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Krippen bauen auf Vorrat für die Weihnachtsmärkte

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Von: Petra Straub

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Uwe Tuchenhagen aus Tutzing kann derzeit keine Engel und Krippen auf Weihnachtsmärkten verkaufen.
Uwe Tuchenhagen aus Tutzing kann wegen der Pandemie derzeit keine Engel und Krippen auf Weihnachtsmärkten verkaufen. © Petra Straub

Tutzing – Normalerweise ist jetzt die Zeit der Weihnachtsmärkte. Zeit, dort ein bisschen zur Ruhe zu kommen, Leute zu treffen und sich mit Geschenartikeln und Weihnachtsschmuck aus der Region einzudecken. Doch in diesem Jahr ist durch die pandemische Lage – wieder – alles anders. Auch Uwe Tuchenhagen aus Tutzing (78) ist davon betroffen. Der passionierte Hobbyhandwerker fertigt nun Krippen auf Vorrat und entwickelt Ideen für neue Produkte.

Im Heizungskeller befindet sich die kleine Werkstatt des ehemaligen Diplom-Bauingenieurs. Rund um den Arbeitsplatz, an dem auch die Säge steht, türmen sich kleine Holzfiguren, Engel und Tiere, Schablonen und Zeichnungen. Alles ist sorgfältig in Luftposterfolie gepackt .Denn in diesem Jahr hat er kaum Gelegenheit, seine Handwerkskunst anzubieten. Es kommen zwar immer wieder ein paar Kunden bei ihm in Tutzing vorbei, um ihre bei ihm erworbenen Krippen mit Figuren zu erweitern, aber Weihnachtsmärkte finden wegen der Pandemie nicht statt. Davon besucht er normalerweise viele. In Starnberg und Tutzing, in Pöcking, München und Feuchtwangen.

Doch Uwe Tuchenhagen lässt nicht nach. Die Holzarbeiten sind seine Leidenschaft und so verbringt er täglich viele Stunden an seinem Werktisch, überlegt sich neue Figuren, skizziert sie und erarbeitet Schablonen, bevor er zum Werkstück greift, es zersägt und mit Acrylfarben bemalt. Im Laufe der Jahre hat Tuchenhagen eine ganz eigene Machart entwickelt. Er bemalt die Figuren aus Birken-, Ahorn- und Bergkiefernholz nicht am Stück. Er schneidet die Bestandteile, die bemalt werden vor der Farbgebung aus dem Werkstück und setzt sie anschließend wieder zusammen. Mal rahmt er sein Werkstück mit einer abgesägten und höher gesetzten Kontur ein, mal setzt er mehrere gleiche Figuren in verschiedenen Größen in einer Art Puzzle aneinander oder legt sie übereinander, um den räumlichen Eindruck zu verändern. „Spielereien“ nennt er das, ohne die ihm die Arbeit zu eintönig wäre. Seine Krippenfiguren sind mal mit historischen Abbildungen überzogen und mal im orientalischen Stil geformt und mit edler Bemalung zu wahren Schmuckstücken vollendet. Von der heiligen Familie über die Hirten und Schafe bis zu Kamel und den Heiligen Drei Königen ist in Tuchenhagens Sortiment alles enthalten, was die Weihnachtsstimmung hebt.

Unterstützung kommt direkt aus Oberammergau

Bei einer Schnittstärke von weniger als einem Zehntel Millimeter („dünner als ein menschliches Haar“) braucht Tuchenhagen an der Säge eine ruhige Hand. Die hat er. Probleme bereietete ihm anfangs nur das Zeichnen und Platzieren von Augen. Doch durch seine freundschaftlichen Beziehungen zu Holzschnitzern in Oberammergau war diese Schwäche rasch behoben. Er lernte, den mit einem kleinen Schwänzchen versehenen Punkt an der richtigen Stelle zu platzieren und gibt seinen Kreaturen nun damit ein ausdrucksstarkes Gesicht.

Heute weiß der Tutzinger nicht mehr, was ihn vor etwa 20 Jahren dazu bewog, sich eine Dekupiersäge anzuschaffen und loszulegen. Aber er erinnert sich noch genau an die Begegnung mit dem Maler Lothar-Günther Buchheim. Bei einem Kunstmarkt in Weilheim ist eine Museumsangestellte auf Tuchenhagens Werke aufmerksam geworden und hat ein Treffen mit dem Künstler organisiert, der Betreiber des Buchheim-Museums in Bernried ist. Seither durfte der Tutzinger Hobbykünstler seine Werke bereits mehrmals in den Vitrinen des Museums ausstellen.

Die Hälfte geht an „Ärzte ohne Grenzen“

Es mögen etwa 35 Krippen sein, die Tuchenhagen bereits an Kunden aus der Umgebung und dem Raum München verkauft hat. Sie sind wie seine weiteren Stücke in hoher Qualität gefertigt. Das betrifft sowohl das Holz als auch die Farbe. Schließlich sind die Figuren auch für Kinderhände gedacht. Der Preis der Arbeiten steht dabei in keinem Verhältnis zum Zeit- und Materialaufwand. Doch der Pensionist will nicht reich werden mit seinen Figuren, sondern vielmehr seinem Hobby frönen – und damit auch die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ unterstützen; deren Arbeit hat er 1971 bei einer Überschwemmung im heutigen Bangladesch kennengelernt. Genau die Hälfte seiner Einnahmen gibt es nach Abzug der Materialkosten für Hilfsprojekte ab. Über den Betrag möchte er keine Auskunft geben.

Nüchtern betrachtet Tuchenhagen die Situation mit der Corona-Pandemie und hofft, seinen Stand im nächsten Jahr wieder bei Kunsthandwerkermärkten aufstellen und Ware anbieten zu können. Einstweilen entwickelt er neue Modelle wie den „Da Vinci“, eine Darstellung des vitruvianischen Menschen, den Leonardo da Vinci etwa 1490 malte und den Tuchenhagen aus der Rückseite seines rohen Werkstücks schneidet, um ihn auf der Vorderseite wieder aufzukleben. Oder er macht sich an den „Waldi“, das Maskottchen der Olympiade von 1972 in München, das er seit Jahren in verschiedenen Größen und Ausführungen für eine Münchener Galerie fertigt. Denn nächstes Jahr jährt sich das sportliche Ereignis zum 50. Mal und da könnte es sein, dass der Dackel mehr Aufmerksamkeit bekommt als in der Vergangenheit.

Und dann gibt es im Leben von Uwe Tuchenhagen noch eine Menge anderer Interessensgebiete. Eine Vielzahl von Atlanten und Globussen in allen Ausführungen befinden sich im Hobbyraum des Seniors. Mit ihnen geht der weitgereiste Tutzinger gelegentlich imaginär auf Reisen. Nach Pakistan etwa, Jemen, Nepal, Jordanien, Portugal, Thailand oder Brasilien, wo er einst beruflich als Berater tätig war. Oder er beschäftigt sich mit seinen zwei Enkelkindern, denen er seine Bastelleidenschaft gerne weitergeben würde.

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