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In Seefeld sterben elf Kiebitz-Küken

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Das Foto des Bund Naturschutz zeigt Attacken eines Altvogels auf den Fuchs am 8. Mai in Seefeld.
Das Foto des Bund Naturschutz zeigt Attacken eines Altvogels auf den Fuchs am 8. Mai in Seefeld. © Bund Naturschutz

Seefeld-Hechendorf – Auch in diesem Jahr überlebte kein Kiebitz-Küken auf dem Acker in Seefeld. Der Bund Naturschutz (BN) fordert deshalb, geltendes Recht umzusetzen und nach dem dritten Jahr ohne erfolgreiche Kiebitz-Aufzucht die Maßnahmen zum Kiebitz-Schutz so anzupassen, dass sie zu einer erfolgreichen Brut und Aufzucht beitragen.

Am Freitag, 21. Mai, herrschte laut BN große Unruhe bei den Kiebitzen unterhalb des Hechendorfer Bahnhofs. Die Altvögel flogen alarmierend mit lauten aufgeregten Schreien über dem Schilf und Gehölz, das den Acker vom Bahndamm trennt. Ab dem darauffolgenden Samstag konnten keine Jungvögel gesichtet werden, so der BN in einer Pressemitteilung. Auch die Altvögel haben das Brutareal verlassen.

Zaunreparatur stört seltene Kiebitze

Seit dem 30. März waren die sechs ortstreuen Kiebitze mit der Brut beschäftigt. Zwei Männchen und vier Weibchen versuchten sich erneut im Brutgeschäft und der Jungenaufzucht auf dem traditionellen Brutareal unterhalb des Hechendorfer Bahnhofs. Zwei Gelege wurden aufgegeben, eines aufgrund einer Störung durch eine Zaunreparatur.

Aus drei Gelegen schlüpften insgesamt elf Jungvögel, die ersten Eierschalen knackten an den ersten Maitagen. „Kiebitz-Junge müssen sich selber ernähren und so viel fressen, bis sie innerhalb von 40 Tagen von 15 Gramm auf 180 Gramm Gewicht zulegen und damit flugfähig werden“, so der BN. Bis dahin sind sie auf dem Boden großen Räubern hilflos ausgeliefert.

Kiebitz-Familie übersiedelt auf den Nachbaracker

In Seefeld wurde zum Schutz der Jungtiere auf einer 1,2 Hektar großen Brache ein Elektrozaun aufgebaut, um Bodenprädatoren wie Fuchs und Dachs abzuhalten. Allerdings wuchs in der Brache, da sie schon im zweiten Jahr an derselben Stelle angelegt wurde, zu viel und zu schnell Unkraut auf und verdeckte den Vögeln die Sicht. Eine Kiebitz-Familie machte sich so auf den Weg in den Nachbaracker, der mit geringerem Aufwuchs und feuchten Stellen einen besseren Lebensraum bot.

Auch die zweite Familie wanderte ab, so der BN, als von zwei Arbeitern mit einer Motorsense der Elektrozaun freigeschnitten wurde, um den Stromfluss aufrecht zu halten. Der BN hatte die notwendige Pflege des Zauns innerhalb des Ackers kritisiert, „weil dies die Vögel massiv stört“. Der Nachbaracker wurde allerdings nicht mit einem Elektrozaun gesichert und bietet wenig Abstand zu Gehölz und Schilf – „eine perfekte Kulisse für Bodenräuber, die sich im Unterholz anschleichen können, ohne von den Altvögeln attackiert werden zu können“.

2021 fielen mindestens neun Kiebitz-Jungvögel Räubern zum Opfer

Derart ungeschützt endete am Freitag das junge Leben von insgesamt elf Kiebitz-Jungvögeln. „Damit ist der dritte totale Brutausfall in Folge zu verzeichnen. Auch im vergangenen Jahr fielen mindestens neun Jungvögel Räubern zum Opfer, ebenfalls aufgrund mangelhaften Zaun-Managements“, so der BN, der darauf hinweist, dass der Bestandsrückgang des Kiebitzes in Deutschland zwischen 1980 bis 2016 etwa 93 Prozent betrug.

„Es gilt nun, schnelle Hilfe für den Kiebitz, eine gesetzlich geschützte Agrarvogelart, zu leisten. Verpflichtende und funktionierende Konzepte sowie Schutzmaßnahmen sind aber bislang von der Politik nicht gewollt und werden durch die Behörden daher auch nicht umgesetzt.“ Der BN behält sich laut Pressemitteilung vor, aufgrund des erneuten Umweltschadens rechtliche Schritte einzuleiten. Gesprächsangebote des BN zum Thema seien von der Juristin der Unteren Naturschutzbehörde Starnberg bisher abgelehnt worden. (kb)

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