Das waren noch Zeiten: Das Foto der Blaskapelle Gilching mit Vorstand Sarah Krinner (7.v.l.) entstand bei einem Probenwochenende im Februar 2020 für das Jahreskonzert im April. Wenig später kam der erste Lockdown, das Konzert fiel ins Wasser. Die Luft geht der Blaskapelle dennoch nicht aus. Dafür sorgen intensive Online-Konferenzen.
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Das waren noch Zeiten: Das Foto der Blaskapelle Gilching mit Vorstand Sarah Krinner (7.v.l.) entstand bei einem Probenwochenende im Februar 2020 für das Jahreskonzert im April. Wenig später kam der erste Lockdown, das Konzert fiel ins Wasser. Die Luft geht der Blaskapelle dennoch nicht aus. Dafür sorgen intensive Online-Konferenzen.

Großes Engagement

Kreativ in der Krise: Blaskapelle Gilching beweist langen Atem

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Das waren noch Zeiten: wöchentlich Konzertproben, Probewochenenden, Auftritte. All das scheint schon lange her. Bei der Blaskapelle Gilching hängen die Köpfe dennoch nicht. Im Gegenteil. Alle sind so engagiert dabei, dass Vorstand Sarah Krinner nun einfach mal Danke gesagt hat.

Gilching – Die Idee kam der 24 Jahre alten Vorstandschefin der Gilchinger Blaskapelle im Garten, im Gespräch mit der Mutter, der sie von der guten Stimmung in der Blaskapelle vorschwärmte. „Meine Mutter war der Meinung, ich könnte mich einfach mal bedanken, dass alle so toll dabei sind.“ Und weil die Archäologie-Studentin eine Frau der Tat ist, setzte sie das gleich um und verschickte eine Mail an die Mitglieder. „Wir, die Vorstandschaft der Blaskapelle Gilching, möchten uns einfach mal bedanken“, schrieb Krinner. „Vor allem bei unseren aktiven und passiven Mitgliedern für ihre Treue, ihr Vertrauen, und die Geduld, die Sie alle bis heute gezeigt haben.“

Doch wie, bitteschön, geht das in Zeiten einer Pandemie, dass ausgerechnet Mitglieder einer Blaskapelle so gut gelaunt sind? „Wir haben irgendwann mal mit Online-Treffen angefangen“, berichtet Krinner. Die monatlich angesetzten Meetings, die für eine Stunde veranschlagt waren, haben quasi Kultstatus entwickelt. „Wir sitzen da nun manchmal vier, fünf Stunden lang bis in die Nacht“, gesteht Krinner und lacht. Es wird geratscht und auch gegessen, und die Ideen sprudeln. Neulich erst war das Jubiläumskonzert ein Thema. Denn im kommenden Jahr feiert die Blaskapelle ihren 40. Geburtstag. „Da kamen so viele gute Vorschläge“, freut sich Krinner. „Es ist fast so, als wären wir enger zusammengewachsen in dieser Zeit.“

Auch die Musik kommt nicht zu kurz. „Natürlich sprechen wir über das Üben. Und einer sagte dann: Ich würde ja, aber alleine ist das blöd.“ Das war für Dirigent Florian Loch eine Steilvorlage. Alle paar Tage gibt es nun per Whatsapp ein Video für die verschiedenen Instrumentengruppen. „Er spielt sie mit Metronom ein, gibt Übungsanleitungen.“ Nun heiße es unter den Mitgliedern wieder immer öfter: „Ich hab keine Zeit, ich muss üben.“ Auch für den Nachwuchs ließ sich Loch etwas einfallen. Er sucht sich Filmmusik aus, die er dann per Video mit den etwa 13 jungen Musikern einstudiert. „Das macht er mit Händen und Füßen“, lacht Krinner, „das hat schon einen sehr hohen Unterhaltungswert, für mich ist das super Entertainment“.

Übungsstunde per Whatsapp: Dirigent Florian Loch verschickt regelmäßig Videos an seine Musikerinnen und Musiker. 

Die Pandemie hat die Blaskapelle bisher kein einziges Mitglied gekostet, im Gegenteil. „Wir haben immer wieder neue Anfragen von Leuten, die ein Instrument spielen und mitmachen wollen“, berichtet Krinner, die gerade ihren Bachelor schreibt und parallel dazu ihr Masterstudium begonnen hat. Nur bei den Jugendlichen hat sie Bedenken, die jetzt auf der Schwelle zwischen Nachwuchs und Erwachsenen stehen. „Aber von vielen spielen die Eltern bei den Erwachsenen, das wird uns helfen, den Übergang zu gestalten.“

Krinner freut sich über die Geduld und das Verständnis im Verein. Aber natürlich sehnten allesamt wie narrisch die ersten Proben, den ersten Auftritt herbei. Weil die drei Germeringer Blaskapellen 2022 ebenfalls Jubiläen zu feiern hätten, gebe es jetzt schon einen Austausch über die Konzertdaten. „Denn wir wollen zu ihnen, und sie zu uns.“

„Das Wiedersehen in unseren monatlichen Onlinetreffs gibt uns allen wieder Mut, positiv und mit all den Ideen baldmöglichst wieder musikalisch zu starten“, heißt es weiter in dem Dankschreiben. „Gemeinsam schauen wir auf die Inzidenzzahlen in der Hoffnung, dass diese bald niedrig genug sind, sodass wir zusammen wieder musizieren dürfen und Menschen wieder zum Tanzen, Freuen und Träumen animieren können.“ Bis dahin sei Vernunft angesagt. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

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