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Nicht alle Betriebe im Landkreis Starnberg sind bei der Besetzung freier Stellen erfolgreich

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PantherMedia B317044164Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder freute sich über 158 neue Azubis in den unterschiedlichsten Ausbildungsberufen. Doch viele Lehrstellen sind nach wie vor unbesetzt.
Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder freute sich über 158 neue Azubis in den unterschiedlichsten Ausbildungsberufen. Doch viele Lehrstellen sind nach wie vor unbesetzt. © Panthermedia/Kzenon

Landkreis – Im Landkreis Starnberg haben am 1. September über 200 Jugendliche und junge Erwachsene ihre Ausbildung in IHK-Berufen begonnen, 158 sind es in den Handwerksbetrieben im Fünfseenland. Viele Stellen blieben jedoch unbesetzt – die betroffenen Unternehmen und Betriebe warten noch auf „Nachzügler“.

Die Top 5-Ausbildungsberufe im Landkreis sind Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker, Industriekaufleute, Kaufleute im Einzelhandel, Verkäuferinnen und Verkäufer sowie Kaufleute für Büromanagement, teilt Katja Lindo, die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Starnberg, mit. Finale Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) könne man frühestens Ende Oktober vorlegen. „Viele Betriebe haben angesichts des sich zuspitzenden Fachkräftemangels ihre Ausbildungsangebote ausgeweitet und gehen neue Wege, um Schulabgängerinnen und Schulabgänger von der Ausbildung zu begeistern und als Azubis zu gewinnen. Die Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft ist ungebrochen hoch. Die Unternehmen sind für die Zukunft dringend auf top ausgebildeten Fachkräftenachwuchs angewiesen“, so Katja Lindo weiter. Aktuell sind im Landkreis Starnberg laut Bundesagentur für Arbeit noch immer 248 Ausbildungsstellen unbesetzt. Diese Angaben beziehen sich auf alle Bereiche des Ausbildungsstellenmarkts, der neben dem IHK-Bereich auch das Handwerk, freie Berufe und den öffentlichen Dienst umfasst.

Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder freute sich vergangenen Donnerstag über 158 Azubis, die im Landkreis Starnberg mit einer Ausbildung im Handwerk begonnen haben. 2021 wurden von der Handwerkskammer zum gleichen Zeitpunkt 143 neue Ausbildungsverträge registriert. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Auszubildenden, die einen Handwerksberuf erlernen, bei 37 Prozent. „Nach zwei Jahren mit Corona-Einschränkungen konnten wir endlich wieder auf Ausbildungsmessen und bei Schulbesuchen Kontakt mit den jungen Leuten aufnehmen. Wir brauchen solche Maßnahmen zur Berufsorientierung und Praktika, um Schulabgängerinnen und -abgänger von den Karrierechancen in den rund 130 Ausbildungsberufen zu überzeugen“, so Gansneder weiter.

Ideenreichtum ist gefragt bei der Eigenwerbung

Einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder im Gesundheitsbereich ist der Verbund der Starnberger Kliniken. Wie das Klinikum Starnberg auf Anfrage mitteilt, konnten so gut wie alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Am Standort Starnberg werden 26 Pflegefachkräfte, zwei Anästhesietechnische Assistenten drei Operationstechnische Assistenten ausgebildet.

In Herrsching sind es zwei Pflegefachkräfte, in Seefeld ebenfalls zwei sowie ein Operationstechnischer Assistent, die Klinik in Penzberg, die ebenso zu Verbund gehört, bildet sechs Pflegefachkräfte, zwei Pflegefachhelfer sowie einen Operationstechnischen Assistenten und einen Anästhesietechnischen Assistenten aus. Weiter kommen zwei Kaufleute im Gesundheitswesen in Starnberg hinzu, hier blieb ein Platz unbesetzt.

Fünf von insgesamt 14 ausgeschriebenen Stellen für Auszubildende und Studenten blieben beim Landratsamt in Starnberg unbesetzt. Zwei Ausbildungsstellen zum Verwaltungswirt beziehungsweise zur Verwaltungswirtin, eine zum Verwaltungsinformatiker beziehungsweise zur Verwaltungsinformatikerin und zwei Plätze für Studentinnen und Studenten, die mit einem dualen Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin oder zum Diplom-Verwaltungswirt ausgebildet werden. „Für uns ist es nicht ganz einfach, geeignete Bewerber zu finden“, erklärt Barbara Beck, die stellvertretende Pressesprecherin im Landratsamt. Das Problem gebe es im öffentlichen Dienst in den vergangenen Jahren nicht nur im Landkreis Starnberg. Als Grund dafür nennt sie ein „Überangebot im öffentlichen Dienst im Speckgürtel der Stadt München“.

Wie finde ich meinen Azubi

Beeinträchtigungen für Bürgerinnen und Bürger durch nicht besetzte Stellen gibt es ihren Angaben nach nicht. Denn es werden alljährlich viele Ausbildungsstellen angeboten in der Hoffnung damit viele künftige Beschäftigte für die Verwaltung zu gewinnen. Doch es sei schade, Ausbildungsplätze nicht zu besetzen, weil damit potenzielle künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlten. Als vielfältig und spannend beschreibt Beck die Ausbildung im Landratsamt. Es werde versucht, die Stellen für die Nachwuchskräfte online und in den Printmedien zu bewerben. Zudem werden Jugendliche und junge Erwachsene bei Ausbildungsmessen an Schulen und beim Tag der Ausbildung der gwt auf das Stellenangebot aufmerksam gemacht. Sogar über die Homepage des Bayerischen Landespersonalausschusses würden die freien Stellen beworben. Da es jedoch schwierig ist, die Stellen zu besetzen, arbeitet das Landratsamt mit einer Fachagentur für Personalwerbung an einem neuen Konzept.

Erfolgreich bei der Besetzung von offenen Stellen war die VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg. Laut Valerie Kolberg vom Vorstandsstab wurden für alle sechs ausgeschriebenen Stellen Auszubildende gefunden. In Vergangenheit sei es schon einmal vorgekommen, dass statt zehn lediglich neun Plätze besetzt werden konnten. Doch eine signifikante Knappheit habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Vielleicht liegt es daran, dass die Auszubildenden bei dem Geldinstitut viel Zeit in Spezialabteilungen verbringen dürfen, gibt Kolberg zu bedenken. Mittlere Reife oder Abitur werde für die Ausbildung der Bankkaufleute gefordert, etwa zwei Drittel der Berufsanfänger starten mit Abi-

tur oder Fachabitur in die Ausbildung. Geworben wird für die Stellen auch über das Internet, erklärt Valerie Kolberg.

Keine Probleme, die ausgeschriebenen Ausbildungsülätze zu besetzen, gab‘s auch beim Seefelder Elektronikdienstleister TQ Systems auf Gut Delling. Alle Plätze besetzt meldet Tim Schäfer, bei TQ zuständig im Personalwesen sowie für die Kaufmännische Ausbildung. Er betont, es sei ein Leichtes gewesen die sechs Azubi-Stellen im kaufmännischen Bereich und die sieben Elektroniker zu besetzen. „Wir haben jeweils zwischen 30 und 40 Bewerbungen bekommen“, so Tim Schäfer. Neben der Möglichkeit, in einem großen und bekannten Unternehmen seinen Beruf zu erlernen, punktet TQ Systems unter anderem durch seine hochwertige Ausbildung, die Nähe zur Heimatgemeinde und mit – als „Sahnehäubchen oben drauf“, so Tim Schäfer – einem eigenen Badeplatz am Wörthsee. Was den meisten jungen Leuten aber am meist am wichtigsten ist, ist die Aussicht auf Übernahme nach der Lehrzeit.

str/po

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