Mal wieder richtig abrocken: Die Ammersee-Engel begeistern ihr Publikum nicht nur mit Musik und lustigen Frisuren. Alle Vorstellungen Anfang Januar sind ausverkauft. Foto: jaksch

Vom Alltag ins Spektakel

Inning - In Inning kitzelt die Theatergruppe Ammersee-Engel die Lachmuskeln ihrer Gäste. Kein Wunder, das aktuelle Stück heißt "Leberkäs und rote Strapse".

Innerhalb von drei Wochen waren alle Vorstellungen ausverkauft. Zum fünften Mal schon standen die Ammersee-Engel mit einem Lustspiel in drei Akten von Regina Rösch im Inninger Spectacel auf der Bühne. Und heuer begeisterten die Darsteller am Sonntag Groß und Klein mit „Leberkäs‘ und rote Strapse“ - und diesmal drehte sich alles um den zermürbenden Alltag, der selbst die feurigste Leidenschaft zum Erlöschen bringt.

Am Sonntag teilte sich der Vorhang, und die Zuschauer saßen mit vier Damen im zum Frisörsalon umgebauten Wohnzimmer. Dort bemühte sich Emilie Meister (Claudia Keil) aus Versehen mit Sahne statt Festiger um die Haarpracht der Freundinnen. Die Frauen feuerten im Sekundentakt giftige Spitzen aufeinander ab. Etwa Gertrud Pfeifer (Irmi Herrmann) in Richtung Margarete Bundschuh (Karin Wittenberger): „Sie hot scho org dünne Hoor!“. Es wurde geratscht, getratscht und kräftig abgelästert. Über die Gärtnerei Busch, die für eine Primel 2,50 Euro verlangt. Daran sei der Ölpreis schuld, rechtfertigte Hedwig Busch (Evi Kaiser) die stolzen Preise. Ob sie mit Öl gieße, fragte Emilie erstaunt.

Dann schwenkte der Scheinwerfer von den tratschenden Weibern in die Wohnstube der Bundschuhs. Hungrig stürmte Friedhelm (Peppi Wittenberger) durch die Tür. Sein größtes Glück: genügend Leberkäs im Kühlschrank. Überhaupt ging bei ihm die Liebe ausschließlich durch seinen Magen, und die Stimmung strebte dem Tiefpunkt entgegen, als er statt einer warmen Mahlzeit die Nachricht vorfand, er müsse sich vorläufig mit einer Brotzeit begnügen. Nach und nach tauchten die beiden anderen (ebenfalls sträflich vernachlässigten) Männer Peter Busch (Robert Steiner) und Sepp Pfeifer (Christian Ritzer) auf und stimmten in das Wehklagen über die Angetrauten ein. Sehnsüchtig schwelgten sie in Erinnerungen. Damals, als Friedhelm noch in goldenen Plateauschuhen… - damit habe er seine Frau rumgekriegt, sinnierte der Finanzbeamte.

Die Scheinwerfer beleuchteten erneut die Damen in der Frisierstube, brachten den Perspektivenwechsel mit sich. Margarete nämlich erschauderte beim Gedanken an die Plateauschuhe. Gemeinsam hatten Mann und Frau die Klagen über den unternehmungsunlustigen Ehepartner. Und während sich beide Parteien bemitleideten, kam mit der Bardame Liane Kowalski (Heike Thorwächter) und Dr. Dr. Müller Tiefensee (Georg Schlögl) frischer Wind in die Gesellschaft. Unabhängig voneinander überredeten sie die in Selbstmitleid zerfließenden Gatten und Gattinnen in „Minga“ so richtig abzufeiern - und in „Minga“ gab es wegen einem Polizisten (Marcus Schlögl) einen wahrlich spektakulären Showdown im Inninger Spectacel. Belohnt wurde der Auftritt mit anhaltendem Applaus.

Von Michèle Kirner

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