breitwand“ betreiben.

Kino Breitwand in Gauting

Filmtheater-Palast der Vielfalt

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Gauting - Gauting hat wieder ein Kino. Kein 08/15-Kino, eher schon einen modernen Filmtheaterpalast – mit fünf Sälen, fast 400 Sitzplätzen und mindestens 6000 Vorstellungen im Jahr. Gestern war Eröffnung mit geladenen Gästen. Heute ist Start fürs Publikum.

Am Ende der Pressekonferenz wirkte der „Kino-Intendant“, so nennt Matthias Helwig seinen Beruf gerne, sichtlich erleichtert. Von einem großen Teil des Frustes, den er sich als Bauherr des neuen Kino Breitwand in Gauting in den zweieinhalb Jahren der Planung und der Bauphase angefressen hatte („,wer baut, bezahlt mit einem Jahr seines Lebens“), konnte er sich offensichtlich freireden. Schließlich hat sich der Kinobetreiber endlich einen Lebenstraum erfüllt – den Traum vom eigenen Kino. Der Gilchinger ist auch Inhaber der Breitwand-Kinos in Starnberg und Seefeld. Allerdings in gemieteten Räumen. „Mieten kann gefährlich sein“, hat Helwig erfahren. Das Haus, in dem sich sein Starnberger Filmtheater befindet, soll, wie berichtet, verkauft werden. Die Zukunft ist also ungewiss.

Aber jetzt zählt ausschließlich das Heute. Das „Highlight“ seines Lebens, das eigene Kino, bezeichnet Helwig selbst als einen Husarenritt. „Man muss einen Termin setzen“, und das hat Helwig getan mit dem Eröffnungstermin. „Auf den letzten Drücker sind wir dann doch noch fertig geworden.“ Soll heißen: Die Genehmigung der Behörden für die Eröffnung des Gautinger Kino Breitwand kam erst gestern Vormittag. Was war der Grund? „Schreiben Sie, es lag am Brandschutz“, wehrt Helwig eine tiefergehende Antwort ab.

Überhaupt will er an diesem Tag die negativen Aspekte der zweieinhalbjährigen Planungs- und Bauphase hinter sich lassen. Er erwähnt lediglich die Kontaminierung des Baugrundes, die nicht bekannt gewesen war und den Baubeginn um gut ein halbes Jahr verzögert hat. Die Kosten für die Beseitigung der verseuchten Erde hat die Gemeinde übernommen, „dankenswerter Weise“, sagt Helwig. Aber Zeit kostet auch Geld. Insgesamt haben sich die Baukosten um 50 Prozent, von zwei auf drei Millionen Euro erhöht. Dass die kreditgebende Kreissparkasse das nahezu lautlos hingenommen habe, dafür ist Helwig ebenfalls dankbar. Als Sicherheit habe er, und das verschweigt er nicht, ein im Familienbesitz befindliches Haus veräußert.

Und dankbar ist der Kinobetreiber ein drittes Mal – dieses Mal an die Adresse von Ex-Bürgermeisterin Brigitte Servatius. Die hat quasi mit der letzten Unterschrift am letzten Tag ihrer Amtszeit die Stellplatzfrage für das neue Kino entschieden. Die Besucher dürfen den nahe gelegenen Park-&-ride-Platz nutzen. Andernfalls hätte Helwig eine Tiefgarage bauen müssen. Was das für die Verwirklichung des Kinos bedeutet hätte, lässt der Betreiber offen.

Neues Kino in Gauting: Bilder

Und jetzt? Helwig lächelt, als er sagt: „Das ist wie ein Sprung ins kalte Wasser. Wie wird das neue Kino in Gauting angenommen, von den Gautingern und den Filmfreunden aus der Umgebung? Ich stehe wie vor einer diffusen Nebelwand in den Bergen.“ Dabei sind die Voraussetzungen durchaus ansprechend. Das Umfeld passt. Im Würmtal gibt es nur noch in Gräfelfing ein Kino. Auch den Münchner Westen sieht Helwig als Einzugsbereich.

Sein Konzept: Vielfalt. Die beweist er nicht nur mit insgesamt fünf Vorführungssälen, vier 68, 72, 87 und 137 Plätze groß (alle 3-D-geeignet) und ein als Lounge konzipierter kleiner Saal (nach dem Konzept des Breitwand im Schloss Seefeld). Der verfügt über eine Bar und kann für geschlossene Veranstaltungen samt Catering gemietet werden. Fünf Säle – das bedeutet zehn Filme täglich unter der Woche und am Sonntag sogar 20.

Vielfalt wird auch bei der Programmgestaltung eine Rolle spielen, das schuldet der Kinobetreiber der Konkurrenz aus dem Internet. Dass Gauting eine familienstarke Gemeinde mit einem hohen Anteil an Bildungsbürgertum ist, wird er berücksichtigen. Helwigs Spezialität ist das Programm-Kino, dafür hat er schon viele nationale Preise eingeheimst. Er plant Filmreihen für Kinder und Jugendliche sowie für Senioren, der monatliche Wunschfilm in Zusammenarbeit mit dem Starnberger Merkur wird auch in Gauting zu sehen sein. Und weil das Starnberger Kino mit zwei Sälen zu klein ist, werden Filme mit bundesweitem Start, wie ab heute „Inferno“ mit Tom Hanks, in Gauting laufen (Eintritt: 9.50 Euro).

Von dieser Vielfalt können sich die Gautinger und andere Filmfreunde am Samstag, 15. Oktober, 10 bis 15 Uhr, ein Bild machen – am Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt.

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