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Mitarbeiter und Chef sind glücklich: Konstantin und der Leiter des Patientenservices Kai Lepper.

Inklusion am Arbeitsplatz

"Wir haben ihn ins Herz geschlossen"

Starnberg - Er ist seit Geburt an den Rollstuhl gefesselt und ein Beispiel für erfolgreiche Inklusion am Arbeitsplatz. Der 23-jährige Konstantin hat am Klinikum Starnberg einen festen Arbeitsplatz bekommen.

Die Bundesagentur hatte im Dezember zum fünften Mal deutschlandweit die Woche der Menschen mit Behinderung ausgerufen. Michael Schankweiler, Leiter der auch für den Landkreis Starnberg zuständigen Agentur für Arbeit in Weilheim: „Es freut mich sehr, dass wir einige tolle Fälle haben, wie Teilhabe am Arbeitsleben – also Inklusion – gelingen kann.“ Als Beispiel führt Schankweiler das Klinikum Starnberg an, das nach einem Langzeitpraktikum den 23-jährigen Konstantin ins Angestelltenverhältnis übernommen hat. Der junge Mann ist seit seiner Geburt wegen einer schweren körperlichen Behinderung an den Rollstuhl gefesselt. Mit Unterstützung der Agentur für Arbeit ist für Konstantin ein Traum wahr geworden, eine feste Arbeitsstelle in einem netten Team zu finden, das ihn so annimmt, wie er ist.

649 Menschen mit Schwerbehinderung waren Ende November im Agenturbezirk Weilheim arbeitslos gemeldet. 10,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein Erfolg für die Beratungsfachkräfte im Team für Berufliche Rehabilitation und Vermittlung von Menschen mit Schwerbehinderung. Konstantin ist ein Beispiel einer gelungenen Integration und soll anderen Menschen mit einer Schwerbehinderung Mut machen, nicht aufzugeben, an sich und die Chance einer Arbeitsstelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu glauben. Anderen Firmen soll das Beispiel aufzeigen, dass auch Personen mit Handicaps gute Mitarbeiter sein können.

Kai Lepper, er leitet den Patientenservice im Klinikum Starnberg, möchte Koni, wie Konstantin von allen im Kreiskrankenhaus genannt wird, nicht mehr hergeben. „Er ist eine richtige Bereicherung für uns alle. Seine Frohnatur, sein Humor, seine Motivation sind bewundernswert, er sorgt schon morgens bei seiner Ankunft für gute Laune im Team“, berichtet der Vorgesetzte.

Konstantin kam während einer Rehabilitationsmaßnahme beim Berufsförderungswerk München zu dem Praktikum am Klinikum in Starnberg. Das hatten ihm die Fachberater der Arbeitsagentur Fredericke Luther und Charlotte Markl vermittelt. Eingesetzt wurde der 23-Jährige im Patientenservice. In diesem Bereich ist Konstantin jetzt auch in Festanstellung für viele verschiedene administrative Aufgaben zuständig. „Ich werte die Feedback-Bögen der Patienten aus, kontrolliere die Geburtenlisten, bearbeite Aufnahme- und Entlassungspapiere oder vernichte Akten“, erzählt der lebensfrohe junge Mann stolz. Auch Botengänge innerhalb des Klinikums und die Kuvertierung und Frankierung der Post gehören zu seinen Aufgabenbereichen.

Innerhalb der Klinik sei Koni mittlerweile sehr bekannt und beliebt für seine mitfühlende und offene Art, sein Engagement. Die Kollegen würden sich stets über seinen Besuch bei den Botengängen freuen, berichtet Kai Lepper weiter.

Für seine feste Arbeitsstelle nimmt Konstantin einiges auf sich. Jeden Tag fährt er mindestens eine Stunde mit Bus, Zug und S-Bahn von seinem Wohnort Seeshaupt nach Starnberg. Wenn der S-Bahn-Aufzug in Tutzing mal wieder nicht funktioniert, was seinen Angaben zu Folge alle zwei bis drei Monate vorkommt, „dann düse ich mit der Bahn weiter nach Pasing, um dort nach dem Umstieg wieder nach Starnberg zurückzufahren“. Doch die Strapazen machen dem großen Fan des FC Bayern München nichts aus: „Ich freue mich riesig, nach dem Praktikum eine feste Stelle hier bekommen zu haben.“

In der vorgeschalteten Rehabilitationsmaßnahme hat Konstantin das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln intensiv trainiert, so dass der junge Rollstuhlfahrer nun selbständig und mit viel mehr Selbstvertrauen alleine den Alltag per Bus und Bahn bewältigen kann. Unterstützung für die Einstellung an seinem Arbeitsplatz erfolgte auch durch den Technischen Beratungsdienst der Agentur für Arbeit, um die Grundvoraussetzungen des Arbeitseinsatzes zu schaffen. Gisela Leyer, technische Beraterin in Weilheim, besichtigte dafür den Arbeitsplatz und besprach mit Kai Lepper und Konstantin die nötigen technischen Hilfen bei einer langfristigen Beschäftigung. So wurden eigens ein elektronisch höhenverstellbarer Schreibtisch und ein Beistelltisch sowie ergonomisch geformte Arbeitsmaterialien angeschafft, um Konstantin die Arbeit zu erleichtern.

Kai Lepper kann aufgrund dieser positiven Erfahrung anderen Arbeitgebern nur zuraten, Menschen mit Behinderung eine Chance im Unternehmen zu geben: „Wir haben von Anfang an versucht, Konstantin als Teil des Teams zu integrieren und ihm auch echte Arbeitsvorgänge zu übertragen, keine Alibi-Aufgaben. Hier sieht er, dass er zum Erfolg unserer Abteilung beiträgt und je mehr er sich zutraut, desto mehr Aufgaben können wir ihm auch weiterhin übertragen“, sagt Lepper.

Konstantin ist nur ein Beispiel, wie durch die enge Zusammenarbeit von Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Agentur für Arbeit Menschen mit Behinderung eine reelle Einsatzmöglichkeit auf dem Arbeitsmarkt haben können. „Die Chancen liegen in sehr unterschiedlichen Bereichen. Es ist wichtig für Arbeitgeber zu wissen, dass eine gesundheitliche Einschränkung – je nach Einsatzgebiet – in den Hintergrund tritt angesichts der fachlichen Leistungen des Bewerbers. Kein Mensch darf auf seine Behinderung reduziert werden“, sagt Michaela Dedner-Zitzmann, Leiterin des Teams für Berufliche Rehabilitation und Vermittlung von Menschen mit Schwerbehinderung.

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