+
Vater Lüderitz: Adolf ist auf der Kulturspaziergang-Tafel zu sehen. 

Kulturspaziergang

Nein zu „Kolonialverbrecher“

Kempfenhausen - Auf einer der Info-Tafeln zur Geschichte der Gemeinde Berg ist der falsche Lüderitz abgebildet. Das soll sich ändern. 

Es ist der falsche Lüderitz - zumindest nicht der, der für Kempfenhausen relevant ist, wie Dr. Andreas Ammer (QUH) im jüngsten Gemeinderat aufdeckte. „Auf der historischen Tafel in Kempfenhausen ist ein tragischer Irrtum passiert“, sagte er. Der Hinweis auf die Lüderitz-Villa in Kempfenhausen, die Carl Lüderitz 1921 erwarb und 1938 wieder verkaufte, sei mit Vater Adolf illustriert. Der sei „einer der größten Kolonialverbrecher der Geschichte“. Er forderte mittelfristig eine Umbenennung des Lüderitzwegs in Kempfenhausen.

Der Weg sei nach der Villa und Sohn Carl benannt, sagte Rathauschef Rupert Monn. „Wir schauen uns die Tafel an, vielleicht kannman mit wenig Aufwand etwas schwärzen“, versprach er.

Dabei ist auf der Tafel faktisch nichts verkehrt. Sie erwähnt Carl Lüderitz, seinen Villen-Kauf sowie seinen Vater und dessen Aktivitäten. Adolf Lüderitz (1834-1886) kaufte von den Herero Land im heutigen Namibia und zog den afrikanischen Volksstamm dabei gehörig über den Tisch. Er war Begründer der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Auf der Tafel ergänzt ein Porträt Adolfs die Ausführungen. Von Sohn Carl gibt es kein Foto, aber Informationen über sein Berufsleben: „Sein Sohn Carl wurde Konsul in den Vereinigten Staaten und vertrat die deutsche Industrie in Baltimore“, steht auf der Tafel.

Die Lüderitz-Villa am Sonnenleitenweg war die frühere Villa Kap Herr oder „Alte Eichen“. Sie war bis 2012 denkmalgeschützt – dann vernichtete ein Brand große Teile des Gebäudes. Die Eigentümer bauten das Haus wieder auf.

Statt nach Lüderitz könnte der Weg nach dem Pater benannt werden, der beim Todesmarsch 1945 mehreren KZ-Häftlingen das Leben rettete, schlug Ammer vor. 

edl 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ländlicher Charakter im Fokus
Sieben Ortsteile wollen das grünste Dorf im Landkreis Starnberg werden. Die Jury war jetzt unterwegs. Die Entscheidung wird im November verkündet.
Ländlicher Charakter im Fokus
Vorstoß für zwei grüne Männchen
Die Stadt Starnberg ist ungeachtet der Behörden-Einschätzung für eine andere Ampel-Regelung an Münchner Straße.
Vorstoß für zwei grüne Männchen
Auf Hausbesitzer warten knifflige Versicherungsfragen
Was mache ich, wenn mein Baum auf Haus und Garten eines Nachbarn stürzt? Mancher Hausbesitzer hat erst nach dem Gewittersturm Anfang August bemerkt, dass er …
Auf Hausbesitzer warten knifflige Versicherungsfragen
Elektroautos zum Teilen
Ein Fahrzeug, mehrere Nutzer: Solche Carsharing-Modelle fallen mehr und mehr im Landkreis Starnberg auf. Und zwar mit Elektroautos - mal für bestimmte Kreise, mal für …
Elektroautos zum Teilen

Kommentare