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Hier wird für Sie gebaut: Manche Gemeinden bauen mehr Wohnungen, manche weniger, um dem starken Zuzug gerecht zu werden. Da nicht alle freien Flächen zugebaut werden sollen, braucht es aber auch andere Lösungen.

Immobilienmarkt

Strategien gegen die Wohnungsmisere

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Landkreis - Der Zuzug in den Landkreis ist enorm. Nur vier Gemeinden schaffen es, dem mit neuen Wohnungen Stand zu halten. Bürgermeister und Unternehmen sprechen über mögliche Lösungen.

Andechs ist der landkreisweite Spitzenreiter. In der Klostergemeinde wurden seit 2005 anteilig die meisten neuen Wohnungen (298) geschaffen, wie neue Zahlen des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München belegen. Das Kuriose: Dieses Wachstum um knapp ein Viertel reicht in Andechs bei weitem nicht aus, um dem Zuzug zu genügen. Zwischen 2011 und 2014 wurden beispielsweise 52 neue Wohnungen gebaut – gebraucht hätte es aber noch 43 weitere. Mit diesem Problem ist Andechs nicht alleine. Nur vier Gemeinden schaffen es, den zugezogenen Bürgern genügend Wohnungen zur Verfügung zu stellen: Seefeld, Pöcking, Herrsching und Feldafing.

Wir geben einen Überblick, wie es derzeit im Landkreis aussieht – und wie Experten die Lage einschätzen.

Das sind die Spitzenreiter

Neben Andechs hat Seefeld das größte Plus an neuen Wohnungen. Bürgermeister Wolfram Gum sagt auf Nachfrage: „Das überrascht mich brutal.“ Allerdings habe die Gemeinde in Sachen Ortsverdichtung viel getan. Unter dem Strich bedeutet das laut Planungsverband: 683 neue Wohnungen innerhalb von zehn Jahren. Vor allem die Anzahl der Einfamilienhäuser ist demnach gestiegen. Auch Weßling gehört zur Spitzengruppe der Wohnungs-Neubauer. 405 neue Wohnungen sind es in dem genannten Zeitraum. Damit kann fast der gesamte Zuzug bewältigt werden. In Seefeld sind es laut Statistik gar 102 Prozent des Bedarfs, die gedeckt sind (Zahl von 2014).

Das sind die Unausgeglichenen

Die Gemeinde Feldafing hat mit 0,41 Prozent den geringsten Zuwachs an neuen Wohnungen. Woran das liegt? Bürgermeister Bernhard Sontheim sagt: „Wir haben nicht so viele Entwicklungsmöglichkeiten wie andere Gemeinden – weil wir von anderen Kommunen, Landschaftsschutzgebieten und dem Golfplatz umgeben sind.“ Die Gemeinde habe zwar Grundstücke. „Aber die wollen wir ohne Not nicht verkaufen.“ Vor allem müsse die Gemeinde abwarten, bis die Bundeswehr 2020 vollständig aus dem Ort abgezogen ist. Dann hat Feldafing 31 Hektar zur Verfügung, die theoretisch für Wohnraum verwendet werden könnten.

So ist die Lage in der Stadt Starnberg

553 neue Wohnungen wurden in der Kreisstadt innerhalb von zehn Jahren gebaut – bei weitem nicht genug. „Wir werden die Nachfrage nie erfüllen können“, sagt Bürgermeisterin Eva John. Allerdings sollen bis Juli kommenden Jahres mögliche Flächen für neue Wohnungen bekannt sein. Die Stadtverwaltung prüfe bis dahin, in welchen Gebieten welche Wohnungsarten möglich seien – natürlich nur bei Flächen, wo die baurechtlichen Voraussetzungen passen.

Die Bürgermeisterin fasst die Lage in Starnberg so zusammen: „Durch die öffentliche Hand ist nicht viel gebaut worden. Von daher ist es ganz wichtig, dass wir als Stadt viel mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.“ Das sei durch Geschosswohnungsbau möglich, wie er beispielsweise auch innerhalb des Einheimischenmodells am Wiesengrund realisiert werden soll (wir berichteten). Bezahlbarer Wohnraum ist mittlerweile vor allem ein recht plakativer Begriff geworden. Daher fordert John: „Wir müssen nicht nur darüber reden, sondern es auch machen.“

Das sagen die Unternehmen

Die Anzahl der Wohnungsneubauten im Landkreis beschreibt gfw-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter als „überschaubar“. Der oberste Wirtschaftsförderer im Landkreis bekommt die Klagen der Unternehmen natürlich zu hören. „Für einige ist das ein gravierendes Thema“, sagt er. Die Unternehmen haben immer größere Probleme damit, Fachkräfte zu gewinnen. Dass die Quadratmeterpreise im Landkreis auch aufgrund des Wohnungsmangels so hoch sind, sei für Mitarbeiter vieler Branchen ein Problem: „Etwa im sozialen Bereich, in der Produktion oder aus der Gastronomie.“ Das Problem sei landkreisweit omnipräsent.

Eine Lösung? „Im Landkreis wird schon sehr viel gebaut.“ Aber auch wenn Unternehmen für Mitarbeiter Wohnungen bauen, seien diese immer sofort vergeben. Zudem mahnt Winkelkötter: „Nur weil wir Wohnungen brauchen, können wir nicht die ganze Landschaft zubauen. Wir müssen genau eruieren, wo es Sinn macht.“ Daher schlägt Winkelkötter diese Lösung vor: „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum – die Orte müssen verdichten und neue Flächen ausweisen.“ Zugleich aber sollte der ÖPNV landkreisübergreifend verstärkt werden. „Der Expressbus 900 von Fürstenfeldbruck nach Starnberg ist für mich ein Paradebeispiel.“

Das sagen Immobilien-Experten

„Es gibt eine Verknappung in allen Segmenten“, lautet das Urteil von Immobilienfachwirt Florian Glas. Der Geschäftsführer der Starnberger See Immobilien sagt: „Es wird zu wenig gebaut.“ Gilching sei eine Ausnahme: „Dort wird viel Bauland ausgewiesen.“ Vor allem in Feldafing, Pöcking, Tutzing und Starnberg aber gebe es zu wenig Angebot. Zudem handle es sich beim Landkreis „um den beliebtesten Wohnbereich in ganz Deutschland“. Im schnelllebigen Arbeitsmarkt sei auch schwierig, „dass viele Mietwohnungen von privat zu privat vergeben werden“. Viele seiner Kunden könnten so nicht schnell auf einen Arbeitsplatzwechsel reagieren. Immoblien-Experte Glas sieht die Gemeinden am Zug: „Der Platz wäre vorhanden.“ Aber Ausweisung als Bauland sei vielerorts ein Politikum. Und die stark steigenden Preise für Grundstücksflächen ein großes Problem: „Das spült Einheimische mehr und mehr aus ihren Orten heraus.“

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