1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Kreisbote

20 Jahre Sanierung des Weßlinger Pfarrstadels

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Pfarrstadel Weßling
Brigitte Weiß und Michael Pimperl vom Verein „Unser Dorf“ erinnern sich an die Zeit, bevor der Pfarrstadel saniert war. © Michèle Kirner

Weßling – Im Pfarrstadel finden kulturelle Veranstaltungen oder Zusammenkünfte der katholischen Kirche statt. Eine Ballettschule nutzt die Räumlichkeiten genauso wie die Musikschule oder die Vereine, die hier ihre Mitgliederversammlungen abhalten. Kurz: Das historische Gebäude ist nicht mehr aus Weßling wegzudenken. Kaum zu glauben, dass es Ende des 20ten Jahrhunderts abgerissen werden sollte. Vor 20 Jahren wurde es dann doch saniert. Bis es so weit war, zogen allerdings einige Jahre ins Land, in denen Michael Pimperl (69) und sein Team von „Unser Dorf“ unermüdlich für den Erhalt kämpften. Gemeinsam mit Archivar Erich Rüba, der in der Sanierung „eine Erfolgsgeschichte für Weßling“ sieht.

Einst fuhren Pferdefuhrwerke durch das Foyer und luden auf dem Heuboden das gemähte Gras ab. Eine Szene, die sich bis 1890 abspielte, als die Pfarrer noch das Land bewirtschafteten oder bewirtschaften ließen. Ab dann jedoch war der Pfarrstadel dem Verfall freigegeben. Michael Pimperl erinnert sich noch genau an den Zustand des Gebäudes in den 90er Jahren. An ein beschädigtes Dach und Bäume, die zwischen alten Beichtstühlen, gestapelten Zeitungen und ausgedienten Brennöfen wuchsen. „Der Garten vom Stadel war total zugewuchert“, erzählt der pensionierte Grundschulleiter. Der Raum, den Jugendliche für sich hergerichtet hatten, war mit Graffiti versprüht und ziemlich heruntergekommen, sagt Pimperl. Damals träumte der 69-Jährige von einem Kulturraum in dem seit 1977 denkmalgeschützten Gebäude und einem angrenzenden Dorfplatz. „Ursprünglich wollte die Diözese Augsburg den Stadel wegreißen und ein Mehrfamilienhaus bauen“, erzählt der Weßlinger .Das allerdings wollten er und einige engagierte Weßlinger nicht einfach so hinnehmen. 1990 gründeten sie schließlich zur Rettung des Hauses den Verein „Unser Dorf“.

Erich Rüba, der heute die Gemeindegalerie leitet, setzte sich damals im Bauausschuss für die Sanierung ein. Und tatsächlich, 1992 gab die Gemeinde 600 000 Mark frei und die Diözese stimmte einer „kalten Sanierung“ ohne Heizung zu – um zwei Jahre später das Angebot aus finanziellen Gründen zurückzuziehen. Das Redaktionsteam von „Unser Dorf“ schrieb einen offenen Brief an den Bischof und teilte das Hin und Her in ein „Drama in drei Akten“ ein, erzählt Pimperl. Wieder wurde diskutiert und wieder ließen sich die Verantwortlichen in der Kirche umstimmen. Zwischenzeitlich entrümpelten die Freiwilligen den 1863 gebauten Stadel und organisierten ein Benefizkonzert, dessen Erlös in die Sanierung fließen sollte. Außerdem bekamen die Weßlinger im Sommer 1992 an einem „Tag der Offenen Türe“ einen Eindruck davon, wie ihr neuer Treffpunkt für Kultur, Politik und Feste einmal aussehen könnte. „Das halbe Dorf war auf den Beinen“, erinnert sich Rüba. Dennoch waren die Weßlinger in dieser Sache gespalten und einige sprachen sich vehement gegen die Restaurierung „des alten Glump“ aus.

Irgendwann fand das Tauziehen schließlich doch ein Ende und die Diözese Augsburg gab als Eigentümer und Bauherr eine beheizte und rund ums Jahr nutzbare Lösung in Auftrag. Um die Jahrtausendwende rollten die ersten Bagger an und im Frühjahr 2002 waren die Räume bezugsfertig. An den Kosten von 2,4 Millionen Euro beteiligte sich die Gemeinde mit 500 000 Euro und die Denkmalschutzbehörde mit 25 000 Euro. Den Rest übernahm die katholische Kirche.

Die Fertigstellung brachte auch eine Erneuerung im Verein „Unser Dorf“ mit sich. Brigitte Weiß übernahm das Kulturprogramm und Dieter Oberg den Vorsitz als Nachfolger von Pimperl. Der alte Vorstand rief noch eine Spendenaktion für die Stühle und Bänke ins Leben, die Nachfolger organisierten die Bühnenbeleuchtung und die Lautsprecheranlage, um fortan die Räumlichkeit mit kulturellem Leben zu füllen.

Und so kam es, dass in der ehemaligen Scheune Weßlinger Bürger heute ihre Kunstwerke ausstellen, tanzen, musizieren und politisieren. „Der Pfarrstadel ist nicht mehr aus Weßling wegzudenken“, sagt Rüba. Und die kritischen Stimmen seien schließlich auch verstummt. Allerdings bezahlt die katholische Kirche seither für die laufenden Kosten jährlich rund 15 000 Euro, so Rüba und ermahnt: „Mittlerweile kommt das Gebäude schon wieder in die Jahre.“ Von einem Verfall wie damals allerdings ist der schmucke Stadel zum Glück noch weit entfernt.

Michèle Kirner

Auch interessant

Kommentare