+
Die Starnberger Heilige mit dem zarten Gesicht: Die Figur von Ignaz Günther, der Star des Museums Starnberger See, ist vermutlich eine Katharina. Das Gesicht ist farblich noch immer so, wie es der Künstler im Jahr 1755 konzipierte.

Kunstgeschichte

Der Krimi um Starnbergs Heilige

  • schließen

Starnberg - Die Starnberger Heilige ist vermutlich eine Katharina. Sie trug einst ein farbenfrohes Kopftuch und ein dunkelrotes Unterkleid, ergaben Recherchen des Landesamts für Denkmalpflege.

Die Starnberger Heilige ist vermutlich eine Katharina. Sie trug einst ein farbenfrohes Kopftuch und ein dunkelrotes Unterkleid, ergaben Recherchen des Landesamts für Denkmalpflege. Noch bis Sonntag, 27. November, hat die Figur aus dem 18. Jahrhundert einen Sonderplatz im Erdgeschoss des Museums Starnberger See.

Wen zeigt die Starnberger Heilige, das wertvollste Exponat des Museums Starnberger See? Seit dem Fund der Figur Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Klenze-Hof in Harkirchen haben sich viele Fachleute mit dieser Frage beschäftigt. Nun glaubt Restaurator Rupert Karbacher vom Landesamt für Denkmalpflege, den Krimi gelöst zu haben.

Die Figur, 1755 vom Bildhauer Ignaz Günther erschaffen und eines seiner Schlüsselwerke, war bis April vergangenen Jahres Teil der viel beachteten Rokoko-Ausstellung „Mit Leib und Seele“ in der Hypo-Kunsthalle in München. Im Anschluss wanderte sie ins Landesamt zur vorsichtigen Reinigung und Retusche, wo sich Karbacher mit ihr beschäftigte – und fasziniert war: „Die knapp unterlebensgroße Skulptur strahlt Anmut und Leichtigkeit aus, obwohl ihr beide Hände und jegliche Attribute fehlen“, schreibt er in seinem Bericht. Der Restaurator beschäftigte sich eingehender mit ihr – und machte eine Entdeckung.

An der rechten Wade der Heiligen befand sich nämlich eine mehrere Zentimeter große Öffnung, gefüllt mit Kitt. Diesen Kitt ließ Karbacher entfernen – zum Vorschein kam ein ausgesägtes Loch. „Dort würde ein Wagenrad hineinpassen“, erklärt die Starnberger Museumsleiterin Sibylle Küttner. Ein Wagenrad – das war auch der Hinweis für Karbacher. Das Rad ist das Symbol, mit dem die Heilige Katharina üblicherweise abgebildet wird (siehe Kasten). Außerdem gibt es eine ganz ähnliche Ignaz-Günther-Figur in einer Kapelle des Alten Peter in München. „Das ist derselbe Typus, aber nicht datiert. Und diese Figur hat das Wagenrad noch.“

Ist das Rätsel damit gelöst? Aber warum wurde die Wagenrad-Öffnung irgendwann überhaupt wieder geschlossen? Die Sache mit dem Kitt muss bei der einzigen umfassenden Restaurierung passiert sein, die die Starnberger Heilige bis dato erlebt hatte, glaubt Karbacher. Das war im Jahr 1939, als der Kustos des Heimatmuseums selbst zum Pinsel griff und die ganze Heilige in ein hellblaues Gewand steckte.

„Die Untersuchungen des Landesamts haben die jetzt sichtbare Fassung als eine sehr freie künstlerische Interpretation von 1939 identifiziert“, schreibt Karbacher. Der Kustos habe die differenzierte barocke Farbkomposition der Gewänder auf Weiß und Hellblau reduziert. Das hat Karbacher bei der genauen Untersuchung der Figur herausgefunden.

Allein das Kopftuch der Heiligen muss im Original ein Farbrausch gewesen sein: „Der Fassmaler von 1755 hatte mit seiner Gestaltung wohl Bezug auf die Herkunft der Heiligen Katharina genommen und einen hellgelben Stoff gestaltet, auf den ein blauer, ein grüner und drei weiße parallele Streifen aufgemalt sind.“ Damit habe er einen Damast imitiert, in den farbige Streifen eingewebt sind. Der Überrock des Kleides sei in einem intensiven Blau gehalten gewesen, der Unterrock in Bordeauxrot, die Bluse sei fast weiß gewesen.

Von diesen Originalfarben ist für den ungeschulten Betrachter nur noch etwas Blau unterhalb der linken Schulter zu finden. Vollständig und im Original erhalten sind dagegen das goldene Mieder, die Bemalung der Haare – die Perlen darin waren ursprünglich versilbert – und das Inkarnat, wie die Experten die Farbe der Haut bezeichnen.

Dass die Restaurierung von 1939 erst knapp 200 Jahre nach der Entstehung der Figur geschah, ist für die Kunsthistoriker ein großer Gewinn. Zum einen lesen sie daraus, dass die Figur sehr früh in Privatbesitz gelangt sein muss. Zum anderen lässt sich deswegen erkennen, wie Ignaz Günther die Figur konzipiert hat.

Fast zwei Jahre war die Starnberger Heilige nun in München. Museumsleiterin Küttner hat sie sich als Teil der Ausstellung „Mit Leib und Seele. Münchner Rokoko von Asam bis Günther“ angeschaut. Ihr erschien sie etwas unscheinbar präsentiert zwischen all den vergoldeten und farbigen Figuren – eben weil die Heilige nicht permanent aufgefrischt worden war.

Die Besucher des Museums Starnberger See können sich die Heilige noch bis Sonntag, 27. November, aus der Nähe anschauen. Danach wird sie wieder ihren angestammten Platz in der Kapelle des benachbarten Lochmann-Hauses einnehmen. Immer noch gut sichtbar, aber eben nicht mehr so nah.

Restaurator Karbacher ist übrigens davon überzeugt, dass die Heilige einst nicht alleine war. „Mit großer Wahrscheinlichkeit gab es ein Pendant, sodass sich am ursprünglichen Aufstellungsort zwei Figuren gegenüberstanden.“ Gab es also eine Partnerfigur? Das gilt es noch herauszufinden. Es bleibt spannend.

Auch interessant

<center>Fransen-Jaquardtuch Tanzende Tiere (rot)</center>

Fransen-Jaquardtuch Tanzende Tiere (rot)

Fransen-Jaquardtuch Tanzende Tiere (rot)
<center>Magnet mit Kuhflecken</center>

Magnet mit Kuhflecken

Magnet mit Kuhflecken
<center>Brotzeit-Brettl "Spatzl"</center>

Brotzeit-Brettl "Spatzl"

Brotzeit-Brettl "Spatzl"
<center>Trachten-Charivari Strassherz (Damen)</center>

Trachten-Charivari Strassherz (Damen)

Trachten-Charivari Strassherz (Damen)

Meistgelesene Artikel

Vermisste Lara: Neue Spur nach München
Gilching - Seit Dienstag wird die 16 Jahre alte Lara aus Gilching vermisst. Die Fahndung ist mittlerweile auf ganz Deutschland ausgeweitet. Am Samstag gab es eine neue …
Vermisste Lara: Neue Spur nach München
Neue Fahrzeuge und engagierter Nachwuchs
Die Buchendorfer Feuerwehrler sind zufrieden: Mit ihrer Nachwuchsarbeit und dass sie zwei neue Fahrzeuge bekommen.
Neue Fahrzeuge und engagierter Nachwuchs
Der Wille ist da, allein es fehlt die Gelegenheit
Wer heuer zünftig in den Mai feiern will mit Maibaumaufstellen, Tanz um den Baum und allem was dazu gehört, hat zwischen Starnberger und Ammersee eine vergleichsweise …
Der Wille ist da, allein es fehlt die Gelegenheit
Kulinarische Grüße aus dem Friaul
Der etwas andere Italiener hat in Starnberg seine Pforten geöffnet. Das „La Vineria“ bietet authentische Küche an der Kaiser-Wilhelm-Straße. 
Kulinarische Grüße aus dem Friaul

Kommentare