Geständig und strafrechtlich bislang unbescholten kam der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe davon. Foto: gut

Der kleine Finger und die Folgen

Landkreis Starnberg - Wegen versuchter sexueller Nötigung, Körperverletzung und Exhibitionismus musste sich ein 53-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Sache mit dem kleinen Finger ging für einen 53-jährigen Mechaniker deutlich in die Hose. Erst fühlte sich der verheiratete Mann von seiner gehörlosen Arbeitskollegin mit der Finger-Geste als Anspielung auf seinen mutmaßlich kleinen Penis verspottet. Dann wehrte sich der Mann auf eine Art.

Stein des Anstoßes: Immer wieder hatte der gekränkte Familienvater versucht, seine Kollegin von Potenz und Größe seines Geschlechtsteiles zu überzeugen. Für Richterin Brigitte Braun galt die nachhaltige Belästigung am Arbeitsplatz nicht als Bagatelle: „Dass das für die Geschädigte kein Spaß war, haben Sie sicherlich gemerkt.“ Schwer wog aus Sicht des Staatsanwaltes zudem, dass die taube Frau ein besonders schutzloses Opfer gewesen sei. Wegen seiner positiven Sozialprognose und weil er bis dahin unbescholten war, kam der geständige Angeklagte um eine Haftstrafe herum. Die Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten koppelte das Gericht mit der Zahlung von 1800 Euro an das Opfer.

Gut 15 Jahre lang arbeiteten Angeklagter und seine Kollegin in einer Schicht. Erst nachdem die belästigte Frau Anzeige erstattet hatte, wurde der Angeklagte im Juli 2013 fristlos aus der Firma entlassen. Im Kollegenkreis sei das gelegentliche Abspreizen des kleinen Fingers als Zeichen für den „kleinen Zipfel“ spaßiges Ritual gewesen. Ab April 2013 wollte sich der Angeklagte diesen Scherz offenbar nicht mehr gefallen lassen. Immer wieder stellte er seiner Kollegin nach und entblößte sich vor ihr. Im Mai lauerte der 53-Jährige der schockierten Frau in der Kantine auf und onanierte auf ihre Zeitung. Im Juli packte er sein Opfer im Bereich der Herrenumkleide und versuchte, ihre Hand mit Gewalt an seinen Penis zu ziehen.

„Was geschehen ist, ist geschehen. Sie ist eine stumme Frau - wie können wir uns das vorstellen? Ich möchte mich bei ihr entschuldigen“, ließ der 53-Jährige im Gerichtssaal durch seinen Dolmetscher übersetzen. Da Verständigungsprobleme offensichtlich waren, machte das Gericht einen zweisemestrigen Deutschkurs zur Bewährungsauflage für den seit 26 Jahren in Deutschland lebenden Immigranten. Seine Einlassung, es habe sich bei den Entblößungen letztendlich nur um Späße gehandelt, wollte die Justiz dem 53-Jährigen nicht abnehmen.

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