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Kritischer Blick: Während sich Richter Johann Oswald (vo.) mit seinem Stab am Gilchinger Aldi einen Eindruck verschaffte, wartete Bürgermeister Manfred Walter (hi. Mitte) auf die Meinung des Gerichts.

Discounter will umbauen

1:0 für Kläger Aldi

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Gilching - Im Rechtsstreit mit der Gemeinde Gilching ist Kläger Aldi-Süd 1:0 in Führung gegangen. Der Discounter wird wohl umbauen dürfen.

So oft kommt das auch nicht vor: Ein Münchner Richter inspiziert zwischen Rotweinflaschen und spanischen Tomaten einen Aldimarkt. Passiert ist das gestern in Gilching. Der Discounter in der Dornierstraße 2b möchte gerne Lager- in Verkaufsfläche umwandeln (wir berichteten). Die Gemeinde ist dagegen, Aldi klagt. Also schaute zum so genannten „Augenschein“ am Donnerstagnachmittag die 11. Kammer des Verwaltungsgerichts vorbei, um sich vor Ort ein Bild zu machen. 

„Der Fehler war, dass das Landratsamt damals die Erweiterung des benachbarten Müller-Drogeriemarktes genehmigt hatte. Wir waren dagegen, weil es gegen den geltenden Bebauungsplan spricht und jetzt eben Begehrlichkeiten bei Aldi weckt“, erklärt Gilchings Bürgermeister Manfred Walter. Plötzlich sei Tür und Tor geöffnet. Die Gemeinde hatte damals das Ansinnen des Grundstückseigentümers Müller (Aldi ist nur Mieter) abgelehnt und wurde vom Landratsamt als Genehmigungsbehörde sozusagen überstimmt. Walter: „Und das fällt uns jetzt vor die Füße.“ 

Was will Aldi Süd überhaupt? „Es soll lediglich die Rigipswand im hinteren Bereich herausgerissen werden“, erklärt Prokurist Michael Klöter. Das hat zur Folge, dass sich die Ladenfläche von derzeit 903 auf rund 1035 m² vergrößert. Klöter: „Das Sortiment wird sich deswegen nicht verändern, und ich glaube nicht, dass wegen dieser kleinen Maßnahme viel mehr Kunden kommen werden.“ Ohnehin laufe der direkt an der Autobahn gelegene Markt „ordentlich“. Dass das Landratsamt seinerzeit grünes Licht für die Müller-Erweiterung gegeben hatte, hebelte laut Walter mehr oder weniger den Bebauungsplan aus. Und so empfindet es – nach seinem Spaziergang zwischen Regalen und Autos – auch Richter Johann Oswald: „Wir sehen es wie der Kläger und würden das Grundstück nach Paragraf 34 beurteilen.“ Demnach wäre die nun zu beurteilende Erweiterung im Außenbereich und „würde das Zentrum nicht beeinflussen. Daher sehen wir das Vorhaben als genehmigungsfähig“. Für Bürgermeister Manfred Walter keine große Überraschung, denn die Gemeinde habe diese Entscheidung erwartet. 

Stellt sich nur die Frage nach der Zahl der Stellplätze, denn genau in dieser Angelegenheit müsste bei einer Aldi-Erweiterung zusätzlich Parkraum geschaffen werden. Bis geklärt ist wie viele Parkplätze, die vor allem für Personal hinter dem Müller/Toom-Gebäude errichtet werden sollen, tatsächlich nötig sind (zwischen sieben und 22), wird das Verfahren ruhen. Darin waren sich gestern alle beteiligten Parteien einig. Ein Tekturantrag sei bereits in Arbeit und müsse noch eingereicht werden. Liegt dieser vor, wird die Kammer das Verfahren ohne weitere mündliche Verhandlung fortsetzen. Eine Tendenz hat sie jedenfalls gestern klar erkennen lassen; den Augenschein hat Kläger Aldi Süd jedenfalls gewonnen und ist im Rechtsstreit gegen den Freistaat mit 1:0 in Führung gegangen.

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