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Steigende Preise belasten auch die Betriebe im Landkreis Starnberg

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Der Angriffskrieg in der Ukraine und Chinas Null-Covid-Strategie habe auch Auswirkungen auf die Wirtschaft im Landkreis Starnberg.
Der Angriffskrieg in der Ukraine und Chinas Null-Covid-Strategie habe auch Auswirkungen auf die Wirtschaft im Landkreis Starnberg. © Sebastian Kahnert/dpa/Symbolbild

München/Starnberg - Die Stimmung der Wirtschaft in der Region hat sich vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Kriegs, Chinas Null-Covid-Strategie sowie starken Preissteigerungen und Engpässen spürbar verschlechtert. Der IHK-Konjunkturindex für die Stadt München sowie die Landkreise Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg bricht um zehn Punkte ein und liegt mit 113 Zählern in etwa auf dem Niveau des Frühjahrs 2021 während des Corona-Lockdowns.

Die Betriebe sind zwar aktuell mit ihren Geschäften noch weitgehend zufrieden, blicken aber mit Sorge auf die kommenden Monate. Die Zufriedenheit mit der Geschäftslage, die als eine Komponente in die Berechnung des Konjunkturindexes einfließt, legt im Vergleich zum Jahresbeginn sogar leicht zu. 45 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäfte als gut und nur 15 Prozent als schlecht. Weggefallene Corona-Einschränkungen sowie gut gefüllte Auftragsbücher bei Industrie und Baugewerbe haben zu der erfreulichen Entwicklung beigetragen. Belastungen melden aber 68 Prozent der Unternehmen aufgrund von starken Preissteigerungen bei Energie, Rohstoffen und Waren und 62 Prozent aufgrund von Material- und Rohstoffknappheit. Jedes zweite Unternehmen beklagt zudem Liefer-schwierigkeiten.

Mit Blick auf die kommenden Monate ist eine massive Verunsicherung spürbar. Die Geschäftserwartungen, die zweite Komponente der Indexberechnung, stürzen regelrecht ab. Ein Viertel der Unternehmen rechnet mit einer Belebung der Geschäfte, ein Viertel mit einer Eintrübung. Dazu tragen vor allem die hohen Energie- und Rohstoffpreise bei: 68 Prozent der Betriebe sehen in ihnen ein Geschäftsrisiko.

Fachkräftemangel und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bergen Geschäftsrisiken

Als weitere Geschäftsrisiken benennen 60 Prozent der Befragten den Fachkräftemangel und 48 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Die unsichere Gemengelage sorgt auch für Zurückhaltung bei den Investitionen. Die Dynamik lässt im Vergleich zum Jahresbeginn nach. Der Saldo der Investitionspläne – das heißt die Differenz zwischen der Anzahl von Unternehmen, die ihre Investitionstätigkeit erhöhen möchten, und jenen, die sie reduzieren wollen, sinkt im Vergleich zum Jahresbeginn von 22 auf zwölf Punkte. 26 Prozent wollen mehr investieren, 14 Prozent weniger. Ein abrupter Investitionsstopp zeichnet sich nicht ab. Die Beschäftigungspläne bleiben weitgehend stabil. 27 Prozent wollen neues Personal einstellen, elf Prozent hingegen Stellen streichen.

Gezielte Entlastung für Unternehmer gefordert

Otto Heinz, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising und Vizepräsident der IHK für München und Oberbayern, sieht die Politik vor großen Herausforderungen. „Es muss alles dafür getan werden, die Versorgungssicherheit und damit Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu erhalten. Gleichzeitig müssen wir zwingend die Abhängigkeit von Russland bei Energie und Rohstoffen reduzieren. Dafür brauchen wir wiederum einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien.“ Heinz mahnt gleichzeitig: „Das darf aber nicht bedeuten, dass diese Maßnahmen weitere Energie-Preisschübe auslösen, dann stünden die Alarmzeichen für unseren Industriestandort endgültig auf Rot.“ Heinz fordert deshalb gezielte Entlastungen für Unternehmen, die besonders unter den hohen Energiepreisen leiden.

Neue Freihandelsabkommen nötig

Außerdem müsse die Politik die Wirtschaft mehr bei der Diversifizierung ihrer Beschaffungsmärkte unterstützen. Dafür brauche es neue Freihandelsabkommen, unter anderem mit Lateinamerika, Indien, Australien und Neuseeland. Eine klare Absage erteilt der Vorsitzende allen zusätzlichen bürokratischen Belastungen der Wirtschaft.

Die Befragung der Unternehmen in der Landeshauptstadt München und den Landkreisen Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg für den IHK-Konjunkturbericht Region München fand im April 2022 statt. (kb)

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