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„Note 5 für das Kultusministerium“: BLLV-Kreisverband Starnberg prangert Misere an den örtlichen Schulen an

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Von: Florian Ladurner

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BLLV Starnberg
Die Corona-Pandemie und der anhaltende Lehrermangel verschlimmern die Situation an den Landkreisschulen. Diese mahnenden Worte richteten unlängst Katharina Baur (BLLV-Kreisvorsitzende Starnberg), Nicole Bannert (stellvertretende BLLV-Kreisvorsitzende) und Hans-Peter Etter (Pressesprecher des BLLV Starnberg) im Rahmen einer Pressekonferenz an das bayerische Kultusministerium. © Photographer: Andrea Jaksch

Landkreis - Seit Dienstag, 16. November, gelten im gesamten Freistaat schärfere Corona-Regeln. Die neuen Maßnahmen treffen vor allem Ungeimpfte, die so vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden sollen. Vielerorts heißt das Zauberwort 2G. Die Innengastronomie sowie Hotels und Pensionen dürfen ab sofort nur noch geimpfte und genesene Gäste bewirten und beherbergen. Zudem gilt wieder eine striktere FFP2-Maskenpflicht in vielen Bereichen. Die 2G-Regelung trifft auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren, wenngleich die bayerische Staatsregierung nach erheblichen Protesten diese Regelung etwas aufweichen musste. Der Starnberger Kreisverband des Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverband (BLLV) schlägt angesichts des hohen Infektionsgeschehens und den sich daraus ergebenden Regelungen Alarm.

„Es wird immer schlimmer“, warnen Katharina Baur, Kreisvorsitzende des Starnberger BLLV, sowie ihre Stellvertreterin Nicole Bannert. Beide Lehrerinnen, die in Starnberg an der Mittel-und Grundschule unterrichten, üben ihren Beruf mit voller Leidenschaft aus. Allerdings bringt die anhaltende Corona-Pandemie die beiden Pädagogen an die Belastungsgrenze. So wie Baur und Bannert fühlen sich derzeit viele Lehrerinnen und Lehrer im Landkreis. Man vermisse die Wertschätzung für die tägliche Arbeit, die man an den Schulen leistet, erklären Baur und Bannert.

Lehrer fungieren seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht nur als Wissensvermittler und Erzieher, sondern sind auch für den reibungslosen Ablauf von Corona-Testungen und die Übermittlung der Testergebnisse an das örtliche Gesundheitsamt verantwortlich. Ein Brandbeschleuniger für die chaotischen Zustände ist der existierende Lehrermangel. Das Fehlen von qualifiziertem Personal verschärft, in Kombination mit der Pandemielage, die Situation an den Landkreisschulen, mahnen Baur und Bannert. Bestehende Schwächen die schon vor dem Ausbruch der Pandemie bekannt waren, treffen die Schulen nun mit voller Wucht. Eine ungleiche Besoldung sowie ein erhebliches Maß an Teilzeitkräften und Krankheitsfällen bilden die Basis für eine wachsende Unzufriedenheit bei den Lehrerinnen und Lehrern. Die vom bayerischen Kultusministerium initiierte Anwerbung von Quereinsteigern halten die beiden BLLV-Kreisvorsitzenden für weniger geeignet. Nach Ansicht von Hans-Peter Etter, Pressesprecher des BLLV Starnberg und Leiter der BLLV-Rechtsabteilung, untergräbt die Anstellung von Quereinsteigern die Lehrerausbildung. „Bayern leistet sich Billiglehrer“, so sein Fazit. Viele der Substitute weisen keinen pädagogischen Hintergrund auf und werden zudem schlecht auf ihre Arbeit vorbereitet. „Das ist eine Bankrotterklärung für die Bildung und trägt zur Verwässerung der Lehrerausbildung bei“, betont Etter.

Erschwerend hinzu kommt noch, dass die Pandemie auch bei der Elternschaft Misstrauen und Unverständnis gegenüber den einzelnen Schulleitungen und Lehrerschaften schürt. „Mein Kind braucht keine Maske“ heißt es vielerorts. Streitigkeiten mit Eltern gehören in Pandemiezeiten für viele Lehrer zur Tagesordnung. In extremen Einzelfällen werden diese sogar gerichtlich ausgetragen. Baur und Bannert zeigen sich auch besorgt, dass Eltern zunehmend den direkten Weg zum Schulamt gehen, um vermeintliche Probleme an der Schule anzuprangern. Ein wesentlicher Faktor für die derzeitige Misere ist für den BLLV-Kreisverband Starnberg auch das schlechte Corona-Management des bayerischen Kultusministeriums. „Note 5 für den Kultusminister. es fehlt an Absprache und den Blick in die Praxis“ , bilanziert Hans-Peter Etter.

Angesichts der Missstände wünscht sich der BLLV-Kreisverband Starnberg von Seiten des Kultusministeriums für die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer unter anderem mehr Wertschätzung sowie auch ein höheres Maß an Flexibilität, was die arbeitsspezifischen Aspekte betrifft. In den letzten Monaten wuchs das Aufgabenpensum, viele Lehrkräfte sind nahe am Burnout. Die tagtäglichen Bedrohungen und Einschüchterungsversuche seitens der Eltern lassen viele Lehrerinnen und Lehrer resignieren.

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