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Die Güterhalle ist Geschichte: Hermann Geiger aus Unterbrunn (r. mit Abrissunternehmer Thomas Miller) sortiert Material für ein Backhäusl aus.

Güterhalle in Gauting

Steinhaufen soll als Backhäusl überdauern

Gauting - Als Güterhalle hatte der Klinkerbau beim Gautinger Bahnhof längst ausgedient. Jetzt wurde das Gebäude abgerissen. In anderer Form sollen Teile des Baumaterials überdauern.

„15 Jahre lang war der Bahnhof meine Heimat“, erzählt die pensionierte Volksschullehrerin Maria Singer. Die heute 87-jährige Tochter des Gautinger Bahnhofsvorstands verbrachte im damaligen Wohngebäude Kindheit und frühe Jugend. Nachts ging es dort laut zu, erinnert sich die Zeitzeugin. Gegen 3. 30 Uhr kam der Güterzug. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch Vieh in der Gautinger Güterhalle ein- und ausgeladen. Weil der Bahnhof Mühlthal keine eigene Güterhalle hatte, brachten die Wittelsbacher ihre evakuierten Tiere aus Ungarn über den Umschlagplatz Gauting nach Leutstetten. Seit dem Wochenende ist nur noch ein Steinhaufen vom Klinkergebäude übrig.

Aus der Ferne schauen zwei ältere Männer am Samstagvormittag bei den Abbrucharbeiten zu. Auf dem abgezäunten Baugelände am vorderen Park & Ride-Platz schiebt die Bagger-Schaufel der von der Gemeinde beauftragten Baufirma Miller die Reste der historischen Güterhalle zu einem Steinhaufen zusammen.

Auch der Unterbrunner Hermann Geiger ist vor Ort. Mit den noch brauchbaren Klinkersteinen der Güterhalle wollen die Unterbrunner ein Backhäusl bauen (wir berichteten). „Da müssen wir ganz vorsichtig sein“, erklärt Geiger. Weil das Backhaus im denkmalgeschützten Unterbrunner Pfarrhof errichtet werden soll, habe Kreisheimatpfleger Gerhard Schober, der gleich gegenüber im historischen Schulhaus wohnt, ein sehr genaues Auge darauf. Der Kreisheimatpfleger sei der Ansicht, dass im weitläufigen Obstgarten des Pfarrhofs gar nichts gebaut werden dürfe. Geiger lagert deshalb das wieder verwendbare Material der Güterhalle erst einmal in seinem Hof ein. Er hofft, Schober dazu bewegen zu können, dass er „a bisserl Ja“ sage. Heimatforscher Geiger ist zuversichtlich, in naher Zukunft das Backhäusl „hinten in der Ecke“ des Pfarrgartens ansiedeln zu können.

Die Gemeinde Gauting hatte den denkmalgeschützten Unterbrunner Pfarrhof noch unter Alt-Bürgermeisterin Brigitte Servatius Anfang 2014 erworben. Die im Kriegsjahr 1905 errichtete Immobilie wurde danach aufwendig restauriert. Heute nutzen katholische Pfarrgemeinde, Vereine und Chöre das Haus unterhalb der Pfarrkirche St. Laurentius. Im mit Holz vertäfelten Trauungszimmer geben sich Hochzeitspaare aus Gauting gern das Ja-Wort.

Die Unterbrunnerin Angelika Göschl, die als kleine Ministrantin in den Pfarrhof kam, hat ihre Liebe zu dem Kleinod nie vergessen: Heute richtet die Verwalterin dort die Sektempfänge bei Hochzeiten aus. Im oberen Stock hat die ehemalige Ausbildungsleiterin von Webasto Seminarräume angemietet. Angelika Göschl bietet ihr Reich auch für Tagungen, Seminare und Workshops an.

Der Gautinger Bauausschuss hat aktuell die neuen Nutzungen im denkmalgeschützten Pfarrhof per Satzung geregelt: Im einmütig beschlossenen Bebauungsplan ist auch das Backhäusl schon eingezeichnet. Demnach kann es in der Südwest-Ecke des Obstgartens errichtet werden. Vor Bodeneingriffen ist allerdings eine denkmalrechtliche Erlaubnis einzuholen. Denn die Denkmalschützer rechnen mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Befunden.

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