Dr. Thomas Weiler ist auch Chef des Penzberger Krankenhauses.   Foto: svj

Klinik-Übernahme: Kürzere Wege für Patienten

Starnberg - Die Kreistage von Weilheim-Schongau und Starnberg haben der Übernahme des Penzberger Krankenhauses durch das Klinikum Starnberg zum 1. Januar 2012 zugestimmt. Jetzt geht es um die Feinabstimmung des Vertrages.

Der Starnberger Merkur hat mit dem Geschäftsführer des Starnberger Klinikums, Dr. Thomas Weiler, der jetzt schon die Geschäfte auch in Penzberg führt, über das weitere Prozedere bis zur tatsächlichen Übernahme der Trägerschaft gesprochen.

Herr Dr. Weiler, wie sehen jetzt Zeitplan und Organisationsschritte aus?

„Im Moment setzen wir den für Penzberg geschlossenen Betriebsführungsvertrag um, der Rest ist schwer absehbar. Der größere Teil der Arbeit ist in der Krankenhaus GmbH Landkreis Weilheim-Schongau zu leisten, denn das Penzberger Haus muss aus dem Verbund der diesem Landkreis gehörenden Kliniken herausgelöst und zu einem verkaufsfähigen Unternehmen umgebildet werden. Dann beginnt die Prüfung, ob dies das Starnberger Klinikum übernehmen kann. Dabei bleibt das Grundstück bei der Stadt Penzberg, das generalsanierte Gebäude wird in die neue GmbH eingebracht. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden wir die Gesamtverantwortung für das Penzberger Krankenhaus gern übernehmen. Durch den bereits mit Penzberg geschlossenen Betriebsführungsvertrag können wir jetzt schon auf das Ziel hinarbeiten, mehr Leben in das Haus zu bringen, also die Auslastung zu verbessern, Abläufe zu straffen und Schritt für Schritt das umzusetzen, was in Starnberg bereits erfolgreich passiert ist.“

Welcher Zustand ist Voraussetzung für die Übernahme des Penzberger Hauses und welchen streben Sie danach an?

„Wir werden keine Vergangenheitsbewältigung betreiben, übernehmen also keine Verbindlichkeiten aus den vergangenen Jahren und dem laufenden Betrieb. Das Penzberger Krankenhaus ist auf sehr, sehr hohem Niveau generalsaniert, was den Bettentrakt angeht, aber die Operationssäle wurden ausgespart. Dort und bei anderen Funktionsbereichen werden wir investieren müssen. Ansonsten bleibt es beim bestehenden Spektrum aus Chirurgie und Innerer Medizin, der Belegabteilung Gynäkologie und Hals-Nasen-Ohren. Ob man dem starken politischen Wunsch nach Wiedereröffnung der Geburtshilfe nachgibt, kann man erst sagen, wenn man weiß, ob das darstellbar ist.“

Warum ist Penzberg für Starnberg wichtig?

„Wir stoßen im Starnberger Klinikum an unsere Kapazitätsgrenzen. Unser Einzugsgebiet hat sich nach Süden vergrößert, geht bereits bis nach Mittenwald. Das betrifft in erster Linie Spezialangebote wie Schilddrüsen- oder Beckenbodenoperationen. Wenn wir nun in Penzberg die gleiche Versorgungsqualität anbieten können wie in Starnberg, dann kann man den Patienten Wege ersparen. Gleichzeitig werden in Starnberg wieder Kapazitäten frei. Unsere Chefärzte scheuen das tageweise Fahren nach Penzberg nicht. Ob wir nach der Übernahme des Penzberger Krankenhauses unser Gesamtportfolio noch ergänzen, werden wir erst später entscheiden.“

Entwickelt sich das Klinikum Starnberg weiter so positiv wie in der jüngsten Vergangenheit?

„Eine sichere Prognose zu geben, ist schwierig. Fakt ist: Die Fallzahlen steigen weiter. Im vergangenen Jahr lagen wir deutlich über 17 000. Das erste Vierteljahr 2011 lässt eher noch größere Steigerungen erwarten. Die Wettbewerbssituation verschärft sich nicht nur unter den Kliniken im Landkreis, sondern das geht längst darüber hinaus. Es ist spürbar, dass sich unser Einzugsgebiet auch nach Wolfratshausen und Landsberg am Lech ausdehnt. Wir ersetzen gerade Operationssäle durch Neubau und haben 33 Stellen in allen Berufsgruppen und Bereichen neu geschaffen. Diese Maßnahmen sollen aber nicht auf noch mehr Leistung abzielen, sondern Arbeitsbedingungen des Personals und Abläufe optimieren. Auf dem Markt sind wir als sehr, sehr guter Leistungserbringer erkannt. Der wirkliche Wettbewerb der Zukunft wird sich auf dem Gebiet der Mitarbeiterrekrutierung abspielen. Man braucht attraktive Arbeitsplätze, um dabei bestehen zu können. Ich möchte einmal deutlich sagen: Unsere Starnberger Mitarbeiter leisten wahnsinnig viel. Wir werden das Augenmerk auf ihr Wohl nicht schmälern, wenn wir Penzberg voranbringen.“

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