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Ein Aushängeschild: Das Starnberger Landratsamt gilt architektonisch als gelungen, jetzt soll im gleichen Stil ein Anbau hinzu kommen. Doch die Kosten dafür explodieren sprichwörtlich.

Verschuldung

Landkreis prescht in die Spitzengruppe

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Landkreis – Der Landkreis Starnberg macht Schulden. Jede Menge Schulden. Im Vergleich mit anderen Landkreisen in Oberbayern steht er zwar immer noch ganz gut da. Aber ein Ende der Kreditaufnahme ist nicht absehbar.

Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler hat auf alle Fälle den Kanal voll. Sie beantragt, dass die Verwaltung im Rahmen der nächsten Kreistagssitzung Anfang Juni eine Aufstellung sämtlicher beschlossener Investitionen nebst deren Finanzierung erstellt – mit Ausblick auf die entstehende Gesamtverschuldung des Landkreises.

Diese Liste soll im Anschluss priorisiert werden – nach Dringlichkeit, Finanzierbarkeit und unter Berücksichtigung der Kreisumlage. Damit wird vor allem der Sorge um eine wachsende Belastung der Gemeinden im Landkreis Ausdruck verliehen. Denn nahezu das gesamte Geld, das dem Kreis zur Finanzierung seiner Aufgaben und Vorhaben zur Verfügung steht, müssen die Gemeinden über die so genannte Kreisumlage an das Landratsamt überweisen. Verschuldet sich der Landkreis weiter derart, droht ein immer höherer Beitrag der Kommunen, um Zins und Tilgung finanzieren zu können.

Allein in diesem Jahr soll die Kreditsumme auf bis zu rund 60 Millionen Euro steigen. Betrug die Pro-Kopf-Verschuldung des Landkreises 2015 noch rund 35 Euro, werden es Ende 2016 immerhin 485 Euro sein.

Das ist immer noch nicht mal die Hälfte des Schuldenbergs, der beispielsweise auf dem Landkreis Miesbach lastet, aber für viele Kreisräte dennoch ein Anlass zur Sorge. Denn die neuen Schulden, die das Landratsamt in diesem Jahr macht, dienen vorerst vor allem dazu, diverse Asylunterkünfte zu errichten (wir berichteten). Verbunden mit der Hoffnung, dass man die Anlagen in den nächsten acht Jahren an die Regierung von Oberbayern vermieten kann.

Die richtig großen Investitionen indes tauchen noch gar nicht im 2016-er Haushalt auf. Auch nicht der um mehr als das Doppelte teurer gewordene geplante Anbau an das Landratsamt. Oder der millionenteure Bau eines weiteren OPs im Klinikum Seefeld. Oder der Neubau des Gymnasiums Herrsching, der nach groben Schätzungen weit mehr als die ursprünglich geplanten 38 Millionen Euro kosten wird. Auch der Neubau der FOS in Starnberg taucht in der Liste bislang noch gar nicht auf. Parallel dazu werden derzeit etliche Neueinstellungen beim Landkreis getätigt. Es besteht also die Gefahr, dass die Pro-Kopf-Verschuldung im Landkreis sich in den kommenden Jahren in astronomische Höhen aufschwingen wird.

Im Kreistag sorgte das schon wiederholt für Unmut. Kein Wunder, sitzen hier doch zahlreiche Bürgermeister. Und die müssen am Ende über die Kreisumlage die Rechnung bezahlen.

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