Vorgeschmack in voller Länge: Sebastian Bürck und Birgit Luft mit dem Gedicht, das auf den Stockdorfer „Kultur-Kiosk“ hinweist, der derzeit an der Bahnstraße entsteht.
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Vorgeschmack in voller Länge: Sebastian Bürck und Birgit Luft mit dem Gedicht, das auf den Stockdorfer „Kultur-Kiosk“ hinweist, der derzeit an der Bahnstraße entsteht.

Projekt der „Paletti“-Macher

„Kultur-Kiosk“ mit Kaffee und Lesungen

Im zuletzt als Kamin-Ausstellungsraum genutzten und danach leer stehenden Flachbau an der Stockdorfer Bahnstraße derzeit laufen die Sanierungsarbeiten auf Hochtouren. TV- Kameramann Sebastian Bürck und die Stockdorfer „Hexe“ Birgit Luft vom „Café Paletti“ eröffnen dort demnächst ihren „Kultur-Kiosk“.

Stockdorf - „Es ist Zeit, sagt die Zeit. Besinne dich... Ich bin da für dich, sagt die Zeit: Nutze mich…“ Mit einem Gedicht von Reinhard Lehmitz, abgedruckt auf einem ausgerollten Plakat, erläutern Sebastian Bürck und Birgit Luft ihre Pläne – wenn sie denn fertig sind. Denn der lichte Raum des Kulturkiosks mit seinen drei großen Schaufenstern ist derzeit noch Baustelle. „Wir machen alles selber“, erläutert Bürck. Seit Anfang April hat Bürck den einstöckigen Anbau aus der Nachkriegszeit gemietet. Weil schon vor vier Jahrzehnten ein Kiosk dort bestand, „brauchten wir keine Nutzungsänderung“. An die Schaufenster klopften regelmäßig Passanten und freuten sich, mit dem Zeichen „Daumen hoch“, dass wieder Leben dort einzieht, erzählt Birgit Luft.

Noch stapeln sich im künftigen „Kultur-Kiosk“ Lärchenholz-Bretter für den Boden. Im Rohbau fast fertig ist die geschwungene Theke. An der Stirnseite der ehemaligen drei Läden, in denen einst ein Milchgeschäft beheimatet war, entstehe eine kleine Holzbühne für Aufritte. Sieben Tage die Woche werde der „Kultur-Kiosk“ mit Laufkundschaft vom nahen Stockdorfer Bahnhof bespielt. Außer „coffee to go“ und Getränken gebe es im Stockdorfer „Späti“ auch kleinere Snacks, Zeitungen „für die Hosentasche“ und Bahn-Tickets. Vorgesehen seien zudem kleine Konzerte, Poetry Slams und Lesungen. Mit der Küche des gerade eröffneten Treffpunkts am nahen Harmsplatz plant Bürck er eine Kooperation. Von der Familie Rothmair, der auch die ehemalige Schreinerei gehört, habe er den direkt angrenzenden vorderen Anbau gemietet.

Reich werde man mit so einem „Kultur-Kiosk“ nicht, bekennt Sebastian Bürck. Seine Mitarbeiterin Birgit Luft, mit der er bereits das direkt angrenzende „Café Paletti“ betreibt, „lebt auf kleinem Fuß“, erläutert der Kameramann sein Alternativ-Konzept, das sich nicht nur um Geld geht. Deswegen sagt er auch „das waren schöne fünf Monate“ über das Corona-Jahr 2020 – wegen des „Café Paletti“. Vom 8. Mai bis 25. September gab es dort freitags Open-Air-Konzerte und mehr. „Das war ein Riesenerfolg wie ,gauting live‘“, dem Stream aus dem Bosco. Pro Auftritt hätten die Zuhörer den Musikern 700 bis 800 Euro in den Hut geworfen, freut sich Sebastian Bürck, der auch beim Gräfeflinger Kulturfestival aktiv ist, über die Solidarität der Würmtaler. Angeblich ist sein Café für den „Gautinger Oscar“, sprich den Klinge-Kultur-Preis, nominiert. Seine „Coffein-Soforthilfe“ mit Kaffee-Wagen und aufgespannter Hängematte nutzen nicht nur Ausflugsradler. Das „Paletti“ sei auch eine Art soziales „Dorfcafé“ der Stockdorfer. Unmittelbare Nachbarn kämen einfach mal zum „Ausspannen“ vorbei, einige sogar mit dem Rollator.

Gegenüber, vor dem hübschen Häuschen mit den grünen Läden, steht schon die Abrissbirne: „Hier, bei der Buchhandlung Schwab, habe ich als Schulkind meine Hefte geholt“, erinnert sich der Kraillinger Bürck mit Blick auf die Nachbarschaft. Auch der Bücher-Schaukasten der verschwundenen Buchhandlung hat ausgedient. Deshalb steht das Möbel, von Birgit Luft frisch renoviert, bereits im Hof des „Paletti“ – und demnächst ums Eck im neuen „Kultur-Kiosk“.

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