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Stau auf der A 96 wie hier bei Freiham gehört für viele Pendler aus dem Landkreis Starnberg zum Alltag. 

Staufalle A 96

28 Unfälle in nur zwei Monaten

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Mit der Zahl der Unfälle steigt die Anzahl der Staus auf der A 96. Es gibt aber mehr Gründe für den Pendler-Verdruss. Die Vorarbeiten für den Ausbau der Autobahn dürften die Situation ab Montag verschärfen.

Landkreis – Für Fahrten im Berufsverkehr plant Wilhelm Krautsieder (49) schon lange mehr Zeit ein. Der Inhaber von Taxi Willi aus Gilching und Starnberg sagt: „Die Staus etwa auf der A 96 haben zugenommen und werden weiter zunehmen.“ Der Taxifahrer betont aber: „Baustellen oder der Etterschlager Tunnel sind nicht das Problem.“ Es gebe mit Gilching, Oberpfaffenhofen und Wörthsee zu viele Auffahrten hintereinander. Zudem sei die Fahrweise vieler oft „egoistisch und rücksichtslos“. Weil Fahrer bei Geschwindigkeitsbegrenzungen oft abrupt bremsen, „gibt es dann einen selbst gemachten Stau“. Und der geht ins Geld. „Viele Fahrten rentieren sich dann gar nicht. Manchmal bekomme ich acht Euro, brauche aber eine halbe Stunde, um zurückzukommen – wo ich früher zehn Minuten gebraucht habe.“

Neues Autos mit moderner Technik verzögern oft den Abtransport

Wie Krautsieder geht es vielen Pendlern im morgendlichen und frühabendlichen Berufsverkehr. Doch warum haben die Staus im Landkreis, besonders auf und neben der A 96, so spürbar zugenommen? Weil auch die Anzahl der Unfälle gestiegen ist. Das sagen Feuerwehr, Polizei und die Statistik. In den ersten beiden Monaten des Jahres waren es im Bereich der A 96 zwischen Wörthsee und Germering 28 – davon 19 in Fahrtrichtung München und neun in Richtung Lindau. Vor einem Jahr waren es im gleichen Zeitraum nur 17.

„Von einem Unfallschwerpunkt kann man dennoch nicht sprechen“, sagt Peter Muck von der Verkehrsinspektion Fürstenfeldbruck. Aber: „Im Berufsverkehr reicht in dem Bereich schon ein kleiner Auffahrunfall, dann steht oft bis 10 Uhr alles.“ Ein Kollege ergänzt: „Viele neue Autos sind hochtechnisiert und lassen sich nicht mehr bewegen, wenn die Airbags aufgegangen sind – sehr zu unserem Leidwesen.“ Denn das bedeute oft eine halbe Stunde Vollsperrung, bis die Besatzungen der Abschleppwagen ihre Arbeit verrichtet haben.

Kreisbrandrat über Staus: „Grundsätzlich ist das nicht bedenklich“

Ein weiteres Extrem sind die Höhenkontrollen an den Tunneln Etterschlag und Eching. Diese werden oft ausgelöst, sperren den Tunnel und sorgten zuletzt am Mittwochabend deswegen für Stau. „Mal wieder“, sagt ein Sprecher der VPI Fürstenfeldbruck. „Es dauert halt, bis wir hingefahren sind.“ Vor Ort kümmern sich die Beamten um den Verursacher, eine technische Zentrale gibt das Signal wieder frei. Erst dann darf der Verkehr wieder rollen.

Für Pendler ist das Stehen im Stau ärgerlich – für Einsatzkräfte, die zu einem Unfallort eilen müssen, bisweilen dramatisch. Immer wieder kursieren Bilder und Videos von Staus, in denen Autofahrer keine Rettungsgasse bilden. Kreisbrandrat Markus Reichart sagt jedoch über Staus bei Einsatzfahrten: „Grundsätzlich ist das nicht bedenklich. Wir können die Einsatzstellen gut erreichen.“ Auf der A 96 seien Rettungsgassen bislang „in der Regel ziemlich schnell gebildet worden, sodass wir auf der Fahrt zur Einsatzstelle nur minimale Verzögerungen haben“, sagt Reichart. Das Problem seien Baustellenbereiche.

Möglicherweise wird A96 bei Einsätzen voll gesperrt

Die gibt es ab Montag wieder auf der A 96. Reichart: „Da fehlt dann der Standstreifen, und es kann sich keine Rettungsgasse bilden, weil die Fahrspuren zu eng sind.“ Seit dieser Woche ist klar, wie die Feuerwehr darauf reagieren wird. Bei Unfällen werden Einsatzkräfte zweier Dienststellen alarmiert und fahren den Unfallort von beiden Spuren aus an. „Damit haben wir ausreichend Löschwasser und hydraulische Rettungsgeräte am Einsatzort.“

Diese Alarmtechnik ist bei den Feuerwehren gängige Praxis und wurde zuletzt etwa vor einem Jahr auf der A 952 eingesetzt. „Da haben wir beim Einsatz sogar beide Spuren vollgesperrt“, sagt Reichart. Bei einem größeren Unfall sei das nun auch für die A 96 denkbar. Dann würden die Autofahrer auf der letztmöglichen Ausfahrt rausgeleitet. Und das, obwohl in den Gemeinden an den Autobahnen oftmals ebenfalls starker Verkehr herrscht.

Gaffer sorgen für Stau: „Da wird erst einmal geschaut“

Reichart betont aber: „Wir haben da schon Augenmaß. Es geht darum, dass wir effektiv helfen und die Sicherheit der Einsatzkräfte nicht gefährden.“ Ein Erlebnis vor einiger Zeit war dem Kreisbrandrat eine Lehre: ein Einsatz, schnelle medizinische Hilfe war gefragt. Die Feuerwehr sperrte daher schnell und provisorisch ab, stand mit Blaulicht auf dem Standstreifen. „Die Autos sind trotzdem mit 140 Stundenkilometern direkt an uns vorbeigeschossen.“

Sicherheit soll für die Helfer aber keine Glückssache sein. „Daher sperren wir, wenn die Feuerwehr nicht hinter der Leitplanke arbeiten kann“, erklärt der Kreisbrandrat. Keine Kompromisse. Eines soll in jedem Fall verhindert werden: ein Folge-Unfall. „Das wäre das Schlimmste.“

Die Sicherung bedeutet Verzögerung. Die verursachen Fahrer aber auch selbst. Bei einem Unfall verlangsamt sich der Verkehr auf der Gegenspur. „Da wird ganz langsam dran vorbeigefahren, erst einmal geschaut“, sagt Reichart und vermutet: „Das ist wahrscheinlich menschlich.“

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