Mit Planen abgeschottet ist die Asylbewerberunterkunft an der Koempelstraße in Feldafing. Foto: Jaksch

"Es herrscht Sodom und Gomorrha"

Flüchtlingsunterkunft in Feldafing: Nachbarn sind genervt

Feldafing - Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim spricht von funktionierender Integration der in der Gemeinde untergebrachten Flüchtlinge. Die Nachbarn deren Unterkunft sind aber genervt.

Jürgen Förster wohnt genau gegenüber der Asylberwerber-Unterkunft. Er beklagt sich bitter: „Es herrscht Sodom und Gomorrha. Man schiebt allmählich Hass.“ Der Feldafinger kritisiert, dass auf dem Gelände der ehemaligen Diamantschleiferei die nächtliche Ruhezeit ab 22 Uhr nicht eingehalten werde. Das Wachpersonal sei „völlig überfordert“. Seit Juli hat er mehrfach Notarzt- und Polizeieinsätze beobachtet, meist in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden. Erst am Sonntag habe es wieder eine Schlägerei mit zwei Verletzten gegeben, die einen Polizeieinsatz notwendig machte. „Es sind Situationen, die unser Leben unerträglich machen“, sagt Förster und berichtet, die Flüchtlinge säßen bis tief in die Nacht draußen im Hof, redend und streitend, oder kehrten spät angetrunken zurück.

Nandl Schultheiß vom Helferkreis, die fast täglich in der Unterkunft vorbeischaut, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Der Vorfall am Sonntag sei schnell beigelegt worden. Nach Aussage von Michaela Oswald vom Sicherheitsdienst Jonas Better Place habe es eine Meinungsverschiedenheit zwischen Albanern gegeben, die sich hochgeschaukelt habe und bei der zwei Asylbewerber leicht verletzt wurden. Einer kam mit einer Rippenprellung davon, der zweite hatte eine leichte Kopfverletzung. Beide seien ins Krankenhaus gebracht worden, wurden aber noch am selben Tag wieder entlassen.

„Ich bin begeistert, wie friedlich es letztlich ist“, sagt Schultheiß. Die CSU-Gemeinderätin räumt aber ein, dass öfter schon der Notarztwagen mit Blaulicht anrückte. Ihrer Aussage nach waren die Einsätze krankheitsbedingt. Auch Bürgermeister Sontheim beschwichtigt. Allerdings spricht er auch von einer Gruppe Albaner, „die nur Ärger macht“. Deswegen habe er sich auch schon mit dem Landratsamt in Verbindung gesetzt und gebeten, diese Flüchtlinge so schnell wie möglich anderswo unterzubringen. „Ich bin mit unserem Ministerpräsidenten ja nicht oft einer Meinung, aber da hat er schon recht, dass diese Asylbewerber raus gehören, damit wir Platz haben für die, die wirklich humanitäre Hilfe benötigen.“ Noch in dieser Woche will sich Sontheim mit Jürgen Förster, Polizeichef Bernd Matuschek und den Vertretern des Wachpersonals zusammensetzen.

Das in Feldafing kursierende Gerücht, es soll eine Messerstecherei im Asylbewerberheim gegeben haben, bezeichnet Michaela Oswald vom Wachdienst als „blühende Fantasie“. Sie hat ihr Büro in der Feldafinger Einrichtung, wo sechs verschiedene Nationen untergebracht sind. „Hier läuft alles relativ ruhig ab. Der Vorfall am Sonntag war die erste Schlägerei. Die Gruppe der 24 Albaner wird so schnell wie möglich nach Manching verlegt.“ Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass die Flüchtlinge immer wieder gebeten werden, um 22 Uhr in ihre Zimmer zu gehen und sich nicht im Hof aufzuhalten, aber: „Wir können sie nicht einsperren.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Reichsbürger-Zahl im Landkreis Starnberg konstant - Verfahren um Waffenerlaubnis
Die Reichsbürger-Hochburg in Oberbayern ist der Landkreis Ebersberg: Aber auch im Raum Starnberg gehen die Ermittler Menschen nach, die sich dem Deutschen Reich …
Reichsbürger-Zahl im Landkreis Starnberg konstant - Verfahren um Waffenerlaubnis
Seefest, Wörthseeschwimmen und Kerzennacht abgesagt
Zu früh gefreut: Aus dem Seefest in Steinebach wird am Wochenende wegen des schlechten Wetters nichts. Das gilt auch für die Nacht der 903 Kerzen in Feldafing. Und das …
Seefest, Wörthseeschwimmen und Kerzennacht abgesagt

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion