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Arneitseinsatz: Gottfried Jais Sen. persönlich bugsierte das vom LBV renovierte zweite Brutfloß mit dem Frontlader in den Baggersee.

Landesbund für Vogelschutz

Eine Heimat für die Fluss-Seeschwalbe

Gilching - Der LBV freut sich über ein zweites Brutfloß im Gilchinger Baggersee: Die Fluss-Seeschwalbe ist vom Aussterben bedroht.

Die Fluss-Seeschwalben legen tausende von Kilometern zurück, wenn sie aus dem Süden Afrikas nach Bayern fliegen. Leider finden sie hierzulande aber immer weniger Brutplätze. Nach Angaben des Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist die Vogelart im Freistaat bereits vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. In Gilching hat die Fluss-Seeschwalbe zum Glück ihren festen Platz: Auf dem Brutfloß im Baggersee von Gottfried Jais sen. lassen sich jedes Jahr ein bis zwei Paare nieder. Jetzt ist eine zweite Plattform dazugekommen, und der LBV hofft auf mehr Brutpaare. Die aktiven Vogelschützer um die Gilchinger Stefan Schilling, Richard Riedl und Tobi Zehetmair, unterstützt von Günther Paschek und Peter Witzan, hatten jüngst mit Franz Wimmer die Holzteile eines alten Floßes wieder hergerichtet. Mit seinen wuchtigen Schwimmkörpern aus Stahltonnen werde es wieder ein paar Jahre halten, meinen die Vogelschützer, die glücklich sind, den Baggersee als Brutstätte für die Fluss-Seeschwalben nutzen zu dürfen. „Wir sind Herrn Jais sehr dankbar, dass er neben dem Neubau-Floß, das der LBV 2015 in den Baggersee einbringen konnte, nun auch dem zweiten Floß zugestimmt hat“, betont LBV-Kreischef Horst Guckelsberger. Die natürlichen Brutplätze des „Weltmeisters im Weitstreckenflug“ sind in Oberbayern rar geworden, klagen die LBV-Verantwortlichen. Kiesinseln in den Alpenflüssen gibt es nicht mehr viele, „denn Hochwasserregulierung und Freizeitdruck haben alle diese Brutstätten unbrauchbar gemacht“. Brutflöße wie die zwei im Gilchinger Baggersee würden nun die Zeit überbrücken, bis Flussrenaturierungen den Vögeln wieder natürliche Rückzugsräume bieten. Gottfried Jais sen. persönlich bugsierte das zweite renovierte Brutfloß Mitte März in den See. „Es ist unglaublich, mit wie viel Feingefühl ein derart großer Frontlader bewegt werden kann“, lobte LBV-Chef Guckelsberger. „Da merkt man, dass Herr Jais von Kindesbeinen an begeisterter Baggerfahrer ist.“ Die Plattformen sind im See, jetzt können die Vögel kommen. Unterwegs sind sie schon lange: Laut Guckelsberger dauert ihre Anreise drei Monate. Mitte April landen die Fluss-Seeschwalben in Bayern und bleiben bis Mitte August. In dieser Zeit legen sie ihre Eier, brüten sie aus und ziehen die Jungvögel groß. Dann geht es zurück nach Afrika auf die 6000 bis 8000 Kilometer lange Reise. Zu den Fluss-Seeschwalben werden sich heuer auch wieder zahlreiche Lachmöwen gesellen, berichtet Guckelsberger. Das sei zu begrüßen, weil sich die Vogelarten beim Brüten gegenseitig beschützen. „Bei einer gemeinsamen Luftabwehr haben Habicht und Co. keine Chance“, weiß Guckelsberger. Der LBV bittet dringend darum, die Vögel im Baggersee nicht zu stören. Weil dieser noch bewirtschaftet werde, sei dort das Baden zu gefährlich und daher ohnehin verboten. Doch auch andere Störungen – zum Beispiel durch ferngelenkte Boote – müssten unbedingt vermieden werden.

jvr

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