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Nächstes heißes Eisen Starnberger Schlossbergschule

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Schulklasse
Ein Schüler meldet sich. © Christoph Soeder/dpa/Archivbild

Starnberg - Als „das nächste heiße Eisen“ bezeichnete Bürgermeister Patrick Janik in der Stadtratssitzung am vergangenen Montag die dringend sanierungs- und erweiterungsbedürftige Schlossbergschule: Bereits zwischen 2015 und 2018 festgestellte bauliche Mängel und zunehmende Platznot zwingen die Stadt zum Nachdenken darüber, ob nicht ein Neubau die einzig praktikable Lösung wäre. Doch es geht auch um den prägenden Charakter des Schlossberg-Ensembles selbst.

Christina Rommel aus der Verwaltung trug den Stadträten zunächst den vom Hochbauamt zusammengefassten Zustand des um 1880 errichteten Gebäudes vor: Demnach ist die „allgemeine Fluchtwegsituation“ heikel – beide vorgeschriebenen Fluchtwege sind nicht frei von potentiellen Brandlasten, weil teilweise aus Platzmangel vollgestellt; eine Verbesserung der Situation sei laut Befund „hier mit geringen Mitteln nicht möglich“, da zum Beispiel beim zweiten baulichen Rettungsweg aus dem Klassenraum im 1.Obergeschoss „der Weg unter der Treppe in den Speicher hindurchführt und diese nicht einfach gekapselt (Anm. d. Red. brandschutztechnisch isoliert) werden kann“. Des Weiteren sind für die inzwischen mit Stahlträgern verstärkten Holzbalkendecken des Gebäudes zwischen Erd- und Obergeschoss Brandschutzertüchtigungen notwendig geworden, auch die abgehängten Decken inklusive Beleuchtung trotz laufender Verbesserungen der Elektroanlage erscheinen sanierungsbedürftig. Die vor nicht allzu langer Zeit schon hergerichteten Sanitärräume sind nach Einschätzung des Hochbauamts „zu klein bemessen“, was wiederum auf die akute Raumnot hindeutet: „Aus der Tatsache, dass das zentrale Treppenhaus auch zur Lagerung von Material genutzt wird, ist bereits die Notwendigkeit zusätzlicher Räume ersichtlich“, heißt es in der bewertenden Zusammenfassung. Das Lehrerzimmer sei „winzig“, andere Räume gemäß Raumprogramm für Grundschulen gar nicht vorhanden oder zu klein.

Diese Raumnot sei schon seit Jahren bekannt, ebenso lange gebe es Erweiterungspläne. Die Machbarkeitsstudie war damals zu dem Schluss gekommen, dass „aufgrund der beengten Verhältnisse auf dem Grundstück und der Erforderlichkeit von Flächen für Pausenhof und Mittagsbetreuung mit dem notwendigen Raumprogramm maximal eine zweizügige Schule abbildbar ist.“ Fazit bzw. Konsequenz: Erweiterungen bei steigenden Schülerzahlen wären „an diesem Standort nicht mehr möglich“.

Laut 5-Jahres-Statistik der Grundschule Starnberg ergibt sich aus den Geburtenraten bis zum Schuljahr 2026/27 indes ein Zuwachs von zirka 80 Schülerinnen und Schülern – nicht eingerechnet das Einheimischen-Modell „Am Wiesengrund“ (derzeit 16 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren, insgesamt 121 Kinder zum Stichtag 1.9.2019), der dortige Geschosswohnungsbau (Größenordnung unbekannt) und das „Moosaik“-Projekt (dito).

Den Stadträten war somit klar, was die Stunde geschlagen hatte, denn die Umsetzung des 2018 beschriebenen Sanierungs- und Erweiterungsbedarfs war mangels Finanzmitteln der Stadt immer wieder hinausgeschoben worden: „Wir können natürlich viel Geld in diese Schule stecken,“ stellte Bürgermeister Patrick Janik fest, „aber das wäre sicherlich kein Zukunftsmodell – wir brauchen einfach mehr Kapazitäten, ob Anbau oder Neubau.“ Die Schlossbergschule habe „ihren Dienst getan“ und leiste ihn noch immer, befand Ludwig Jägerhuber (CSU). Eine Ertüchtigung hätte für ihn jedoch den Beigeschmack von Geldverschwendung: Man möge lieber im Süden von Starnberg nach einem geeigneten Grundstück Ausschau halten, so Jägerhuber der prompte von Tim Weidner (SPD) Unterstützung bekam. Mit den anstehenden Beschlüssen, so Jägerhuber, stünde aber nicht der Abriss, sondern eine Umnutzung des Altbaus zur Debatte, denn der gehöre nun mal zum historischen Ensemble des Schlossbergs. Josef Pfister (BMS) hatte die Schule sogar noch selbst besucht und musste gestehen, dass er nun „mit einem weinenden Auge Abschied nehmen“ müsse, denn „diese Schule bringt´s einfach nicht mehr, sie wird den heutigen Anforderungen nicht gerecht“. Es würde seiner Ansicht nach „Unmengen von Geld kosten“, sie noch instand halten zu wollen. Franz Sengl (Grüne) überlegte indes. Ob man „den Standort mittels Aufstockung“ doch noch retten könne? Marc Fiedler (FDP) zeigte sich da illusionslos: Die Schlossbergschule sei „leider nicht mehr das, was sie mal war“ – Einwurf Janik: „Doch, sie ist genau das, was sie mal war!“ Charlotte Barth (CSU) sekundierte: „Ein Neubau ist sicher sinnvoller.“ Eva Pfister (BMS) gab zu bedenken, dass dort immerhin „auch schon über eine Kindertagesstätte nachgedacht“ habe. Christiane Falk (SPD) fürchtete, dass alle möglichen Erweiterungsideen „auf Kosten des Schulhofs“ gehen würden. „Das ist eine sensible Ecke da.“ Michael Mignoli (BLS) dachte pragmatisch: Ist denn geklärt, dass die Schule noch vier bis fünf Jahre weiterlaufen kann, ehe ein Neubau realisiert wäre?“ Unter Denkmalschutz steht sie jedenfalls nicht, war von der Verwaltung zu hören, als Annette Kienzle (Grüne) diesbezüglich nachfragte. 

Die Stadträt/Innen folgten am Ende einstimmig den Vorschlägen der Verwaltung: Die bestehenden Beschlüsse (von 2018) über eine Sanierung und Erweiterung auf dem Bestandsgrundstück der Schlossbergschule werden aufgehoben, stattdessen soll ein Neubau realisiert werden. Die Stadt soll nun prüfen, welche Grundstücke für einen solchen Neubau der Schlossbergschule in Frage kommen.

Thomas Lochte

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