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Notunterkunft mit wenig Privatsphäre: In den Zeltstädten wie hier in Tutzing sind 12 bis 20 Flüchtlinge in einer Wohneinheit untergebracht. 

Analyse

Übergriffe in Asylunterkünften: Haben wir ein Gewaltproblem?

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Landkreis Starnberg - Die Meldungen häufen sich: Immer wieder geraten Flüchtlinge aneinander. Die Polizei hat bei der Aufklärung der einzelnen Straftaten große Probleme. Woran liegt das?

 In Gilching gibt es einen Großeinsatz der Polizei, nachdem Asylbewerber untereinander handgreiflich geworden sind. In Tutzing geht ein Asylbewerber auf einen anderen mit einer Schere los. Am Wochenende fließt vor dem Aldi in Tutzing Blut: Mehrere Asylbewerber – Afghanen und Pakistaner – geraten aneinander.

Haben wir ein Gewaltproblem in den Flüchtlingsunterkünften des Landkreises? „Soweit würde ich nicht gehen“, sagt Stefan Diebl, der Pressesprecher des Kreises. Aber ja, es komme in letzter Zeit vermehrt zu Reibereien und Polizeieinsätzen. Und nein, das sei nicht wirklich verwunderlich. „Da spielen drei Faktoren rein“, sagt Diebl. Einer sei natürlich, dass Woche für Woche 53 Flüchtlinge zusätzlich in den Landkreis kämen. Menschen, die irgendwo untergebracht werden müssen.

„Das bringt uns zu Problem Nummer zwei“, meint Diebl: „Die Unterkünfte sind deutlich größer geworden als zu Beginn.“ Und nicht nur das: „Faktor drei ist: Die Asylbewerber müssen längere Zeit als bisher in den Gemeinschaftsunterkünften verbringen.“ Dabei unterscheiden sich die einzelnen Unterkunftstypen insbesondere mit Blick auf das Maß an Privatsphäre für die Bewohner deutlich.

Vergleichsweise luxuriös ist die Situation in den Containerdörfern. Hier teilen sich jeweils sechs Flüchtlinge eine Wohneinheit mit eigener Küche und eigenem Sanitärbereich. 144 Plätze bietet ein solches Containerdorf maximal, sagt Diebl.

Obwohl die neue Traglufthalle in Gilching ein Riesending ist, soll es in ihrem Inneren auch vergleichsweise kleinteilig aussehen, verspricht der Pressesprecher des Landkreises. Insgesamt 32 Einheiten zu je sechs Plätzen sollen entstehen. Dazu käme ein Aufenthalts- und Wohnbereich, damit die Flüchtlinge nicht den ganzen Tag auf den Betten hocken müssen.

Schwieriger ist die Situation da schon in Zeltlagern wie derzeit in Pöcking. „Hier gibt es 12er und 20er Wohneinheiten“, berichtet Diebl. Da ist kaum noch Privatsphäre möglich, obwohl es einen separaten Aufenthaltsbereich gibt. Noch schwieriger ist die Lage in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gilching. Von den maximal 277 Plätzen in der Turnhalle sind momentan 250 belegt. Verhängte Stellgitter teilen die Halle ab. Dennoch bedeuten die mindestens sechs Wochen, die die Asylsuchenden hier verbringen müssen, bevor sie auf andere Einrichtungen verteilt werden, jede Menge Stress für die Betroffenen. Was in letzter Zeit immer öfter für Gewalt und Schlägereien sorgt. „Da reichen Kleinigkeiten wie der Streit um ein Handyladekabel und die Lage eskaliert“, meint Diebl. Eine politische Motivation sei dabei bisher kaum erkennbar.

Die Polizei ermittelt in den Fällen der vergangenen Tage und Wochen. Doch das sei schwierig, berichtet der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Starnberg, Frank Brosch. Auch er stellt fest, dass die Zahl der Streitereien unter Asylbewerbern zunimmt. Mal in den Unterkünften selbst, aber auch in der Öffentlichkeit.

Immer häufiger spiele auch Alkohol eine Rolle. Was die Aufklärung nicht einfacher mache, sagt Borsch. „Wir fahren vor Ort, trennen die Parteien. Und stoßen auf eine Sprachbarriere. Zeugenaussagen aufzunehmen, wenn beide Seiten sich auf Englisch in einer für sie fremden Sprache verständigen, ist schwierig“, berichtet der Polizist.

Wenn man dann Tage später – die Wogen haben sich dann meist geglättet – einen Dolmetscher auftreiben konnte, könnten sich die Tatbeteiligten in der Regel auf einmal nicht mehr erinnern. Das erschwere die Aufklärungsarbeit deutlich.

Und was sagt die Sicherheitsfirma für die Asylunterkünfte, „Jonas Better Place“, zu den Vorkommnissen? „In jeder großen Menschenansammlung kommt es zu Problemen“, meint Geschäftsführer Phillip Bauer. Dennoch habe man die Lage gut im Griff. Schlüssel dazu sei das Konzept „Betreuen statt bewachen“. Der Dienstplan seiner Mitarbeiter werde anhand des Belegungsplanes der einzelnen Einrichtungen aufgestellt. So könne man sicherstellen, dass immer ein Mitarbeiter vor Ort sei, der die Muttersprache der jeweiligen Flüchtlinge spreche. „Wir haben eigentlich immer jemanden, der Persisch, Farsi, Englisch und Französisch spricht“, meint Bauer.

Seine Mitarbeiter würden mit den Flüchtlingen reden, ihnen Rat und Hilfe angedeihen lassen. Das wäre sehr deeskalierend, wenn es doch zu Spannungen komme.

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