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Berufliche Veränderung mit 45 Jahren: Stefan Fehenberger lässt sich in Weßling zum Erzieher ausbilden

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Von: Michèle Kirner

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Waldkindergarten Weßling
Auszubildender Stefan Fehenberger folgte mit der Ausbildung zum Erzieher im Waldkinder-garten seiner Berufung. © privat

Weßling/Unering – Stefan Fehenberger ist 45 Jahre alt – und hat sich für eine zweite Karriere als Erzieher entschieden. Der Schreiner und zweifache Vater befindet sich im vorletzten Ausbildungsjahr, den Praxisteil absolviert er im Waldkindergarten in Grünsink. Dort würde er auch gerne bleiben, aber damit er im kommenden Schuljahr weitermachen kann, benötigen die „Glühwürmchen“ eine neue Belegschaft.

Der Baumstamm ist ein Wal. Oder ein Schiff. Oder ein Düsenjet. Auf jeden Fall ist der umgestürzte Riese alles, was den 18 Glühwürmchen ihre Phantasie eingibt. Täglich stapfen die Drei- bis Sechsjährigen mit offenen Augen und Ohren durch den Wald. Ihnen zur Seite stehen derzeit Auszubildender Stefan Fehenberger und Erzieherin Annalena Dangl. Kaum hatte die 22-Jährige die Erzieherin in der Tasche, führte sie bereits die kleinen Waldgeister hingebungsvoll durch die zauberhaften Spielplätze zwischen Ästen, Gebüschen und Bäumen. Vor kurzem entschied sie sich für ein Pädagogikstudium, das im Wintersemester beginnt. Ihre Kündigung reichte sie frühzeitig in der Gemeinde ein, damit sie Zeit zum Besetzen der Stelle hätten, sagt sie. „Außerdem brauchen wir noch eine zweite Erzieherin oder eine Kinderpflegerin“, erklärt Fehenberger. Sonst wird das Betreiben des Waldkindergartens schwierig. Und sollte die Erzieherstelle bis zum Herbst unbesetzt bleiben, müsste Fehenberger sich nach einem neuen Ausbildungsplatz umsehen. 

Wie kommt man mit 45 Jahren eigentlich auf die Idee einer Erzieherausbildung? Der Auslöser war ein Bandscheibenvorfall, der den Schreiner einige Wochen lahm legte und ihn aus dem Alltagstrott warf. Er dachte über seine Stelle nach, die ihm gut gefallen habe, wie er versichert. Weniger gut gefiel ihm der Trend von „immer mehr Arbeit für immer weniger Mitarbeiter“. Er erinnerte sich an seinen Berufswunsch nach der FOS - und entschied sich spontan für die vierjährige „Optiprax-Erzieherausbildung“. Seine Frau bestärkte ihn darin. Schließlich betreibt er gemeinsam mit der Musikerin seit einigen Jahren einen Waldkindergarten in Gilching. Eine Ausbildungsstelle fand er dort freilich nicht und landete mit Glück erst im Weßlinger Kinderhaus Regenbogen und schließlich bei den Glühwürmchen.

Im Waldkindergarten kann ich meine Kenntnisse als Schreiner und meine Musik vereinen“, sagt er. Mit der Gitarre singt er unter Baumkronen Lieder, stets begleitet von vorlautem Vogelgezwitscher. Oder er baut mit ihnen aus Stöckchen und Laub allerlei Kunstwerke. Vom Konzept der Waldpädagogik ist er überzeugt. „Den Tagesablauf gibt der Wald vor und mit den Kindern stehen wir immer auf Augenhöhe – und manchmal auch im Regen“, erzählt er. In den Bauwagen bei der Kapelle steigen sie erst, wenn es stürmt oder in Strömen regnet. Der Streifzug durch die Umgebung ist mehr oder weniger wetterunabhängig. Dabei entdecken sie schon Mal ein Reh oder eine Maus. Ob vor ihnen eine Eiche, eine Buche oder eine Birke steht, erkennen die Kleinen anhand der Struktur der Rinde und der Blätterform. Und sie lernen, Verantwortung zu übernehmen. „Die Großen passen auf die Kleinen auf und jeder übernimmt einmal die Führung.“ Die Regeln bestimmen die Erwachsenen, aber „die Kinder kontrollieren sich gegenseitig“. Jammern wie „Wann sind wir endlich da“ habe er noch nie gehört, sagt Fehenberger und schwärmt über die hügelige Landschaft im Grünsinker Wald. Ein Paradies, das natürlich eine wetterfeste Zähigkeit und die Liebe zur Natur voraussetzt. Für ihn sei die Arbeit mit Waldkindern die beste Form der Pädagogik, sagt er. Und wünscht sich, dass die Gruppe in Grünsink weiter bestehen bleibt. Dasselbe gilt für die 14 Elternpaare, die gerade mit Plakaten und über Sozial Media kräftig die Werbetrommel rühren. Interessenten wenden sich bitte an die Gemeinde Weßling unter bewerbung@gemeinde-weßling.de.

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