LBV Starnberg
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In seiner 25-minütigen Dokumentation beleuchtet der Filmemacher Klaus-Peter Hütt unter anderem die Geschichte der Flöße, zeigt den umweltgerechten Abbau des alten sowie Konstruktion und Bau des neuen Floßes.

Streamingstart am kommenden Samstag

Brutgeschäft im Verborgenen: Dokumentarfilm über neues Brutfloß im Starnberger See

Landkreis - Vor neugierigen Blicken weitgehend abgeschirmt, ankert in der Bucht von St. Heinrich seit über 30 Jahren ein Brutfloß für Flussseeschwalben. Diese Ecke des Starnberger Sees ist als Schutzgebiet für Besucher nicht zugänglich. Es besteht ein strenges Betretungs- und Befahrungsverbot. Nur so können Störungen verhindert werden. Doch das alte Brutfloß war in die Jahre gekommen und wurde im Frühsommer durch ein neues Brutfloß ersetzt. Der Filmemacher Klaus-Peter Hütt hat den gesamten Prozess mit der Kamera begleitet. Sein Dokumentarfilm hierzu erscheint jetzt am Samstag, 20. November, bei OLAtv.de und auf der Webseite des Landesbund für Vogelschutz. Der Film erlaubt spannende Einblicke, bevor auch das neue Floß seine Aufgabe wieder im Verborgenen erfüllt.

Anfang der 1980er Jahre war das Brutvorkommen der Flussseeschwalbe in Bayern nahezu erloschen. Der natürliche Brutraum der Vögel,  vegetationslose Kiesinseln in  frei fließenden, Voralpenflüssen, war verloren gegangen. Die Kiesbänke waren zugewachsen, Gelege wurden von Erholungssuchenden zertrampelt und das Brutgeschäft gestört. Nur mit Hilfe künstlicher Nistplätze war es möglich, den Bestand der selten gewordenen Vögel zu erhalten. Auf dem Floß in der Bucht von St. Heinrich, am Südende des Starnberger Sees befindet sich seither eine der größten Flussseeschwalbenkolonien Bayerns. 

Die Kreisgruppe Starnberg des LBV ließ die letzten Flöße von erfahrenen Floßbauern aus Wolfratshausen errichten - ganz im Stil der Isarflöße. Doch deren Lebensdauer war stets begrenzt. Nachdem auch die dritte Generation nach 12 Jahren kaum mehr schwimmfähig war, folgt der LBV nun einem neuen Konzept. 

In seiner 25-minütigen Dokumentation beleuchtet der Filmemacher Klaus-Peter Hütt die Geschichte der Flöße, zeigt den umweltgerechten Abbau des alten sowie Konstruktion und Bau des neuen Floßes. Der Ingenieur Harald Trepte erläutert im Film den Planungsprozess, bevor lokale Spezialisten im Februar 2021 mit den Arbeiten beginnen. Dabei stellen sie sich einer großen Herausforderung: Immer wenn die Flussseeschwalben Ende April aus ihrem Winterquartier in Westafrika zurückkommen, ist das Floß bereits von brütenden Lachmöwen belegt. Die Flussseeschwalben  finden dann keinen Brutplatz mehr. Für dieses Problem musste eine Lösung gefunden werden. Wie die Vögel darauf reagieren, erzählt  Dr. Andrea Gehrold, die LBV-Gebietsbetreuerin am Starnberger See. Mit Leidenschaft betreut sie das Floß und freut sich über jede Flussseeschwalbe, die nach einer langen Reise wieder eintrifft, um dort ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Zu Wort kommt auch der langjährige Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe Starnberg, Horst Guckelsberger. Seine große Erfahrung beim Bau der früheren Flöße und seine guten Kontakte zu allen Beteiligten rund um den See sind maßgeblich für das Gelingen eines solchen Projektes. Sehr engagiert kümmert er sich seit Jahren um die Genehmigungs- und Förderanträge. „Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die keine Scheuklappen kennt.“, sagt Klaus-Peter Hütt,  „Dabei folgt er dem Grundsatz „Global denken und lokal handeln“. Dies ist auch das Motto des Filmemachers.

Nach seinem Beitrag über die Wasservogelzähler am Starnberger See bei OLAtv.de kam der LBV auf Hütt zu. Er sollte den Bau des neuen Brutfloßes mit der Kamera begleiten. „Als aktiver Wasservogelzähler am Starnberger See und Mitarbeiter beim Monitoring häufiger Brutvögel liegt mir die Vogelwelt in unserer Region sehr am Herzen“, erläutert Klaus-Peter Hütt. „Deshalb habe ich die Dokumentation auch ehrenamtlich erstellt und wünsche mir, dass der Film nun von möglichst vielen Menschen gesehen wird“.

Schon als Kind zählte Klaus-Peter Hütt die Vögel vor dem Fenster, und sein Vater vermittelte ihm auf langen Spaziergängen die Leidenschaft für die Natur. Als Zehnjähriger bekam er von seinen Eltern das Buch „Ich filmte 1000 Tiere“ des Tierfilmers Eugen Schuhmacher geschenkt und sein Berufswunsch stand fest: Dokumentarfilmer. Doch nach dem Studium der Geographie war er zunächst als Studienreiseleiter weltweit unterwegs, schrieb Reiseführer und fotografierte. Seine berufliche Heimat blieb die Touristik. Durch die Einschränkungen während der Corona-Pandemie hat er wieder mehr Zeit, sich der Fotografie und v.a. dem Dokumentarfilm zu widmen. Thema ist das bayerische Oberland. Zu sehen ist sein Film über die Brutinsel für die Flussseeschwalben ab 20. November 2011 bei OLAtv.de, dem Online-TV-Channel fürs Oberland und auf der Webseite des LBV Oberbayern.

Kreisbote

Quelle: Kreisbote

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