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Krankenhausapotheke des Klinikums Starnberg nimmt am bundesweiten Projekt „Renal Pharmacist“ teil

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Starnberger Kliniken
Im Projekt „Renal Pharmacists“ kommen (v.l.) Professor Dr. Hans-Paul Schobel, die Krankenhaus-Apothekerinnen Ann-Kristin Gerke und Katrin Beyerlein sowie Apothekenleiterin Dr. Angela Ihbe-Heffinger in interdisziplinärer Zusammenarbeit arzneimittelbezogenen Problemen auf die Spur. © Starnberger Kliniken

Starnberg - Seit 2019 begeht die Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich am 17. September den Welttag der Patientensicherheit – eine Thematik, der an den Häusern der Starnberger Kliniken große Aufmerksamkeit geschenkt wird. So beteiligt sich die Krankenhausapotheke des Klinikums Starnberg seit Januar vergangenen Jahres an dem zweijährigen Projekt „Renal Pharmacist“ der Stiftung Patient und Klinische Pharmazie.

Die beiden Krankenhausapothekerinnen Ann-Kristin Gerke und Katrin Bayerlein betreuen gemeinsam mit Professor Dr. Hans-Paul Schobel, Leitender Arzt Nephrologie am Klinikum, engmaschig Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. „Wir haben vor allem ältere Patienten, die verschiedene Medikamente nehmen, teilweise bis zu 22 Stück pro Tag“, so Apothekenleiterin Dr. Angela Ihbe-Heffinger. Im Altersbereich 80+ gelte es oftmals, die Medikamente anzupassen, da mit zunehmenden Alter die Leistungsfähigkeit der Niere abnehme. „Zudem verstärken manche Medikamente die Nebenwirkungen eines anderen oder reduzieren sogar deren Wirksamkeit.“ 

So geschehen bei einem 85-jährigen Patienten, der mit einer Lungenentzündung und akutem Nierenversagen eingeliefert wurde. Wegen seiner Herzerkrankung nahm der Patient seit geraumer Zeit das Herzglykosid Digoxin - ein Medikament auf Fingerhutbasis – ein. Im Klinikum erhielt er zur Behandlung der Lungenentzündung ein passendes Antibiotikum. Nach stationärer Aufnahme wurde die komplette Medikation des Patienten von den Krankenhausapothekerinnen analysiert und anschließend mit Nierenspezialist Professor Schobel besprochen. „Diese Art der interdisziplinären Fallbesprechung ist schon eine Besonderheit im deutschen Krankenhauswesen und sonst nur in Kliniken der Maximalversorgung wie Unikliniken üblich beziehungsweise möglich“, so Schobel. „Die fachübergreifende Zusammenarbeit erhöht die Patientensicherheit während des stationären Aufenthaltes wie auch danach.“

In ihrem Gespräch kristallisierte sich heraus, dass die akute Nierenproblematik die Ausscheidung des Herzmedikaments verlangsamt und zur Anreicherung im Blut beiträgt - ein Effekt, der durch das Antibiotikum sogar noch verstärkt werden kann. Da der Patient bereits leichte unerwünschte Symptome (eine verlangsamte Herzfrequenz, Übelkeit und Schwindel) zeigte, wurde das Herzmedikament pausiert und der Blutspiegel bestimmt. Dieser lag über dem empfohlenen Bereich, was auch die aufgetretenen Nebenwirkungen erklärte. „In so einem Fall reicht das Pausieren von Digoxin bei gleichzeitiger sorgfältiger Überwachung des Patienten aus“, so Schobel. Nach Besserung der Lungenentzündung erholte sich auch die Nierenfunktion des Patienten wieder und die Therapie mit Digoxin konnte in nierenangepasster Dosierung fortgeführt werden. „Empfehlungen dieser Art stehen dann natürlich im Entlassbrief des Patienten“, so Bayerlein. 

Bislang haben die beiden Krankenhausapothekerinnen im Rahmen des Projekts „Renal Pharmacist“ gemeinsam mit Professor Schobel die Medikation bei über 1.000 Patienten analysiert und sich dabei mit arzneimittelbezogenen Problemen und eingeschränkter Nierenfunktion befasst. „Unser Ziel ist es, proaktiv zu arbeiten und die Dosierung gleich zu Beginn des Krankenhausaufenthalts so anzupassen, dass es gar nicht zu Nebenwirkungen kommt“, so Apothekenleiterin Dr. Ihbe-Heffinger. In vielen Ländern sind Apotheker als Renal Pharmacists im Übrigen bereits etabliert – in Deutschland hingegen nur punktuell wie in Niedersachsen. Dort ist ein Stationsapotheker ab kommendem Jahr verpflichtend.

Kreisbote

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